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Setzt man Standards, hat man's leichter!
Den offenen Schnittstellenstandard OPC UA könne man im Kontext von Industrie 4.0 mit Fug und Recht als regelrechte Schlüsseltechnologie für den herstellerunabhängigen Austausch von Daten bezeichnen. Denn durch die Spezifikation der technischen Datenübertragung und die Beschreibung der Datensemantik in „Informationsmodellen“ fördert er die Interoperabilität und bildet folglich die Grundlage für die technische Kommunikation gemäß Industrie-4.0-Referenzarchitekturen und Umsetzungsempfehlungen, so die Experten. „Auf Basis der OPC-UA-Spezifikation entstehen derzeit viele domänenspezifische Informationsmodelle, so genannte OPC-UA-Companion-Specifications“, informiert Dr. Armin Lechler, stellvertretender Institutsleiter des ISW an der Universität Stuttgart. Diese beschreiben laut Lechler die benötigten Informationen innerhalb einer Domäne, wie beispielsweise der Längenmesstechnik. Das nütze sowohl dem Anbieter als auch dem Anwender. „Wie bei vielen Themen, steht bei der Vereinheitlichung von Kommunikationsschnittstellen auch die Kostensenkung ganz oben. Auch in der Längenmesstechnik wird wegen proprietärer Lösungen (dem Anbieter oder Hersteller gehörenden) viel Engineering- und Anpassungsaufwand geleistet“, betont Lechler. Eine vereinheitlichte Schnittstelle aber, erlaubt auch eine schnellere Umsetzung kundenindividueller Projekte.
Weg mit dem Wildwuchs der Datenformate
Und die Anbindung an andere Maschinen oder übergeordnete Steuerungs- und Planungssysteme würde sich deutlich bequemer gestalten. „Hinzu kommt, dass eine Schnittstelle kein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Die Daten liegen heute bei allen Herstellern schon in der einen oder anderen Form vor – nur eben nicht einheitlich“, bringt Lechler die bestehende Situation auf den Punkt. Aufgrund der diversen Aktivitäten im Hinblick auf Companion-Standards und der zunehmenden Verbreitung von OPC UA im Allgemeinen sehe er die Entwicklungen für die Zukunft positiv. Viele Projekte scheiterten aber aktuell noch an der industriellen Umsetzung, weil proprietäre Schnittstellen oft nicht wirtschaftlich nutzbar seien.
OPC UA senkt den Ausschuss
„OPC UA bietet die Möglichkeit, unser Wissen aus dem Messablauf mit anderen Prozessbeteiligten zu teilen. Das verkürzt im Closed Loop Reaktionszeiten bei Abweichungen und spart unseren Kunden viel Zeit und Geld“, wirft wiederum Prof. Heiko Wenzel, CDO der Wenzel Group, ein. Wenzel weiter: „Unsere Koordinatenmessmaschinen kommen neben ihrer Anwendung im Messraum zunehmend fertigungsnah zum Einsatz. Dabei prüfen wir nicht nur die Teile selbst, sondern erhalten klare Einblicke in Fertigungsbedingungen, wie Vibration, Temperatur et cetera., die unsere Messergebnisse beeinflussen.“ Das Sammeln dieser Daten und die Analyse erfolge bisher proprietär und könne deshalb erst einmal nur im eigenen Umfeld ausgewertet werden. Hier bietet OPC UA nach Ansicht des Experten wirklich hervorragende Chancen, um das Wissen mit und von anderen Maschinen teilen zu können. Das sorge für deutlich schnellere und nicht zuletzt auch präzisere Rückmeldungen. Die Anwender, so Wenzel, profitieren davon, dass die Analyseergebnisse – übrigens für weniger Fehlteile – direkt in eine übergreifende Überwachung und Steuerung der Produktion einfließen können.
Standardisierung kommt vor Perfektion
Zum 40-jährigen Jubiläum der Metav ist auch Prof. Wenzel wieder als Aussteller mit von der Partie, so die Messeveranstalter. Im Rahmen der Quality Area werden dabei neueste Entwicklungen bei der Koordinatenmesstechnik und Computertomographie sowie beim optischen High-Speed-Scanning vorgestellt. Man fokussiere sich dabei auf die Integration in flexible Fertigungsprozesse und die Sicherstellung der Produktionsqualität durch zeitnahe Prozessüberwachungsmöglichkeiten. „Gas bei der Standardisierung zu geben, ist aktuell dringlicher als Perfektion, sonst werden die Standards in anderen Branchen und Regionen gemacht, und wir müssen denen dann zwangsläufig folgen“, mahnt Wenzel. Man registriert auch schon, dass sich dabei beispielsweise IT-Unternehmen oder Automatisierer, die ganz andere Schwerpunkte und Erwartungen haben, positionieren wollen, so Wenzel. „Das macht es noch wichtiger, dass dass wir nicht so sehr auf Einzelinteressen achten, sondern rasch gemeinsame, wenn auch kleine, Nenner finden,“ sagt der CDO der Wenzel Group abschließend.
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