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Industrie 4.0 bei Miele

Sailer: Der Begriff Internet der Dinge (IoT) ist mir lieber

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Neue Geschäftsfelder ebnen? Nicht leicht...

Nein, denn Geschäftsfeld-Innovationen sind ja etwas ganz anderes als bloße technologische Innovationen. Dass etwa die Wärmepumpe beim Wäschetrockner Einzug gehalten und dort den Energieverbrauch halbiert hat, änderte ja nichts am Bedarf nach Wäschetrocknern als solchem. Anders etwa beim Carsharing: Was es für die Autohersteller bedeutet, wenn immer mehr Menschen keinen Wert mehr darauf legen, ihr eigenes Auto zu besitzen, liegt auf der Hand. Die haben das erkannt und bieten jetzt selbst Carsharing an. Wichtig ist die Erkenntnis, dass IoT eine Menge Neues auslöst, bei den Technologien wie bei den Geschäftsfeldern.

Wer kümmert sich um diese neuen Geschäftsmodelle?

Das ist eine gute Frage. Der klassische Produktmanager im Marketing dürfte damit häufig überfordert sein, da das Thema ja auch für ihn neu ist. Die Geschäftsführung? Hat sie denn den Überblick für alle Möglichkeiten? Hier ist ein neuer Typus des technisch versierten Visionärs gefragt, ein Unternehmer im Unternehmen, der rechnen kann und in den Dimensionen Marke, Kundennutzen und Wertschöpfungskette denkt. Solche Leute sind recht selten. Dazu gehört, auch mal seine gedanklichen Routinen zu verlassen, wie etwa ein Mitarbeiter von uns in den Niederlanden. Der hatte registriert, dass ältere Menschen in Pflegeheimen gerne ihre eigene persönliche Leibwäsche nach der Reinigung zurück wollen. Er hat angeregt, die Wäschestücke mit RFID-Chips zu versehen, um sie eindeutig zuzuordnen. Miele bietet den Service nun den Wäschereien als komplettes System an, zusammen mit den Maschinen. Trivial? Da muss einer erst einmal drauf kommen, der sagt, wir bieten nicht nur Waschmaschinen, sondern auch Wäsche, die sich identifizieren lässt an. Die Wertschöpfungskette im IoT verläuft nicht mehr nur entlang der reinen Produktidee. Es ist eine andere Denke.

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Lässt sich diese Denke schulen?

Man muss das fördern, und wir als Unternehmen müssen überlegen, wie. Wir beschreiben in Zukunft nicht mehr nur das Produkt, wenn wir etwas Neues entwickeln, sondern auch die Wertschöpfungskette bis hin zur neuen Nutzung und lassen den Beschäftigten auch viel Freiraum für zusätzliche Ideen.

Also auch querdenken?

Ja, wie bei den Startups, die machen das gut, die probieren was aus. Deutschland muss also schauen, dass die Startup-Szene gut läuft.

Sind die Großen zu unbeweglich?

Schwierig, nicht unbeweglich, aber hocheffizient auf bestimmte Ergebnisse ausgerichtet. Das heißt auch, dass wir aus guten Gründen viele Dinge mit einem exakten Wiederholungsgrad machen und dass dies auch gar nicht anders ginge. Startups sind genau das jedoch nicht. Die leben vom Engagement der Gründer. Und dieses Profil braucht man, um neu zu denken. Am Anfang ist man nie hocheffizient, da muss man ausprobieren können. Ich diskutierte vor einiger Zeit mit der Bundeskanzlerin und einem der Samwer-Brüder, der günstige Finanzierungsmöglichkeiten für Startups forderte. Das unterstreiche ich. Das muss von der Politik kommen. Die sind jedoch gewohnt, die Großen zu unterstützen. Die Großen brauchen aber Kleine, die mit ihnen zusammenarbeiten!

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin