Werkzeugmaschinen/Präzisionswerkzeuge Mit Marken und Design will Korea die Welt erobern

Redakteur: Ken Fouhy

Die koreanischen Hersteller von Konsumgütern sind international mit innovativen Produkten und starken Marken zunehmend erfolgreich. Der dortige Maschinen- und Anlagenbau könnte diese Erfolge jetzt nach-ahmen. Das Freihandelsabkommen mit der EU wird helfen.

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Produktionswachstum von 12,5 % in diesem Jahr nach 14 % im vergangenen Jahr erwartet Jong-Hyeon Shon, Vorsitzendender des koreanischen Werkzeugmaschinenverbands Komma.
Produktionswachstum von 12,5 % in diesem Jahr nach 14 % im vergangenen Jahr erwartet Jong-Hyeon Shon, Vorsitzendender des koreanischen Werkzeugmaschinenverbands Komma.
(Bild: Fouhy)

Die Nähe zu China und Japan ist für die koreanische Industrie gleichzeitig ein Fluch und ein Segen. China ist bereits in vielen Zweigen als Billiganbieter zur Fabrik für die Welt avanciert und hat die Herstellung von Massenprodukten in Korea erschwert. Japanische Hersteller versuchen hingegen, mit Hightech-Produkten und schlanken Produktionsprozessen ihre Weltmarktanteile zu verteidigen. Dazwischen liegt Südkorea, ein Land mit 50 Mio. Einwohnern, das jahrelang für günstige, aber solide Industrieprodukte von relativ namenlosen Herstellern bekannt war.

Ohne Kosten oder Produktvorteile wird es aber für koreanische Hersteller, die ohne große Markenbildung bisher im Exportgeschäft erfolgreich waren, zunehmend eng. Als Differenzierungsstrategie folgen immer mehr Industrieunternehmen Koreas den erfolgreichen Herstellern aus der Automobil- und Unterhaltungselektronik, wie Samsung, LG, Hyundai oder Kia. Solche Firmen haben im letzten Jahrzehnt massiv in Markenbildung, aber auch in Produktinnovation und Herstellungs-Know-how investiert. Und auch wenn Samsung in der vergangenen Woche in den USA den I-Phone-Patentstreit gegen Apple in erster Instanz verloren hat, basieren die meisten Fortschritte koreanischer Unternehmen auf ureigenen Innovationen.

Staatliche Förderung ist Eckpfeiler von Koreas Industriepolitik

Denn eine starke öffentliche Forschungsförderung ist einer der Eckpfeiler koreanischer Industriepolitik. Nach Angaben von Germany Trade & Invest (Gtai) stiegen die staatlichen Ausgaben Südkoreas innerhalb der letzten zehn Jahre von 2,3 % des Bruttoinlandsprodukts auf 3,7 %. In Deutschland liegt die FuE-Quote aktuell bei etwa 2,7 %. Um die Forschungsbasis zu erweitern und künftige Erfolge zu sichern, hat die südkoreanische Regierung Ende 2011 beschlossen, eine Reihe von Instituten zur Grundlagenforschung zu etablieren. So sollen bis 2017 etwa 50 Zentren mit 3000 Wissenschaftlern eröffnet werden. Schwerpunkte sollen unter anderem Informationstechnik, Energietechnik sowie Biotechnik bilden.

Aber auch die angewandte Forschung wird gefördert. So sind Transportsysteme auf Basis von Elektrofahrzeugen der zweiten Generation wie auch Dünnschichtsolarzellen ins Forschungsprogramm der Regierung aufgenommen worden. Und wie die aktuelle Übernahme vom deutschen Solarkonzern Q-Cells durch die Hanwha-Gruppe belegt, gelten in Korea andere Maßstäbe als hierzulande für die Bewertung wichtiger Forschungsfelder wie erneuerbare Energien.

Werkzeugmaschinenbauer in Korea erwarten anhaltendes Wachtum

Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine der wichtigsten Säulen der Industrie Südkoreas. Um die heimische Herstellung weiterhin international konkurrenzfähig zu gestalten, investieren koreanische Unternehmer derzeit vermehrt in Produktionstechnik. Die Investitionen im Maschinenbau sollen in diesem Jahr um etwa 6,7 % auf 62,2 Mrd. Euro ansteigen, so die Schätzung des Industrieverbands Koami. Vor allem die Anbieter von Werkzeugmaschinen haben in den letzten Jahren steigende Absätze erwirtschaften können.

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