Werkstoffe Preisauftrieb zwingt Edelstahlindustrie zur Neuorientierung
Während die Stahlindustrie weltweit boomt, läuft der Edelstahlsektor Gefahr, Marktwachstum zu verlieren. Grund sind die durch steigende Rohstoffkosten verursachten hohen Preise für das vielseitig verwendbare Metall. Mit neu entwickelten Güten versuchen deshalb die Edelstahlhersteller, ihren Kunden preiswerte Werkstoffe mit guten Qualitätseigenschaften anzubieten.
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Zuerst ein Flop, dann Kult und heute ein gesuchtes Sammlerstück: Der in Irland Anfang der 80er Jahre gebaute De Lorean DMC-12 wurde erst nach Produktionsende durch die Film-Triologie richtig berühmt. Besonderes Merkmal des keilförmigen Flügeltürers: die matt glänzende, unlackierte Edelstahlkarosserie. Zurück in die Vergangenheit wünscht sich dagegen heute so mancher aus der Edelstahlbranche. Zurück in Zeiten nämlich, als Preise für Rohstoffe noch halbwegs konstant und damit die Kosten auch auf längere Sicht kalkulierbar waren.
Denn was sich in den letzten Jahren preislich an den Märkten für Edelstahlschrott und Legierungselementen wie Nickel, Chrom oder Molybdän abspielte, ist fast schon so verrückt wie die Handlung der „Zurück in die Zukunft“-Filme. Beim Stahlschrott und bei Chrom vervierfachten sich innerhalb weniger Jahre die Preise. Der Molybdän-Preis stieg in noch kürzerer Zeit von unter 10000 auf bis zu 80000 US-Dollar pro Tonne in der Spitze und auch der Nickelpreis legte gewaltig um mehr als das Fünffache zu.
Mit Legierungszuschlägen den Kunden zur Kasse gebeten
Für die Kunden machen sich die Preissteigerungen weniger im Grundpreis bemerkbar, der in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabil blieb. Zur Kasse gebeten werden sie vielmehr über die schon vor langer Zeit eingeführten, obligatorischen Legierungszuschläge. „Diese Zuschläge werden zum Beispiel für rostfreie Flacherzeugnisse monatlich von den Produzenten neu ermittelt, weil die Preise für die Legierungselemente sich oft kurzfristig und stark ändern“, erläutert Dirk Antony, Geschäftsführer der Edelstahlhandels-Vereinigung in Düsseldorf. Dabei werden nicht nur die eigentlichen Legierungszuschläge wie Chrom, Nickel oder Molybdän berücksichtigt, sondern auch der eingesetzte Schrott.
Grundlage dieser Legierungszuschläge sind die Preise der eingesetzten Rohmaterialien. Während der Chrompreis quartalsweise ausgehandelt wird, bestimmt die Londoner Metallbörse (London Metal Exchange, kurz LME) den Preis für Nickel. Und der war in jüngster Zeit – darin sind sich die meisten Fachleute einig - zu einem Großteil durch Spekulationen von Rohstofffonds beeinflusst, deren Betreiber im Rohstoffmarkt ein schnelles Geschäft witterten.
Rohstoffe im Griffe von Hedgefonds und Spekulanten
Auch Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender beim Stahlinstitut VDEh in Düsseldorf meint, dass Rohstoffe seit einigen Jahren verstärkt in den Fokus der Finanzbranche gerückt sind und zunehmend zur Diversifizierung von Investmentportfolios eingesetzt werden: „Einzelne Rohstoffe geraten damit auch ins Visier von Hedgefonds und Spekulanten“.
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