No more Redispatch
Das Stromnetz der Zukunft hat kein Verteilungsproblem

Quelle: Dr. rer. nat. Thomas Dr. Isenburg Dr. Thomas Isenburg 6 min Lesedauer

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Redispatch nennt man, was das Stromnetz betrifft, Eingriffe in die Leistungsabgabe von Kraftwerken, damit keine Überlastung entsteht. Doch es mehren sich diese Maßnahmen. Doch es gibt Abhilfe ...

Die Stromversorgung soll möglichst nachhaltig und grün sein. Doch das Angebot ist vom Wetter abhängig. Gleichzeitig steigt der Stromhunger. Und was passiert, wenn bis 2030 die bisher als Stabilisierungssysteme nötigen Kohlekraftwerke vom Netz gehen? Keine Angst, es gibt was ...(Bild:  Enerchamp)
Die Stromversorgung soll möglichst nachhaltig und grün sein. Doch das Angebot ist vom Wetter abhängig. Gleichzeitig steigt der Stromhunger. Und was passiert, wenn bis 2030 die bisher als Stabilisierungssysteme nötigen Kohlekraftwerke vom Netz gehen? Keine Angst, es gibt was ...
(Bild: Enerchamp)

Aktuell prägen Redispatch-Eingriffe das Bild der Elektrizitätsversorgung. Wenn dann das Stromnetz droht, aus dem Gleichgewicht zu geraten, müssen regelbare Kraftwerke eingesetzt werden. Der Grund ist, dass entweder zu viel oder zu wenig Energie im Stromnetz vorhanden ist. Ein häufiges Szenario ist starker Wind, der sich im Norden Deutschlands ausbreitet. Der dann große Stromanfall kann nicht einfach in den Süden weitergeleitet werden. In diesem Fall müssen die Stromleitungen teilweise unterbrochen werden. Ein weiteres Phänomen sind sogenannte Dunkelflauten, also Zeiten, in denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht. Hinzu kommen Helligkeitsbrisen, wenn die Sonne stark scheint und der Wind weht. Der Strom muss dann abgeregelt, gespeichert oder exportiert werden, was eine komplexe Problemstellung darstellt. Tennent Germany merkt etwa an, dass allein in deren Regelzone rund 2.500 Mal zur Stabiliserung eingegriffen werden muss, das ist aufwendig und nicht zuletzt teuer.

Regelbare Gaskraftwerke können den Kohlestrom ersetzen

Bei Dunkelflaute oder abgeregelten Stromleitungen können regelbare fossile Kraftwerke die erforderliche Kompensation erledigen. Es kommt dabei zu den oben schon beschriebenen Redispatch-Maßnahmen, was oft mehrmals am Tag passiert. Bisher setzen die Netzbetreiber hierfür auf Kohlekraftwerke. Doch der Kohleausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache und soll bis spätestens 2038 vollzogen sein. Windparks im Norden werden deshalb schnell errichtet, um die fehlenden Kraftwerke auszugleichen. Der Bau von Stromleitungen, die die Elektrizität zu den Verbrauchszentren im Süden bringen, hinkt jedoch hinterher. Aktuell ist die Systemführung mit den bestehenden Kohlekraftwerken handhabbar. Was ist also zu tun, wenn demnächst die regelbaren Kohlekraftwerke vom Netz gehen? Schon die Ampelregierung setzte angesichts dessen auf regelbare Gaskraftwerke. Diese sollen Stromlücken ausgleichen, wenn nicht genügend erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Im aktuellen Koalitionsvertrag war der Bau einer zusätzlichen Kapazität von 20 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken vorgesehen. Allerdings müssen diese von Beginn an auch auf die Abscheidung von Wasserstoff ausgelegt sein. Auch die Abscheidung von Kohlendioxid muss möglich sein, um die Klimaschutzziele nicht zu gefährden. Diese Entscheidung ist aber umstritten, weshalb Umweltschutzverbände das Ganze kritisieren, während die Energiewirtschaft sie wiederum begrüßt. Tennent Germany sagt, dass es etwa 21 Gigawatt zusätzliche gesicherte Leistung geben muss, um das Stromsystem auch nach 2030 zuverlässig betreiben zu können. Das Unternehmen setzt sich dabei für eine systemdienliche Verortung neuer Kraftwerkskapazitäten ein. Ein Drittel soll im Norden verortet sein (insbesondere zum Netzwiederaufbau, Kurzschlussleistung) und zwei Drittel im Süden (vor allem Redispatch).