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Saudi-Arabien wird vom Ölstaat zur Hightech-Nation

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Exklusiv-Interview: „Deutsche Unternehmen sind in Saudi-Arabien gerne gesehen“

Oliver Oehms von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen (AHK Saudi-Arabien).
Oliver Oehms von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen (AHK Saudi-Arabien).
(Bild: privat)

Kann der Wandel in Saudi-Arabien auch Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Anbieter eröffnen? Worauf die Unternehmen achten müssen, verrät Oliver Oehms von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen (AHK Saudi-Arabien) im Exklusiv-Interview.

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Welche Chancen bestehen für deutsche Unternehmen im Saudi-Arabien?

Deutsche Unternehmen sind in Saudi-Arabien gerne gesehen. Die Kombination aus deutscher Arbeitsmentalität und Zuverlässigkeit sowie der hohen Reputation deutscher Produkte erleichtert den Markteinstieg. Der Rückgang deutscher Exporte in den letzten drei Jahren ist auf die derzeit geringe Investitionsneigung der lokalen Industrie zurückzuführen. Mit der Vision 2030 sehen die kurz- bis mittelfristig Aussichten allerdings wieder besser aus.

Welche Rolle spielt die Vision 2030?

Die Saudi-Vision 2030 wird das Königreich tiefgreifend verändern. Im Mittelpunkt des industriellen Wandels steht die Diversifizierung der bislang stark von der Ölförderung abhängigen Wirtschaft. Dies wird die Weiterentwicklung der Downstreamindustrie bedeuten, aber auch die Entwicklung weiterer industrieller Cluster. Das Engagement deutscher Mittelständler ist hierbei ausdrücklich gewünscht. Das regulatorische Umfeld ist dementsprechend deutlich unternehmensfreundlicher gestaltet worden.

Was ist bei Geschäften mit Saudi-Arabien zu beachten?

„Personal relations matters“ – das gilt für Saudi-Arabien in besonderem Maße. Dementsprechend sollten mögliche Partner sorgfältig ausgewählt und „geprüft“ werden. Häufig sind hierfür mehrere Reisen erforderlich. Die AHK in Saudi-Arabien hilft nicht nur bei der Beantragung eines Visums zur mehrfachen Einreise, sondern auch bei der Suche nach Partnern. Direktgeschäfte sind möglich, meist aber nicht nachhaltiger Natur. Zudem erfordert die Vision 2030 insbesondere bei öffentlichen Projekten ein Commitment vor Ort.

Welche Rolle spielt die Kultur?

Der Islam prägt bis zu einem gewissen Grad auch das Geschäftsleben in Saudi-Arabien. So sind während der Gebetszeiten Geschäfte und Restaurants geschlossen, und geschäftliche Verabredungen werden entsprechend terminiert. Die Zusammenarbeit der Geschlechter war bis vor Kurzem noch stark reglementiert, ändert sich derzeit aber in hoher Geschwindigkeit. Insgesamt ist das große Königreich auch von regionalen Unterschieden geprägt sowie von starken Unterschieden zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Generationen. Verallgemeinerungen sind deshalb oft irreführend. „Jeddah ist anders“ ist eine oft gehörte Aussage. Das gilt auch für andere Regionen.

Das Interview führte Thomas Isenburg

* Dr. Thomas Isenburg ist freier Wissenschaftsjournalist in 44629 Herne.

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Über den Autor

Dr. rer. nat. Thomas Dr. Isenburg

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Wissenschaftsjournalist