Materialfluss Musterprozesse

Redakteur: Güney Dr.S.

Hersteller von Einzelaggregaten im Materialfluss setzen auf zielgerichtete Produktentwicklung. Mit einem wachsenden Umsatzpotenzial an vorverpackter Ware im Selbstbedienungsregal und einem...

Anbieter zum Thema

Mit einem wachsenden Umsatzpotenzial an vorverpackter Ware im Selbstbedienungsregal und einem gleichzeitigen Rückgang der Thekenware sieht sich die Milch verarbeitende Industrie speziell im Bereich der Käseherstellung, konfrontiert. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen bieten sich für Hersteller von Industriegütern Ansätze für die Neuentwicklungen von absatzstarken Produkten oder die Verwendung gegebener Produkte und Technologien für zusätzliche Anwendungen. Die Bizerba GmbH & Co. KG, ein Unternehmen, das statische und dynamische Wäge-, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Service und Finanzdienstleistungen anbietet, hat in der industriellen Käseherstellung Produktionsprozess-Analysen durchgeführt. Ziel dieser Vorgehensweise ist ein Musterprozess, dessen Arbeitsgänge und Materialflüsse Auskunft über mögliche Einsatzgebiete von Bizerba-Produkten geben und insbesondere auf bisher vom Unternehmen nicht besetzte Bereiche hinweisen. Besonderes Augenmerk gilt der Bizerba-Wägetechnik und deren Anwendbarkeit zur Steuerung der Materiallogistik, denn gerade bei kontinuierlichen Prozessen kann das Gewicht als Mess- und Steuergröße die Effizienz des Materialflusses steigern.Fragebögen garantieren einheitliche DatengrundlageUm für eine Branche einen Musterprozess zu bilden, ist zunächst im Sinne eines Benchmarking eine Analyse bestehender Prozesse durchzuführen. Dies geschieht hauptsächlich durch Firmenbesuche, in deren Vorfeld ein Fragebogen zu den wichtigsten Elementen und Parametern der Prozesse erarbeitet wird. Dieser ga-rantiert eine einheitliche Datengrundlage. Sie gibt zum einen Auskunft über den grundsätzlichen Prozessablauf in der jeweiligen Branche (im vorliegenden Beispiel also die Prozessschritte zur Käseherstellung), zum anderen zeigt sie besonders effektive Prozesselemente auf, die es für den Musterprozess zu übernehmen gilt, da sie denen anderer Unternehmen überlegen sind.Sofern diese Überlegenheit nicht offensichtlich ist, sind die resultierenden Prozesselemente mit Hilfe systematischer Verfahren auszuwählen. Dazu wird für jedes Element aus jedem betrachteten Unternehmen eine Stärken-Schwächen-Analyse durchgeführt. Auf dieser Grundlage kann schließlich unter Verwendung der Nutzwertanalyse ein in Module unterteiltes Prozess-Template erstellt werden, das die leistungsfähigsten Elemente aus allen betrachteten Produktions- beziehungsweise Montageprozessen enthält. Basierend auf diesem können systematische Verfeinerungen an dem ermittelten Prozess vorgenommen werden. Dabei gilt es insbesondere, Trends und in der Entwicklung befindliche Techniken zu berücksichtigen, denn der Musterprozess soll zeitlich stabil sein. Diese Trends gilt es sorgfältig zu analysieren und selektiv in das Prozess-Template aufzunehmen. Es kann sich dabei als sinnvoll erweisen, individualisierte Varianten des Musterprozesses zu generieren, um den spezifischen Gegebenheiten bestehender oder potenzieller Kunden zu begegnen. Diese Muster dienen dann zum einen als Grundlage für die systematische Generierung neuer Produktideen und zum anderen als Mittel, den Kunden die Überlegenheit der Lösungen des Unternehmens zu demonstrieren. Gerade bezogen auf den letztgenannten Aspekt scheint eine elektronische Abbildung des Prozesses angeraten, da ein solches Modell eine flexible Handhabung erlaubt.Die dargestellte Vorgehensweise wurde auch von Bizerba angewendet. Neun führende Käsehersteller in Europa wurden besucht, um ein möglichst breites Spektrum an Herstellungsprozessen zu erfassen. Bei diesen Besuchen wurden die Produktionsabläufe aufgenommen und in Form eines Flussdiagramms dargestellt. Für jeden Prozess wurde eine Stärken-Schwächen-Analyse durchgeführt. Die resultierenden Schritte wurden mit der Nutzwertanalyse evaluiert, um ein Prozess-Template mit hohem Automatisierungsgrad für die Frisch-, Weich-, Schnitt- und Hartkäseproduktion abzuleiten. Folgende Prozesse wurden einbezogen: Milchannahme und Prozessraum, Käsefertigung, Abfüllung und Formung, Pressen, Ruhephase, Salzung, Bearbeitung, Reifung, Abfüllung und Endverpackung, Warenlager und Kommissionierzone. Die Ergebnisse der Nutzwertanalyse sind im Diagramm dargestellt. Deutlich ist zu sehen, dass die Nutzwerte nahe beieinander liegen, die Firmen also überwiegend ähnlich sind. Dies vereinfacht die Bildung eines Musterprozesses signifikant.Hinterlegte Datenblätter beinhalten geeignete ProdukteDarüber hinaus ist auch anzunehmen, dass die betrachteten Unternehmen weitere Vorschläge zur Rationalisierung dankbar aufgreifen, um im Wettbewerb Kostenvorteile zu erzielen. Aus der Analyse ergibt sich der Musterprozess. Es sind Datenblätter hinterlegt (Product Maps), auf denen geeignete Bizerba-Lösungen aufgelistet sind. Darüber hinaus wurde eine zusätzliche Liste weiterer Schritte erarbeitet, die zukünftig vorteilhafte Einsatzgebiete noch zu entwickelnder Lösungen sind. In dem erstellten Musterprozess können sich sämtliche Firmen der Frisch-, Weich-, Schnitt- und Hartkäseindustrie wieder finden.Da im Investitionsgüterbereich auch bezogen auf Einzelaggregate im Sinne von einzeln veräußer- und isoliert einsetzbaren Produkten zunehmend Problemlösungen verkauft werden, muss ein Zulieferer die Anforderungen der Hersteller kennen. Profunde Kenntnisse der Herstellungs- und Logistikprozesse bei aktuellen und potenziellen Kunden helfen, Produkte optimal den Einsatzbedingungen anzupassen und branchen- sowie kundenspezifische Lösungen zu entwickeln. Der wesentliche Nutzen des Musterprozesses besteht somit darin, dass er eine vollständige Guideline für eine systematische Überprüfung des eigenen Produktportfolios darstellt. Dies basiert zum einen auf der Erhebung der gesamten Kundenanforderungen entlang der Produktionskette. Darüber hinaus soll aber auch das Know-how der eigenen Mitarbeiter gehoben und in das Template integriert werden. Gerade von Mitarbeitern aus dem technischen Vertrieb können hier wertvolle Informationen gewonnen werden.Prinzipiell gilt es im Rahmen der Untersuchung, jeden Schritt auf einen möglichen Einsatz eigener Lösungen zu prüfen, das heißt das firmeneigene Produktportfolio wird auf die derzeit möglichen Anwendungsfelder und Einsatzmöglichkeiten geprüft. Bezogen auf bestehende Produkte werden sich hierbei sicher einige neue Einsatzpotenziale zeigen. Die größere Bedeutung hat aber die Frage, inwiefern für einzelne Elemente des Prozesses, für die das Unternehmen kein Angebot machen kann, Lösungen zu entwickeln sind. Zum einen erlaubt diese Prüfung ein Aufzeigen der Verbesserungspotenziale aktueller Produkte, zum anderen weist es auf Segmente hin, für die komplett neue Lösungen entwickelt werden müssen. Gerade der letzte Punkt zeigt deutlich, wie wichtig das Erkennen technologischer Trends in den betrachteten Märkten ist. Selbstverständlich müssen die aktuellen und eventuellen zukünftigen Anwendungsfelder auf ihr Marktpotenzial hin getestet werden. Ganz offensichtlich kann diese Methode zur systematischen Generierung von Innovationen als Implementierung einer Innovationsstrategie im Sinne eines „innovativen Unternehmens“ interpretiert werden. Gerade innovative Unternehmen haben starke „external links“.Die Produktionslogistik steht im Mittelpunkt des InteressesBizerba stellt selbst keine Maschinen für die eigentlichen wertschöpfenden Prozesse her, sondern insbesondere Wäge-, Kommunikations-, Informations- und Auszeichnungssysteme. Somit ist das erklärte Ziel des Unternehmens, die Prozesselemente zu betrachten, die zwischen den Arbeitselementen liegen, also die Produktionslogistik im engeren Sinne. Eine effiziente und effektive Steuerlogik ist gerade bei kontinuierlichen Prozessen von eminenter Bedeutung. Bizerba nützt daher das Gewicht als Steuer- und Messgröße für die Verbesserung des Materialflusses. Verbesserungen sind hier ganz offensichtlich Kostensenkungen, denn die genaue Ausgestaltung der Produktion wird bei einer angenommenen exogenen, von außen her entstehenden Nachfrage nach den Produkten des Kunden keine Auswirkung auf den Erlös haben.Elemente der sogenannten Logistikkosten sind im Wesentlichen die Kosten für Steuerung und Informationssysteme, für Kommissionierung und Umschlag sowie für den internen Materialfluss. Somit gilt es, an diesen Kostengrößen anzusetzen. Unabhängig von einzelnen Produktarten würde sich eine Verbesserung bereits durch geringere Unterhaltskosten (verbesserte Wartung, weniger Ausfälle, schnelle Reparatur, E-Service) ergeben.Bizerba stellt wie erwähnt keine Arbeitssysteme für die Käseproduktion her. Da das Unternehmen somit also nicht alleiniger Ausrüster für Käsereihersteller sein kann, müssen die Produkte über sehr flexible Schnittstellen verfügen, um für einen effizienten Materialfluss eine einfache Verkettung mit anderen Arbeitssystemen zu gewährleisten. Je universeller diese Schnittstellen und Tools sind, desto geringer sind die Kosten für ein Einschleifen der Bizerba-Systeme in Produktionsanlagen. Eine zentrale Erkenntnis, die sich aus den Firmenbesuchen in der Käserei-Industrie ergeben hat, ist, dass Bizerba diese Schnittstellen-Flexibilität bereits in hervorragendem Maße bietet. Dies gilt sowohl für den Software- (zum Beispiel Anbindung an SAP, Navision und Office-Tools) als auch den Hardware-Bereich (beispielsweise Profibusverbindungen). Mit Hilfe des Musterprozesses kann dieser Wettbewerbsvorteil auch zukünftig sichergestellt werden. Auch im Bereich der Kommissionierung kann Bizerba mit Lösungen aufwarten, die der Verbesserung des Materialflusses dienen. So wurde in der jüngsten Vergangenheit das Konzept des Gewichts als Führungsgröße durch entsprechend konzipierte Dosierungs- und Abfüllanlagen bei fließfähigen Produkten umgesetzt. So genannte Prozess-Templates erleichtern hierbei die Übertragung der Technik auf andere Branchen - zum Beispiel vom ursprünglich für die Chemie-Industrie konzipierten System auf die deutlich strenger regulierte Lebensmittelproduktion.

Artikelfiles und Artikellinks