Hannover Messe Mit Prozessautomation in die Zukunft
Für den MM MaschinenMarkt haben angehende Journalisten Führungen auf der Hannover Messe besucht. Ihre Erlebnisse schildern sie hier. Dabei ging es unter anderem um Prozessautomation in deutschen Unternehmen.
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Die Produktivität industrieller Prozesse steigern und dabei gleichzeitig Kosten senken? Möglich ist das durch Prozessautomation. Auf der Hannover Messe 2017 haben zahlreiche Aussteller gezeigt, wie sie durch Leitsysteme, neue Messtechniken, verschiedene Pumpsysteme und intelligente Sensoren ihre Abläufe automatisieren und so ihre Produktion optimieren können.
Dass dies nicht nur für Maschinen und technische Produkte möglich ist, zeigt Siemens. Sie haben ein System entwickelt, das die Produktion im Bereich Food & Beverage auf ein neues Level bringt. Das sogenannte Digital Enterprise, das aus verschiedenen Softwaremodulen besteht, erzeugt sowohl Lebensmittel als auch deren Verpackung am Computer und testet sie in der virtuellen Welt. So wird beispielsweise die Verpackungsdicke solange simuliert, bis Kosten und Nutzen ein optimales Verhältnis bilden. Nach demselben Prinzip funktioniert auch die Zusammensetzung der Lebensmittel: Das optimale Mischverhältnis der Zutaten wird zunächst in der virtuellen Welt probiert, bevor es in die Produktion kommt. So lässt sich die unnötige Verschwendung von Ressourcen vermeiden. „Der Geschmack wird natürlich nach wie vor vom Menschen im Labor getestet“, sagt Andreas Zintel, Portfolio-Manager bei Siemens, auf der Hannover Messe. Zuletzt werden die ermittelten Daten in einer Cloud gespeichert und können so für weitere Konzepte genutzt werden – durch die digitalen Datensammlungen geht nichts mehr verloren. Das gestaltet zukünftige Produktionen flexibler und effizienter.
Automatisierung ermöglicht ökologischere Produktion
Auch die Firma Jumo, Marktführer im Bereich Temperaturfühler und Wärmemengenzähler, nutzt Prozessautomation zur Optimierung des Energieverbrauchs. Mithilfe des DigiLine-Systems können Daten nun digital, statt analog übertragen werden. Dazu ist auf dem Sensor ein Gerät angebracht, das das analoge Signal in ein digitales umformt und an den Regler sendet. Dadurch ist die Messung weder störanfällig, noch abhängig von der Kabellänge. Zudem können über eine Software die Daten später kalibriert und der Prozess nachvollzogen werden, was die Wartung und den Service erleichtert. Auch die verwendeten Kabel müssen keine speziellen Anforderungen mehr erfüllen. Während bei der analogen Datenübertragung noch Koaxialkabel nötig waren, können mit DigiLine günstigere Standardkabel eingesetzt werden.
Optimierungspotenzial städtischer Versorgungsbetriebe
Die Firma Bürkert aus Ingelfingen nutzt Prozessautomation in der Wasseranalyse. Auf der Hannover Messe stellt sie ihre neue Plattform EDIP (Efficient Device Integration Platform) vor. Alle neuen Geräte sind mit einer einheitlichen Schnittstelle ausgestattet und können über EDIP integriert werden. Ein Beispiel: das Online Water Analysis System von Bürkert kommuniziert über EDIP mit verschiedenen Sensoren für den pH-Wert, Chlor-Wert, Leitfähigkeit und ORP-Sensor. Dadurch sind die wichtigsten Komponenten eines Wasserwerks vereint, miniaturisiert und digital miteinander verbunden. Die verschiedenen Messgrößen laufen in einer Schuhkarton-großen Box zusammen, die einen Zu- und Abwasseranschluss hat. Kombiniert man das System mit anderen EDIP-Systemen, kann so die Stoffkonzentration nicht nur gemessen, sondern auch automatisch gesteuert und angepasst werden. „Durch EDIP können die Messgeräte also deutlich verkleinert werden und mit beliebig vielen weiteren Geräten verbunden werden. Mit dieser Automatisierung der Prozesse können beispielsweise Stadtwerke ihre Arbeit bei der Wasseranalyse viel effizienter gestalten“, so Claudius Hagen, Software-Entwickler bei Bürkert.
Vom produkt- zum leistungsorientierten Markt: Die Optimierung der Produktionsabläufe ist eines der großen Ziele von Industrie 4.0 – denn der Nutzwert für den Endkunden ist hoch. Prozessautomation wird also nicht zum letzten Mal eines der Top-Themen auf der weltweit wichtigsten Industriemesse gewesen sein.
* Katrin Amling, Viola Neue und Isabella Muma Ngela-ah studieren Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.
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