Energieeffizienz Sauber und sicher

Autor / Redakteur: Winfried Schröder / Helmut Klemm

In Nordrhein-Westfalen – wichtigster Energiestandort in Deutschland – hat die Landesregierung beschlossen, die Energieeffizienz zu steigern, den Anteil der erneuerbaren Energien auszubauen und die Energieforschung zu intensivieren. Bis 2020 soll der Primärenergieverbrauch um mindestens 20% gesenkt werden.

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Bislang wird die deutsche Wirtschaft in hohem Maße vom Maschinen- und Fahrzeugbau geprägt – doch nicht mehr lange, wenn die Prognosen zutreffen, die vor kurzem veröffentlicht wurden. Sie skizzieren ein Szenario, nach dem die Umwelttechnik die Automobilindustrie in 15 Jahren überholt haben wird, was die Wirtschaftskraft angeht.

Dabei wird die Umweltindustrie zur Leitbranche der deutschen Wirtschaft aufsteigen und ihren Umsatz bis zum Jahr 2030 voraussichtlich versechsfachen. Die Branche birgt somit beste Chancen für Wachstum und Arbeitsplätze. Insgesamt geht es um ein Marktvolumen von weltweit rund 1000 Mrd. Euro jährlich – um einen der Leitmärkte, die das 21. Jahrhundert prägen werden.

Dazu Dr. Jochen Rudolph, Leiter des Bereichs Chemical Environment, Safety, Health, Quality der Degussa GmbH, Düsseldorf: „Umweltschutz ist ein Leitthema und Umwelttechnik damit sicher auch eine Leitbranche, die in zunehmendem Maße Begleiter aller die Umwelt direkt oder indirekt beeinflussenden Branchen wird. Insbesondere gilt dies in den Ländern, die sich zu entsprechend proaktiven Maßnahmen verpflichtet haben wie die Staaten der EU.“

Deutsche Unternehmen sind schon längere Zeit gut aufgestellt, was das Engagement in Umwelttechnik angeht. Dr. Uwe Müller, Leiter Sicherheit, Umweltschutz, Gesundheit der Henkel KGaA, Düsseldorf: „Henkel hat bereits in der Vergangenheit den Umweltschutz als einen integralen Bestandteil seiner Produkt- und Produktionsentwicklung gesehen. Deshalb sehen wir hier keine neuen Herausforderungen, sondern wir verstehen Veränderungen in einer sich permanent wandelnden Welt als Chance. Entscheidend ist für uns, entlang der gesamten Wertschöpfungskette verantwortlich zu handeln – also von der Forschung und Entwicklung bis hin zu Produktion und Logistik unserer Marken und Technologien.“

Abgrenzung zum Maschinenbau

Eine saubere Abgrenzung der Umwelttechnik – etwa zum Maschinenbau – gilt als schwierig. Dr. Rudolph: „Sind allein End-of-Pipe- oder additive Maßnahmen gemeint, so würden wir dieser Einschätzung nicht zustimmen. Schließt man aber die integrierten Maßnahmen mit ein, so ist die Aussage sicher richtig. Dies bedeutet, dass zum Beispiel auch die energieverbrauchs- und emissionssenkenden Maßnahmen in Schlüsselindustrien wie der chemischen Industrie als intrinsischer Teil der dort angewendeten Technologien und Strategien unter Umwelttechnik zu verbuchen sind. Hier liegt der Unterschied zur klassischen Umwelttechnik, und hier bieten sich auch weiterhin enorme Potenziale.“

Nicht nur der Export wird der Umweltbranche enormen Zuwachs bringen, auch im Lande selbst gibt es viel zu tun. So hat beispielsweise die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ein umfassendes Programm zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Energieforschung beschlossen. Kurzum, das Land will die Vorgaben der EU und des Bundes schnell und konsequent umsetzen. Danach soll durch die Steigerung der Energieeffizienz der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um mindestens 20% gesenkt werden.

„Energie muss sauber, sicher und wettbewerbsfähig sein. Das ist die zentrale Herausforderung an uns alle. Nordrhein-Westfalen als mit Abstand wichtigster Energiestandort in Deutschland will und muss eine Vorreiterrolle einnehmen: bei der Steigerung der Energieeffizienz, bei der wirtschaftlichen Nutzung von Energien sowie bei Forschung und Entwicklung. Nicht erst die IPCC-Studie sagt uns, dass wir keine Zeit zu verlieren haben“, so der stellvertretende Ministerpräsident und Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart.

Mit der Offensive „NRW spart Energie“ will die Landesregierung eine Optimierung von Produktionsverfahren, Energieeinsparung in Gebäuden durch die Aktion „Mein Haus spart“ und die Entwicklung innovativer und energieeffizienter Techniken und Verfahren sicherstellen. Dr. Rudolph: „Die Strategie der Degussa als weltweit größtem Spezialchemieunternehmen zielt bereits seit Jahren mit ihren Technologien auf höhere Effizienz in puncto Energie- und Ressourcenverbrauch ab.

Forschungsaktivitäten

Aktuelle Forschungsaktivitäten haben zum Beispiel Prozessintensivierung, Mikroreaktionstechnik und die weiße Biotechnologie im Fokus. Aktuelle und künftige Kernaktivität ist es natürlich, energie- und ressourcenschonende sowie emissionssenkende Technologien, Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Beispiele sind Reifenadditive für geringeren Rollwiderstand und höhere Lebensdauer, Kunststoffe für Leichtbauweisen im Automobil- und Flugzeugbau sowie Produkte für Landwirtschaft und Viehzucht mit geringerem Emissionspotenzial. Die Bereitstellung von hocheffizienten Katalysatoren zur Herstellung von Bio-diesel und die Entwicklung von Komponenten für relativ leichte, leistungsfähige Akkus auf Lithium-Ionen-Basis für den Mobilitätsbereich sind weitere Beispiele, die zeigen, dass Degussa dieser Herausforderung nicht nur gerecht wird, sondern sie auch als Chance für die Zukunft nutzt.“

Doch nicht allein die innerbetrieblichen Abläufe gilt es zu optimieren, vielfach zeigt sich deutliches Fehlverhalten im Umgang mit Produkten, die aus umwelttechnischen Gesichtspunkten optimal produziert werden. Dr. Müller: „Wir bei Henkel sehen die Weiterentwicklung der Umwelttechnik eher als eine Querschnittsaufgabe, und zwar nicht nur für eine umweltverträgliche Produktion, sondern auch für die Entwicklung umweltverträglicher Produkte. So zeigen Lebenszyklusanalysen des Waschens und aktuell auch des maschinellen Geschirrspülens, dass der mit Abstand höchste Verbrauch an Energie und Wasser in der Gebrauchsphase entsteht und eben nicht in der Produktion.“

Das grundsätzliche Thema aller Umweltdiskussionen bleibt nach wie vor die Frage nach der Energieversorgung. Weil sich die verantwortungsbewussten Fachleute einig sind, dass die Kernenergie außen vor bleiben muss, rücken die regenerativen Energien immer stärker in den Fokus. Mit dem Konzept „Erneuerbare Energien“ will die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen durch die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Außerdem sollen die industriepolitischen Chancen der erneuerbaren Energietechniken für die exportstarke Wirtschaft des Landes genutzt werden, die traditionell gut auf den Weltmärkten vertreten ist – das gilt für die moderne Kraftwerks- und Netztechnik ebenso wie für die Solarenergie, die Brennstoffzelle, die Nutzung von Grubengas oder moderner hochleistungsfähiger Windkraftanlagen.

Das Konzept „Erneuerbare Energien“ umfasst zwölf Einzelmaßnahmen, die bis 2020 unter Beteiligung der zuständigen Ressorts der Landesregierung umgesetzt werden sollen. Derzeit werden in der regenerativen Energiewirtschaft des Landes rund 16 500 Beschäftigte gezählt. Sie erzielte 2005 bereits 4,2 Mrd. Euro Umsatz. Durch die jetzt beschlossenen Maß-nahmen soll der Umsatz auf 15 Mrd. Euro bis 2020 gesteigert werden – die Anzahl der Arbeitsplätze soll dann bei 40 000 liegen.MM

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