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Industrie 4.0

PLM, ERP und MES vernetzen

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Wie hängen nun PLM, ERP und MES zusammen?

In einem traditionellen PLM findet oft die Produktentwicklung statt. Diese Daten werden an das ERP weitergegeben und können von dort aus in die Fertigung gegeben werden. Das funktioniert laut Prof. Dr. Jörg W. Fischer vom KIT in Karlsruhe, solange man eine flache Produkthierarchie habe. Steigen jedoch die Varianten, dann müsse in einem ERP-System für jede Variante ein Baukasten angelegt werden. Da könnten dann schnell mehrere Millionen von Baukästen zusammenkommen.

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Das Problem dabei ist für das ERP-System nach Aussage des Karlsruher Professors, dass bei einer Änderung die Nachverfolgung in den einzelnen Baukästen zu einem unermesslichen Aufwand führe. Gehe man also davon aus, dass es zukünftig im Sinne von Industrie 4.0 zu mehr individuell gefertigten Produkten komme, könne man zwar durchaus wirtschaftlich in Losgröße eins fertigen. Doch würde bei dieser Arbeitsweise der Aufwand bei einer Bauteiländerung viel zu hoch. Würde man hingegen direkt aus einem PLM-System die Daten an das MES übergeben, so der Professor, könne man sich das ERP vor allem bei hochkomplexen Bauteilen mit vielen Varianten sparen.

Doch noch immer gibt es Unternehmen, die sich noch gar nicht mit der digitalen Transformation befasst haben, obwohl ihnen schon bewusst ist, dass sie sich für höhere Effizienz und Wettbewerbsvorteile transformieren müssen. Dies gilt besonders für kleine und mittelständische Unternehmen, die über weniger Ressourcen für ihre digitale Transformation verfügen und daher vorsichtiger agieren müssen.

Mittelstand hat noch viele manuelle Vorgänge

Eine Studie von Levvel Research zeigt unter anderem, dass mittelständische Unternehmen:

  • zu 78 % Rechnungsdetails manuell in ein System eingeben,
  • zu 41 % 5 bis 9 Tage für die Freigabe oder Bearbeitung von Rechnungen benötigen,
  • zu 44 % Papierrechnungen und zu 45 % Rechnungen per E-Mail erhalten. Nur 5 % nutzen EDI/XML, weitere 5 % setzen auf Web-Upload/Supplier Portal.

Die Empfehlung der Levvel-Research-Analysten lautet deshalb für diese Gruppe: Statt des Gießkannenprinzips kann es strategisch besser sein, als Ausgangspunkt für die digitale Transformation einen kostenintensiven Bereich, wie etwa die Kreditorenbuchhaltung, zu wählen, weil dort die Prozesse bei vielen mittelständischen Unternehmen noch manuell erfolgen und deshalb ineffizient und kostenintensiv sind. Gerade dafür und zur Rechnungsverwaltung eigne sich das Enterprise Content Management (ECM). Es sei flexibel genug, um andere Bereiche wie Vertragsmanagement, Personalwesen und Auftragsabwicklung zu unterstützen.

„Der Best-Practice-Ansatz, den Fokus der digitalen Transformation auf gewinnbringende, strategische dokumentenzentrierte Bereiche des Unternehmens zu setzen, entspricht dem, was wir generell empfehlen“, sagte Tom Franceski, Vice President und General Manager von Docstar, einer browserbasierten Plattform für Enterprise Content Management und Prozessautomatisierung von Epicor. „Mit Docstar können Führungskräfte ihren Weg zur digitalen Transformation in jedem Bereich des Unternehmens beginnen und auf weitere Anwendungsfälle und Abteilungen ausdehnen. Angesichts des hohen Grades an manuellen, ineffizienten und kostenintensiven Prozessen ist die Kreditorenbuchhaltung ein idealer Ausgangspunkt.“

Kommentar: Keine einheitliche Lösung

Auch wenn man die durchgängige Digitalisierung des Unternehmens in Angriff nehmen will, kommt es darauf an, welche Voraussetzungen man mitbringt. Hat man ein Unternehmen mit wenigen Varianten, dann gibt es wohl weniger Probleme, ein bestehendes ERP-System mit einem MES zu verknüpfen oder um ein PLM-System zu ergänzen. Anders sieht es bei hoher Variantenvielfalt aus: Da kann es dann wirklich vernünftiger sein, ein PLM-System zu nutzen und dies mit einem MES zu vernetzen. Denn man müsste ja sonst im ERP-System alle Varianten abbilden und dies kann selbst bei einem einfachen Produkt mit mehreren Variablen, dazu noch mit unterschiedlichen Gehäuseausführungen schnell in die Millionen gehen. Will man dann dort einige Änderungen vornehmen, kann das sehr schnell sehr unübersichtlich werden. Ohne externe Beratung geht es leider nicht. Auf jeden Fall sollte man sich grundsätzlich fragen, ob es sich lohnt, ein bestehendes System zu ergänzen oder doch etwas Neues einzuführen.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt