Technische Druckerzeugnisse Print-on-demand setzt sich bei technischen Dokumenten durch

Autor / Redakteur: Torsten Faustmann / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Technische Druckerzeugnisse jeglicher Art werden nahezu allen Erzeugnissen im produzierenden Gewerbe beigelegt, gleich in welcher Branche. Damit die Produktion flüssig läuft, müssen gedruckte Informationen pünktlich in der Fertigung vorliegen. Unternehmen gehen darum heute dazu über, das Drucken von produktspezifischen Texten für die Auslieferung selbst in die Hand zu nehmen.

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Ob Dokumentationen, Installationsanleitungen oder Gebrauchsanweisungen: Fast immer müssen Informationen schwarz auf weiß und immer öfter auch in Farbe vorliegen, wenn ein Produkt die Fertigungslinie verlässt und an den Kunden geliefert werden soll. Über lange Zeit hinweg wurde diese produktionsnahe Dienstleistung ausgelagert. Druckereien lieferten die nötigen Beiblätter und Broschüren an. Ausgefeilte Lieferlogistik sollte dabei für den Gleichtakt mit der Produktion sorgen.

Dennoch hat das Outsourcing in diesem Bereich deutliche Schwächen. Immer wieder sind Texte veraltet, weil ein Detail des Produktes sich ändert, weil die Variantenvielfalt stetig steigt oder es schlicht und einfach zu Engpässen kommt. Viel Altpapier und – weitaus schlimmer – Verzögerungen bis hin zum Produktionsstillstand sind die Folge.

Zeit und Papierkosten lassen sich leicht einsparen

Bei Verwendung der digitalen Drucktechnik muss das nicht länger sein. Print-on-demand-Lösungen, bestehend aus Drucksystemen und Steuerungssoftware, schaffen Abhilfe und sind heute dank digitaler Technik leicht erschwinglich. Unternehmen behalten dabei die Kontrolle über diesen wichtigen Teil der Fertigung und vermeiden Ausschuss und Ausfallzeiten.

Mit der Entscheidung für Print-on-demand-Lösungen, wie sie beispielsweise Canon anbietet, sparen Unternehmen zudem Zeit und Papierkosten und erhöhen die Qualität der Produktion. Print-on-demand eignet sich vorzugsweise als Insourcing-Lösung, doch auch Zulieferungen durch Dienstleister lassen sich bei enger Verzahnung realisieren, wie Beispiele zeigen.

Individuelle Dokumentationen für seine Messsysteme etwa produziert Endress + Hauser Conducta in Stuttgart selbst. Der weltweit führende Spezialanbieter für die Analytik und Sensorik in der Umwelt- und Prozessindustrie hat dafür eigens zwei Canon-Drucksysteme vom Typ iR105 in eine Fertigungsstraße integriert.

Fehlerpotenzial bei externer Druckerei

Technische Dokumentationen für seine Messgeräte ließ Endress + Hauser Conducta zuvor täglich durch eine externe Druckerei bis an die Produktionsstraßen liefern. Das System hatte dennoch Lücken, da die kombinierten Installations- und Bedienungsanleitungen, bedingt durch den Druckvorlauf, nicht immer auf dem neuesten Stand waren und das Beipacken aus dem Lagerregal Fehlerpotenzial barg.

Mit der Einführung einer völlig neuen Produktlinie, die eine immense Variantenvielfalt abdeckt, entschloss sich das Unternehmen, eine Print-on-demand-Lösung von Canon in die neu aufzubauende Fertigung zu integrieren. Die Besonderheit: Das Drucksystem ist über einen Druckmanagementserver direkt in das Auftragsmanagement eingebunden und arbeitet im Takt der Produktionsstraße. Für jeden Sensor mit seiner speziellen Funktionsbandbreite wird so anhand der Bestellnummer die richtige und einmalige Dokumentation erstellt – passend zur jeweiligen Landessprache. Die vorbereiteten Inhalte liegen als Textblöcke abrufbereit auf einem eigenen Server.

Dieser Ansatz bietet auch für die Kunden des Unternehmens Vorteile. Denn die mögliche Funktionsbandbreite von Serienprodukten erforderte zuvor, sämtliche möglichen Funktionen in einer mitgelieferten Dokumentation aufzuführen, auch wenn sie im ausgelieferten Produkt nicht verfügbar waren. Für den Kunden fielen somit überflüssige Mengen an Papier an, ebenso wie für das Unternehmen. Auch wurde die Landessprache nicht in jedem Fall berücksichtigt, so wie das heute möglich ist.

Die beiden professionellen Schwarzweiß-Drucksysteme iR105 bei Endress + Hauser Conducta sind mit der Druckmanagementsoftware Uniflow verbunden, die das Funktionieren im Produktionstakt ermöglicht. Steht ein Produktionsauftrag für ein bestimmtes Messsystem an, so wird er anhand einer im SAP-System generierten XML-Datei abgearbeitet, die alle relevanten Informationen über die Konfiguration enthält, auch über den Druck der Dokumentation.

Diese wird automatisch aus jenen Textblöcken und Grafiken zusammengestellt, die für die Konfiguration eines einzigen Produktes infrage kommen. Die Steuerungssoftware Uniflow liest die Daten der XML-Datei aus, greift auf die im Netzwerk hinterlegten Texte und Grafiken zu und bereitet sie für den Druck auf.

Da eine komplette Anleitung im Durchschnitt 60 Seiten im Format A5 umfasst, entschied sich das Unternehmen für zwei iR105-Anlagen, die je 15 Blatt Papier im Format A4 beidseitig bedrucken und heften. Durch diesen Split der Dokumentation in Installations- und Bedienanleitung gelingt es Endress + Hauser Conducta, die Drucke im Produktionstakt von 90 Sekunden herzustellen und den fertigen Geräten beizulegen. Die individuelle Bestellnummer jedes Artikels wird dabei auf der Titelseite vermerkt.

Richtige Dokumente müssenrechtzeitig verfügbar sein

Erst durch Print-on-demand konnte Endress + Hauser Conducta die lückenlose Produktion passender Dokumentationen für die neue Produktlinie realisieren. Aus diesem Grund wurde die Canon-Lösung hochverfügbar ausgelegt, denn das Vorhandensein der richtigen Dokumentation ist essentiell für den kompletten Produktionsprozess. Mit Print-on-demand erreicht Endress + Hauser Conducta das Ziel, rund 90 000 mögliche Varianten der Messgerätelinie zum richtigen Zeitpunkt zu produzieren, bei rund 100 000 Einheiten jährlich. Der reine Seitenpreis ist dabei um 40 bis 70% gesunken, je nach Ausführung einer Dokumentation.

In hohen Stückzahlen liefert auch das Medien- und Druckhaus Steimer in Germersheim solche Info-Dokumente für gewerbliche Kunden, die diese Lösung nicht im eigenen Unternehmen betreiben, sondern auf die Anbindung eines digital arbeitenden Druckdienstleisters setzen. Dabei hat dem Druckhaus Steimer der Einstieg in den Digitaldruck geholfen, sich am Markt weiter zu etablieren. Um den Ausschuss durch veraltete Druckerzeugnisse zu reduzieren, setzt der Druckdienstleister ebenfalls die Software Canon Uniflow für das intelligente Druckmanagement ein. Mit Hilfe der Software werden beigelegte Dokumente für die Auslieferung an die Endkunden individualisiert. Die Produktion erfolgt auf drei Systemen vom Typ Canon iR105.

Die Vorteile gegenüber dem klassischen Druck liegen auch hier auf der Hand. So produzierte das Druckhaus Steimer einst jährlich rund 6 Mio. Anleitungen für einen Kunden im Offsetdruck. Die Einzelstückzahlen beliefen sich dabei auf 1000 bis zu 30 000 Exemplare je Produkttyp, für den sie benötigt wurden. Diese Mengen lagerten beim Hersteller und wurden separat jedem Artikel beigelegt. Zwar war das Druckhaus in der Lage, binnen eines Tages für Nachschub zu sorgen, doch war der gelegentliche Stillstand in der Auslieferung bei steigenden Produktionsstückzahlen immer weniger hinnehmbar. Restmengen in Höhe von durchschnittlich 10 bis 15% einer Auflage wurden zudem durch Änderungen an den Produkten zu Altpapier und damit wertlos.

Just-in-time-Produktion für jede einzelne Bestellung

Im Jahr 2003 entschied sich das Druckhaus Steimer darum für den heutigen Ansatz: Anleitungen und Kommissionszettel sollten für jede einzelne Bestellung aktuell produziert und als kompletter Dokumentensatz angeliefert werden. Nach der Beratung mit dem betreuenden Systemhaus Nothnagel GmbH & Co. Kommunikationssysteme KG aus Darmstadt entschied sich das Druckhaus darum im Jahr 2003 für Schwarzweiß-Drucksysteme vom Typ Canon iR105 und die von Canon angebotene Steuerungssoftware Uniflow.

Im Warenwirtschaftssystem beim Produzenten wird heute eine Steuerdatei im Textformat erstellt, die während der Nacht auf den FTP-Server des Druckhauses übertragen wird. Uniflow wiederum stellt die Druckinformationen anhand der Steuerdatei des Möbelherstellers bereit. Am Morgen starten dann die Druckjobs auf den drei Canon-iR105-Systemen, die ihre Aufträge aus dem Uniflow-System erhalten. Diese weitgehende Automatisierung hat die Produktion erheblich rationalisiert. Der Vorlauf beträgt nur noch eine Woche, die Lieferung der Papiere an den Hersteller erfolgt noch am selben Tag pünktlich zur Produktion.

Die rund 500 MB umfassende Steuerdatei enthält in chronologischer Ordnung alle Kundenbestellungen und -adressen eines Tages inklusive der Steuerbefehle, die nötig sind, um bei Steimer die dazu passenden Dokumente aufzurufen. Aus diesem Textfile mit rund 1200 Lieferadressen täglich erstellt Uniflow die passenden Kombinationen von aktuellen Kommissionsaufträgen inklusive der Standarddrucke, je nach Wunsch geheftet oder lose. Besonders für den Export der Güter ist die mit Uniflow erreichte Vollständigkeit der Schriftsätze grundlegend, da Lücken in den Papieren Schwierigkeiten bei Grenzkontrollen und kostenträchtige Retouren bedeuten. Mit der Canon-Lösung werden heute rund 10 bis 15% der früheren Druckkosten eingespart.

Selbst große Stückzahlen sind wirtschaftlich zu fertigen

Auch eine extrem hochvolumige Drucksachenproduktion lässt sich mit digitalen Systemen und ohne klassische Druckmaschinen betreiben, wie das Beispiel des Deutschen Bundestags und des Bundesrats belegt. Der Berliner Druckdienstleister Koebcke produziert mit 51 Canon-Digitaldrucksystemen iR105, der weltweit größten Installation ihrer Art, mit einer Kapazität von rund 5 Mio. Schriftstücken täglich. Das Leipziger Systemhaus Imcopex hat als Canon-Partner die Anpassung der Systemlandschaft übernommen.

Die Besonderheit der Lösung liegt in ihrer Kleinteiligkeit: Da früher drei Großdrucksysteme eines Mitbewerbers eingesetzt waren, führte der Ausfall einer Maschine bereits zu erheblichen Engpässen. Weil jedoch die Beschlussfähigkeit der Parlamentarier nur mit Vorliegen der Drucksachen gegeben ist, ist ein Ausfall nicht hinnehmbar. Heute wird in der Regel ein Dutzend Aufträge automatisch auf die Systeme verteilt, um eine optimale Auslastung und Schnelligkeit in der Produktion zu erreichen. So lässt sich die Produktion gezielt aufschlüsseln. Die komplex verwobenen Auflagenhöhen und Stückzahlen lassen sich dank der Vielzahl der Systeme reibungslos versetzt produzieren und konfektionieren.

Im Geschäftsjahr 2006 hat Canon ein Nachfolgesystem für den Imager-Runner 105 vorgestellt, der das Leistungsniveau digitaler Print-on-demand-Lösungen weiter steigert und eindeutig in den Bereich klassischer Druckereien hebt: Der iR7105, Canons Top-Modell bei Light-Production-Drucksystemen, wurde für Druckumgebungen entworfen, in denen Leistung eine zentrale Rolle spielt. Der iR7105 druckt bis zu 105 Seiten pro Minute und bietet mehr Finishing-Optionen als jedes andere System dieser Klasse.

Finishing-Optionen sind ein klarer Systemvorteil

Gerade vor dem Hintergrund der gebrauchsfertigen Drucksachenproduktion in der Industrie ist dies ein klarer Systemvorteil. Neben der Doppel- und Vierfachlochung steht für komplexere Anforderungen die Professional-Locher-Option zur Verfügung, die eine Kunststoff- und Drahtkammbindung ermöglicht und damit eine enorme Produktvielfalt erlaubt. Ebenso produziert der iR7105 hochwertige Broschüren mit Sattelheftung oder gebundene Bücher mit Klebebindung. Die neue, hoch auflösende Canon-Tonertechnologie gewährleistet ein gestochen scharfes Druckbild sowie einheitliche Halb- und Volltöne über viele Jahre.

Müssen Papiervorlagen im Produktionsprozess digitalisiert werden, ist auch dies möglich. Das System scannt 85 Seiten pro Minute. Zudem ist dank des leistungsfähigen Stapelablegers und des Handwagens, mit dem das gedruckte Material weitertransportiert werden kann, ein unterbrechungsfreier Druckprozess möglich.

Der steigenden Bedeutung des Farbdrucks für das produzierende Gewerbe wird ebenfalls Rechnung getragen. Mit der neuen Image-Press C7000VP stellt Canon die nächste Generation von On-demand-Auflagendrucksystemen vor. Dank der revolutionären Image-Press-Technologie setzt dieses System mit 70 DIN- A4-Farbseiten in der Minute neue Maßstäbe. Die innovative Farbtechnik sorgt für einen Qualitätssprung bei Druckergebnissen in Farbe.

Die Image-Press C7000VP wird ab Juli 2007 erhältlich sein. Unternehmen, die schon heute in Farbe produzieren möchten und nicht ganz so hohe Geschwindigkeiten benötigen, können auf die Image-Press C1 zurückgreifen, die mit der gleichen innovativen Technik 14 Farbseiten in der Minute druckt. Beide Image-Press-Systeme eignen sich selbstverständlich für den gemischten Betrieb, da sie auch den Schwarzweißdruck beherrschen.MM

Torsten Faustmann ist Produktmanager Professional Solutions bei der Canon Deutschland GmbH, 47807 Krefeld, Tel. (0 21 51) 3 45-3 63, torsten.faustmann@canon.de

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