GKV-Aschermittwochs-Pressekonferenz

Polemik und schräge Medienaktionen bedrohen den Standort Deutschland

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Die deutsche Kunststoffindustrie redet nicht, sie tut echt was...

Der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Deutschland sei es ein Anliegen, die vor der Wirtschaft und der Gesellschaft in den Ländern, die das bewiesenermaßen Meiste zum kunststofflichen Müllproblem beitragen, liegenden Herausforderungen offen zu benennen und zu einer Lösung für diese globalen Probleme zu kommen, wo immer man als mittelständischer Industriezweig das könne. Erste Schritte dazu sind bereits gegangenen, betonte Roth. Verbände der Kunststoffindustrie haben im Oktober 2019 anlässlich der Weltleitmesse der Kunststoffindustrie K‘ mit der Studie Global Plastics Flow erstmals Daten zur Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffabfällen aus insgesamt 44 Ländern weltweit vorgestellt, heißt es weiter. Diese tragen nun dazu bei, dass eine geeignete Datengrundlage für weitere Aktivitäten vorliegen kann. Weiterhin engagieren sich Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie sowie der Branchenverband GKV in der PREVENT-Abfallallianz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und fördern damit den Wissens- und Technologietransfer zum Aufbau des Abfallmanagements und des Kunststoffrecyclings in Schwellen- und Entwicklungsländern, erklärte der GKV-Präsident.

Reine Diskriminierung der Kunststofftüte

Denn mit Blick auf viele Schwellen- und Entwicklungsländer, gibt es bei uns und anderen europäischen Staaten gut funktionierende Abfallsysteme, die es anzupassen und zu übertragen gilt. Umso mehr, merkt Roth an, wundert es ihn, dass angesichts dieser Technologie auf den Kunststoffen so unqualifiziert herumgehackt wird.

Dennoch, so Roth, muss man sich fragen, wie das mit dem zu erwartenden Anstieg von Konsumabfällen – uns zwar aller Art! – in Zukunft weiter gehen soll. Es braucht also Ideen, um den Pro-Kopf-Verbrauch auf ein nötiges Minimum zu begrenzen, ohne damit Einbußen in der Lebensqualität und Versorgung zu verursachen.

Es hätte der deutschen Bundesregierung beispielsweise offen gestanden, eine Diskussion über die Notwendigkeit von Einwegtragetaschen zu führen, meint Roth. Das Verbot allein der Tragetasche aus Kunststoff jedoch diskriminiere, ohne jeden Anlass, den Kunststoff einseitig und verleitet die Verbraucher offensichtlich zum Kauf von Alternativen, die aber oft ökologisch viel bedenklicher sind als die leicht zu recycelnde und mit wenig Aufwand herstellbare Plastiktüte. Nebenbei bemerkte Roth an, dass das Verbot künftig auch für Kunststofftragetaschen gelten soll, die mit dem Premiumumweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet wurden und zu mindestens 80 % aus Kunststoffrezyklat bestehen. Da fällt einem nichts mehr ein.

Ähnliche umweltschädliche Auswirkungen sind auch von den von der Europäischen Union verfügten Verboten von Einwegprodukten aus Polymeren zu erwarten, befürchtet Roth. Wenn der Kunststofftrinkhalm durch einen Trinkhalm aus importiertem Zuckerrohr-Biopolymer, das im Übrigen auch nichts weiter als Polyethylen in seiner Reinstform ist, und der Kunststoff-Einwegteller durch einen aus Aluminium oder beschichteter Pappe ersetzt wird, ist der Umwelt damit nicht gedient, mahnt der GKV-Präsident. Widersprüchliche politische Signale führten bereits jetzt zu Verunsicherung am Markt. Ein großer Hersteller von Konfitüren kündigte kürzlich an, Einweg-Kunststoffbecher durch eine Variante in Einweg-Glas zu ersetzen (Glas wiegt das Fünffache von Kunststoff und benötigt weit mehr Energie für seine Formgebung oder das Recycling!!!). Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Ist der Kunststoff-Standort Deutschland unverschuldet bald am Ende?

„Teile des von der neuen Europäischen Kommission unter Frau von der Leyen vorgestellten Konzepts des so genannten „Green Deal“ sehen wir kritisch, weil es den Irrweg von Produktverboten, Beschränkungen und Vorschriften weiterverfolgt und eben nicht auf transparente Maßstäbe für Nachhaltigkeit und fairen Wettbewerb der Werkstoffe um die besten Lösungen setzt“, konstatierte Roth. Forderungen nach einem weitgehenden Verbot von Kunststoffverpackungen aus der EU verschlimmern die Unsicherheit und Investitionsabneigung weiter.

Und ganz speziell der brandheiß geforderte Klimaschutz, das umweltpolitische Megathema dieser Dekade, wird ohne Kunststoffe nicht wirksam gelingen, stellt Roth klar. Dämmmaterialien, Fenster und Haustürfüllungen aus Kunststoff seien nämlich für die energetische Sanierung des Gebäudebestandes erforderlich. Ebenso erfüllen Kunststoffe wichtige Anforderungen im Leichtbau in modernen Konzepten des Automobil- und Flugzeugbaus und bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. „Es hätte der deutschen Bundesregierung gut angestanden, den positiven Klimaschutzbeitrag von Kunststoffprodukten mit wenigstens einer Silbe in ihrem nationalen Klimaschutzprogramm zu erwähnen. Kunststoff ist schließlich der Werkstoff des Klimaschutzes“, betont Roth.

An die Adresse der Umweltpolitiker in Berlin und Brüssel richte man deshalb den dringenden Appell, endlich in ganzheitlichen und nachhaltigen Lösungen zu denken, statt weiter einseitig auf den Kunststoff einzudreschen. Die folgen der negativen Stimmungsmache gegen den Kunststoff bleiben nicht ohne bereits heute spürbare Folgen für die Unternehmen, lässt Roth wissen. „Viele Kunststoffplayer berichten über negative Konsequenzen für das Unternehmensimage, negative Folgen für ihren Umsatz und negative Auswirkungen auf die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften“, ergänzt Roth. Auch die Berichte deutscher Hochschulen über den teilweise dramatischen Rückgang von Studienbewerberinnen und -bewerbern für Studiengänge im Fach Kunststofftechnik im zweistelligen Prozentbereich sprächen eine deutliche Sprache und hätten absehbar gravierende Konsequenzen für den Kunststoffstandort Deutschland.

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