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Recycling von Windkraft-Rotorblättern wird zur Herkulesaufgabe

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Rückgewinnung von Glasfasern lohnt sich noch nicht

Die Weiterverarbeitung der Rotorblattabfälle erfolgt dann in spezialisierten Aufbereitungsanlagen. Grundvoraussetzung ist die sortenreine Trennung der Abfallströme. Wichtig ist dabei, dass GFK-Teile und CFK-Komponenten in der Regel keine mechanisch einfach lösbaren Verbindungen haben. Das macht Trennverfahren mit hydraulischen Scheren und Trennschleifern nötig. Die Teile werden zunächst auf eine Länge von circa einem Meter zugeschnitten und anschließend auf 5 Zentimeter gekürzt. Die aus den aufbereiteten Rotorblattabfällen abgetrennten Eisen- und Nichteisenmetalle werden mit bekannten Verfahren des Metallrecyclings behandelt. Und durch Pyrolyse (thermische Behandlung unter Sauerstoffentzug) können die wertvollen Carbonfasern zurückgewonnen werden. Für GFK-Fasern hat sich bisher kein Aufbereitungsverfahren etabliert, weil es sich noch nicht lohnt. Bei GFK scheidet auch eine Deponierung wegen des hohen organischen Anteils aus. Und die Verbrennung ist wegen der hohen Schlackenbildung durch die Glasfasern ungeeignet. Die Verwertung von GFK erfolgt momentan in Zementwerken, wo die Glasfasern im Klinker als Siliziumdioxid (SiO2, englisch Silica) stofflich und die Matrix energetisch verwertet werden, so die Studie des Umweltbundesamtes. Das Manko mit der fehlende Rückgewinnung könnte jedoch mit einer steigenden Nachfrage nach Rotorblattrecycling Geschichte werden.

GFK-Teile sind derzeit vor allem Energielieferanten

Nach der Thematik befragt, meint Felix Losada, Pressesprecher bei Nordex: „Generell ist eine energetische sowie stoffliche Verwertung in der Zementindustrie derzeit die einzige verfügbare und vor allem wirtschaftlich machbare Lösung für das Recycling von GFK.“ Das sogenannte Cement-Co-Processing ermöglicht laut Losada die Rückgewinnung von Energie und Materialien, die zur Herstellung von alternativen Brennstoffen und Baustoffen verwendet werden können. Im industriellen Maßstab könnten Rotorblätter auch per Müllverbrennung verwertet werden. Die Frage nach den Erwartungen für die Zukunft beantwortet wiederum der Protagonist Grüneisen: „Wir erwarten weitere Fortschritte in der Materialwirtschaft. Mit zunehmender Anlagen- und Rotorgrößen werden sich auch die Materialzusammensetzungen verändern müssen. Dabei wird auch eine verstärkte Weiterverwertbarkeit eine wichtige Rolle spielen.“

Kenner der Szene sehen Chancen durch die Solvolyse

Nach Ansicht der Experten ist ein interessanter Schritt dahin die sogenannte Solvolyse der Epoxidmatrix. Im Vergleich zur Verbrennung der Matrix gilt sie als ein materialschonendes Verfahren, wenn es um die Faserrückgewinnung geht. Die Vorteile der Solvolyse im Gegensatz zur Pyrolyse werden in einer höheren Kohlenstoffwiederverwertungsquote (Effizienz) erwartet, wie das Unternhemen Evonik dazu anmerkt. Ein Ansatz, den übrigens auch Siemens Gamesa verfolgt. Nicht zu vergessen: Auch den Betriebsflüsigkeiten kommt eine wichtige Funktion zu. Das sind vor allem Öle, Schmierstoffe sowie Hydraulikflüssigkeiten. Denn auch sie müssen im Rahmen des Rückbaus sachgemäß entsorgt werden. Viele Daten sind erhoben und effiziente Verfahren leider noch Mangelware. Sie werden aber in naher Zukunft benötigt. Gerade bei der Solvolyse gibt es noch Entwicklungsbedarf mit hohem Potenzial. An einer Verbesserung des Entsorgungspotenzial ist zu arbeiten.

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