Industrie 4.0 Mobiler Handlingsassistent für die Fertigung bei SEW-Eurodrive

Redakteur: Stefanie Michel

Für SEW-Eurodrive haben Wissenschaftler des Fraunhofer IPA eine Lösung für den „Griff in die Kiste“ entwickelt. Das Besondere: Der Roboter ist auf einem mobilen Assistenzsystem installiert und agiert an mehreren Produktionsabschnitten. Das System soll zukünftig in das Industrie-4.0-Umfeld in der Fertigung bei SEW integriert werden.

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Das System kann ungeordnet gelagerte Werkstücke greifen und diese für die Weiterverarbeitung geordnet ablegen.
Das System kann ungeordnet gelagerte Werkstücke greifen und diese für die Weiterverarbeitung geordnet ablegen.
(Bild: Jochen Hahn, SEW-Eurodrive)

Schon seit vielen Jahren arbeiten die IPA-Wissenschaftler an der Weiterentwicklung ihrer Lösung für den „Griff in die Kiste“, also der roboterbasierten Vereinzelung beliebig bereitgestellter Objekte. Ihre Software bp3 (Bin Picking 3D) ist dank offener Schnittstellen mit vielen Sensoren und Robotersystemen einsetzbar. Da die Software die Objektlageerkennung und Entnahmeplanung in Sekundenbruchteilen berechnet, kann sie geringe Taktzeiten erreichen. Somit stellt sie eine effiziente Alternative zur manuellen Vereinzelung und Zuführung von Werkstücken dar.

Die neueste Entwicklung hat das Fraunhofer IPA mit SEW-Eurodrive umgesetzt. Nachdem SEW-Eurodrive den mobilen „Griff in die Kiste“ auf der Hannover Messe 2015 präsentiert hat, soll er in Zusammenarbeit mit den IPA-Wissenschaftlern in die Produktion integriert werden.

Robotersystem kann mobil eingesetzt werden

Gegenüber den bisherigen Anwendungen kann das entwickelte System dank einiger technischer Neuerungen vielseitig und mobil eingesetzt werden. Der Roboterarm vereinzelt unbearbeitete Sägeabschnitte aus einer Kiste und legt diese auf das Zuführband des Bearbeitungszentrums auf. Im Sinne der intelligenten Verkettung fährt der mobile Handlingsassistent zur nächsten Station. Er greift bearbeitete Werkstücke von einem Ausfuhrband und legt diese in ein Härtegestell ein. Da dieses durch den Härtungsprozess stark verformt sein kann, muss der Roboter auch hier seine Stereo-Kamera einsetzen, um die einzelnen Werkstückaufnahmen erkennen und das Werkstück zuverlässig einlegen zu können.

Die Vision von SEW-Eurodrive ist es, Mensch, Technik und IT im Arbeitsprozess intelligent zu kombinieren. Der mobile Handlingsassistent ist einer von mehreren mobilen Assistenten, welche den Menschen unterstützen und belastungsfreies Arbeiten ermöglichen. Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand. Immer stärker verschmelzen beide zu einem Team. Weil Menschen den Arbeitsraum des Roboters betreten können, mussten die Wissenschaftler Sicherheitsmaßnahmen sowohl für die mobile Plattform als auch für den Roboterarm umsetzen. Die Sicherheitsmaßnahmen sind mit geringem finanziellem Aufwand umsetzbar und können leicht auf andere Systeme übertragen werden.

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