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Industrie 4.0 bei Miele

Sailer: Der Begriff Internet der Dinge (IoT) ist mir lieber

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Konkurrenz von Branchenfremden?

Ja, auch. Es weht künftig aus allen Ecken. Ein Beispiel? Wir bieten Waschmaschinen, die selbst dosieren, und wir bieten auch das passende Waschmittel dazu an. Auf der IFA präsentierte Miele nun eine Waschmaschine, die automatisch per WLAN und Smartphone den Nutzer informiert, wenn das Waschmittel zur Neige geht. Dann reichen drei Klicks von unterwegs und Ersatz wird geliefert. Auf diesem Terrain ist jetzt auch Amazon unterwegs, dessen Kunden sich einen Druckknopf auf ihre Waschmaschine kleben und diesen drücken können, wenn das Waschmittel knapp wird, mit Signal ans Handy und Bestellfunktion. Das ist zwar noch ein wenig umständlicher als bei uns, zeigt aber, wohin auch bei Amazon die Reise geht.

Gibt es weitere Beispiele?

Nehmen Sie den Temperaturregelungssensor der Firma Nest. Vor allem in den USA, wo die Heizungen oft viel weniger präzise gesteuert werden als etwa bei uns, kann ein solcher Sensor von großem Nutzen sein, etwa mit Blick auf den Energieverbrauch. Wenn nun aber Google über entsprechende Nutzerprofile feststellen kann, in welchen Häusern zum Beispiel überdimensionierte Heizungsanlagen betrieben werden, dürfte das die Heizungshersteller nicht kalt lassen. Am deutlichsten merken das die Automobilhersteller, etwa wenn Google Elektroautos herstellen will. Das ist aber nicht die größte Gefahr.

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Da lauert noch mehr Bedrohung?

Wir nehmen viele Mechanismen als gegeben an. Doch IoT kann viele Dinge umnutzen. Autos etwa werden Teil der Kommunikationsumgebung, Beifahrer können etwa übers Display weiter kommunizieren. Die Gefahr: Da ist dann auf einmal ein ganz anderes Look & Feel an Bord. Bislang hat die Automarke das Design bestimmt, jetzt sieht mit der Software und Benutzeroberfläche ein Teil nach Google, Microsoft & Co. aus. Das stärkt nicht gerade die Marken der Autohersteller. Da wird sich also die Software auswirken auf die Markenwahrnehmung der Autoindustrie. Dort wird man alles dransetzen, dem entgegenzusteuern.

Wie wappnen sich Unternehmer?

Die Kernfrage ist: Wie wirkt sich IoT auf das Produkt aus, das ich herstelle? Da müssen sich Unternehmen jetzt Gedanken machen. Jede Firma muss schauen, wo es Geschäftsmodelle gibt, die in Konkurrenz zu ihren eigenen treten können – gerade auch von Branchenfremden. Auch wir bei Miele setzen uns mit diesem Thema intensiv auseinander. Unser Vorteil ist, dass wir bei unseren Geräten mit der Elektronik die Intelligenz schon mal an Bord haben.

Miele ist also gut aufgestellt?

Wir sind in Bezug auf Vernetzung seit zehn Jahren Pioniere. Aber die Wertschöpfungsketten können sich ändern. Die Möglichkeiten von IoT sind so vielfältig. Verbrauchsmaterialien zum Beispiel, gehören sie zur eigenen Wertschöpfungskette dazu oder übernimmt jemand anders dieses Feld? Und Amazon, Google & Co. versuchen, wo sie können, Anwendungen zu finden, mit denen sie IoT direkt in einem Geschäftsmodell umsetzen können. Die haben IoT gelernt.

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin