Richtige Menge zum richtigen Termin
Grafische Techniken veranschaulichen die Bedarfs- und Bestandsliste im SAP-System. Die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus wickeln speziell im Fall Sonderkonstruktionen ihre Aufträge in Form...
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Grafische Techniken veranschaulichen die Bedarfs- und Bestandsliste im SAP-SystemDie Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus wickeln speziell im Fall Sonderkonstruktionen ihre Aufträge in Form von Projekten ab. Typisch für solche Projekte sind ein hoher Auftragswert, ein hoher Engineering-Anteil, eine komplexe Produktstruktur und enge Liefertermine. Die im Hinblick auf die komplexe Produktstruktur engen Liefertermine zwingen die Unternehmen, bereits mit der Fertigung zu beginnen, auch wenn die Stückliste noch unvollständig ist. Man spricht von der so genannten ,,wachsenden Stückliste".Anhand von grafischen Techniken, die bisher im SAP-Umfeld noch neu sind, zeigt der vorliegende Beitrag auf, wie im Marktsegment Maschinen- und Anlagenbau die Probleme der Materialdisposition gelöst werden. In Teil 1 des Beitrags in MM 49 wurden der Kundenauftrag, der Projektstrukturplan und die Stückliste erläutert. Damit wurden die Voraussetzungen für das Verständnis der Bedarfsverrechnung im SAP-System geschaffen, die dieser Beitrag beschreibt. Zunächst wird dazu die Rolle des Netzplans vorgestellt.Mit dem Netzplan überprüft der Projektleiter, ob er mit seinem Projekt ,,in time" ist. Der Netzplan legt die zeitlich-logische Reihenfolge der Projektaktivitäten fest, das heißt er geht von den Bedarfs-terminen aus dem Kundenauftrag aus, bestimmt die Start- und Endtermine der Netzplanvorgänge und leitet daraus die Bedarfstermine für die Vorabfertigung beziehungsweise die Vormontage ab.Damit die in Bild 1 gezeigte Ableitung funktioniert, ist Folgendes zu tun:- Die Materialien der Kundenauftragsposition sind dem zugehörigen Netzplanvorgang zuzuordnen, und zwar als ,,echter" Bedarf. Im vorliegenden Beispiel ist dies zum Beispiel die Materialnummer 4711. - Die Materialien, die vorab gefertigt werden, sind ebenfalls den zugehörigen Netzplanvorgängen zuzuordnen, diesmal allerdings als sogenannter ,,Vorplanungsbedarf". Im vorliegenden Beispiel sind dies die Materialnummern 4712 und 4713. Der Vorplanungsbedarf ist nur so lange dispositiv wirksam, bis die Stückliste vollständig ist. Bedarfstermin und Menge für die vorab gefertigten Materialien leiten sich nicht aus der Stückliste, sondern aus dem Netzplan ab.- Das PSP-Element (PSP: Projektstrukturplan) im Netzplanvorgang sammelt nicht nur den Ressourcenbedarf der Fertigung an Mensch, Material und Maschine, sondern legt auch fest, in welchem Bestand die Komponenten des Netzplanvorgangs mengenmäßig disponiert werden.Bild 2 zeigt die Bedarfsrechnung und gliedert sich in vier Abschnitte: Der erste Abschnitt zeigt den für die Disposition der Anlage 4711 relevanten Netzplan, die übrigen Ab-schnitte visualisieren die Bedarfs-/ Bestandslisten des SAP-Systems für die Materialien 4711, 4712 und 4713. Bedarfswerte sind zeitpunktbezogen, sie werden durch Pfeile dargestellt. Aufträge dagegen haben eine Dauer, sie werden durch Balken repräsentiert.Die Disposition erfolgt schrittweise und zwar so, dass sich die Freigabe von Netzplanvorgängen und der anschließende Dispositionslauf miteinander abwechseln.- Schritt 1: Netzplanvorgänge Vormontage freigeben. Die Freigabe der Netzplanvorgänge zur Vormontage aktiviert den Vorplanungsbedarf an ihren Komponenten. Werden zum Beispiel die Netzplanvorgänge 30 und 40 freigegeben, dann erzeugt SAP Vorplanungsbedarf wie folgt: 33 Materialnummer 4713 im Projektbestand €.2 zum 1. 6. 2002, 23 Materialnummer 4712 im Projektbestand €.2 zum 1. 6. 2002. Zu beachten ist, dass zur Materialnummer 4711 kein Bedarf erzeugt wird, weil der Netzplanvorgang Endmontage noch nicht freigegeben ist.- Schritt 2: Plangesteuerte Disposition. Die plangesteuerte Disposition sorgt dafür, dass der Vorplanungsbedarf abgedeckt wird, im vorliegenden Beispiel durch die Aufträge Vormontage 1 und Vormontage 2.- Schritt 3: Netzplanvorgang Endmontage freigeben. Die Freigabe des Netzplanvorgangs Endmontage ak-tiviert den echten Primärbedarf: 13 Materialnummer 4711 im Projektbestand €.2 zum 10. 1. 2003.- Schritt 4: Plangesteuerte Disposition. Die plangesteuerte Disposition deckt den Primärbedarf durch Planaufträge ab, die ihrerseits Sekundärbedarf verursachen.Im vorliegenden Beispiel wird der Primärbedarf durch den Endmontageauftrag gedeckt, der seinerseits Sekundärbedarf verursacht, und zwar 33 Materialnummer 4713 im Projektbestand €.2 zum Termin 1. 6. 2002 + D, 23 Materialnummer 4712 im Projektbestand €.2 zum Termin 1. 6. 2002 + D. Zu beachten ist, dass der Bedarf an diesen Materialien doppelt anfällt.Er wird einmal als Vorplanungsbedarf vom Netzplan verursacht und zum zweiten Mal von der Auflösung des Endmontageauftrags. Damit nicht doppelt so viele Teile wie nötig produziert werden, verrechnet SAP den Vorplanungsbedarf mit dem Sekundärbedarf. Die Verrechnung erfolgt im selben Bestandssegment - hier im Projektbestand (.2 - aber nur dann, wenn die Bedarfstermine terminlich beieinander liegen, das heißt: ins selbe Verrechnungsintervall D fallen. Verrechnen heißt, dass der Sekundärbedarf den Vorplanungsbedarf ersetzt und sich seiner Deckung bedient.Die praktische Erfahrung zeigt, dass es bei der Einführung eines SAP-Systems im Marktsegment Maschinen- und Anlagenbau sehr wichtig ist, frühzeitig eine Reihe von Fragen zu klären, die sich maßgeblich auf den Realisierungsaufwand auswirken.Dazu gehören:- Will der Projektleiter nur kontrollieren, ob sein Projekt ,,in time" ist? Dann benötigt er nur Netzpläne, aber keinen Projektstrukturplan.- Will der Projektleiter kontrollieren ob sein Projekt ,,in time" und ,,in budget" ist? Dann benötigt er sowohl Netzpläne als auch einen Projektstrukturplan. Hier ergeben sich zusätzlich die Fragen, ob der Projektleiter mit vielgestaltigen Baugruppen, das heißt Projektstücklisten arbeiten muss, oder ob er mit projektneutralen Normalstücklisten arbeiten kann.- Wird in seinem Projekt werksübergreifend disponiert? Hier ist es besonders wichtig, ob die Disposition die Buchungs- oder gar Kostenrechnungskreisgrenze überschreitet.- Werden fortgeschrittene Techniken wie ,,Grouping", ,,Pegging" und ,,Distribution" eingesetzt?Sie er-möglichen es, dass ein Fertigungslos Material für mehrere Teilprojekte anfertigt und die entstehenden Kosten innerhalb des Projekts verursachungsgerecht verrechnet werden. Diese Prozesse lassen sich ebenfalls durch die grafische Darstellung der Bedarfs- und Bestandsliste anschaulich visualisieren.
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