Die Automobilindustrie steckt in der Krise, die Fertigungsindustrie stagniert. Deshalb hat der Vorstand von Schaeffler angekündigt, 4.700 Stellen in Europa abzubauen, davon zirka 2.800 in Deutschland. Auch Standortschließungen sind geplant.
Schaeffler plant einen Stellenabbau in Europa von mehreren Tausend Mitarbeitern – möglichst sozialverträglich.
(Bild: Schaeffler)
Die Schaeffler AG reagiert auf die schwierige Situation in der Autozuliefererindustrie und das herausfordernde Marktumfeld: Der Vorstand hat strukturelle Maßnahmen mit regionalem Fokus auf Deutschland und Europa beschlossen, die im Wesentlichen auf drei Handlungsstränge fokussieren:
Der erste zielt auf erforderliche Ergebnisverbesserungen der Sparte Bearings & Industrial Solutions, die mit anhaltender Konjunkturschwäche, strukturellen Problemen sowie erhöhter Wettbewerbsintensität konfrontiert ist.
Der zweite Handlungsstrang adressiert die bereits angekündigte Realisierung von Synergien aus dem Zusammenschluss mit der Vitesco Technologies Group AG (Vitesco), die zum größten Teil über Umsatz- und Einkaufssynergien, aber zu einem Teil auch durch Personalabbau erzielt werden.
Der dritte Handlungsstrang umfasst Maßnahmen, die sich aus der anhaltenden Transformation der Automobil-Zuliefererindustrie ergeben. Dabei sind Maßnahmen im Zusammenhang mit dem rückläufigen Volumen in der Verbrennungstechnologie sowie die aktuelle Abschwächung neuer Programme bei E-Antrieben in Europa berücksichtigt.
Abbau von 4.700 Stellen in Europa soll bis 2029 290 Millionen Euro einsparen
Die Maßnahmen sehen einen Abbau von rund 4.700 Stellen vor, von denen zirka 2.800 auf Deutschland entfallen. Einige dieser Stellen werden verlagert.
Von den Abbaumaßnahmen sind in Deutschland zehn Standorte betroffen. Daneben sind fünf weitere Standorte in Europa betroffen, von denen zwei geschlossen werden sollen. Weitere Informationen zu diesen Standorten werden bis Ende des Jahres bekannt gegeben. Die Umsetzung der Maßnahmen soll mehrheitlich zwischen 2025 und 2027 erfolgen.
Die Maßnahmen sollen ab 2029 jährlich rund 290 Millionen Euro einsparen. Davon entfallen rund 75 Millionen Euro auf Kostensynergien aus dem Zusammenschluss mit Vitesco. Die Umsetzung der heute angekündigten Maßnahmen erfordert einen Einmalaufwand in Höhe von rund 580 Millionen Euro, der sich maßgeblich aus Rückstellungen und Verlagerungskosten zusammensetzt. Maßnahmen, die im Zusammenhang mit bereits angekündigten Programmen von Vitesco und Schaeffler vereinbart wurden, werden weiter planmäßig umgesetzt.
Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sagte: „Mit den heute angekündigten Maßnahmen packen wir drei Dinge an: Wir bringen unser Lager- und Industriegeschäft zurück auf Kurs. Zweitens realisieren wir Kostensynergien aus dem Zusammenschluss mit Vitesco Technologies. Und drittens setzen wir die Transformation der Sparten Powertrain & Chassis und E-Mobility weiter fort. Das Programm ist in der aktuellen Umfeldlage notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler Gruppe langfristig zu sichern. Wir werden es sozialverträglich und mit Augenmaß umsetzen.“
Sparte Bearings & Industrial Solutions passt Kapazitäten an
In der Sparte Bearings & Industrial Solutions wurden aufgrund der geringeren Nachfrage bereits in den vergangenen Monaten Maßnahmen ergriffen, darunter der Abbau der Gleitzeitkonten, Kurzarbeit und das Reduzieren der wöchentlichen Arbeitszeit. Dieser Maßnahmenmix ist mit Blick auf die anhaltend schwierige Marktsituation nicht mehr ausreichend.
„Gerade in Europa ist die Nachfrage in vielen Sektoren andauernd schwach und führt zu Überkapazitäten an deutschen und europäischen Standorten. Aus diesem Grund sind strukturelle Anpassungen notwendig, um unsere Kostenbasis zu optimieren, Aktivitäten zusammenzufassen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu verbessern“, sagte Sascha Zaps, Vorstand Bearings & Industrial Solutions.
Maßgeblich sind vor allem die Standorte Schweinfurt und Homburg von Konsolidierungsaktivitäten, Kapazitätsanpassungen und Verlagerungen betroffen, aber auch dem Abbau von Stellen in Zentralbereichen in der Administration. Am Standort Homburg entstehen im Werk der Sparte Bearings & Industrial Solutions Komponenten für Antriebssysteme, Führungen und mechatronische Systemlösungen aus dem Bereich der Lineartechnik. Doch die Nachfrage im Sektor Industrial Automation ist anhaltend schwach. Deshalb sollen Maßnahmen zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit und Kosteneffizienz im Bereich Lineartechnik führen. Die beiden anderen Produktionswerke am Standort Homburg sind von der Verlagerung nicht betroffen.
Ewellix-Standort Taoyuan und Melior-Motion-Werk in Hameln schließen
Das Stammwerk der Sparte Bearings & Industrial Solutions am Standort Schweinfurt wird zudem die Produktion und Mitarbeitenden des ehemaligen Ewellix-Werks im Schweinfurter Hafen aufnehmen, das zirka fünf Kilometer entfernt liegt. Im Zuge der Integration von Ewellix in die Schaeffler Gruppe wird zudem außerhalb Europas der ehemalige Ewellix-Standort Taoyuan geschlossen.
Die Aktivitäten der im Jahr 2022 übernommenen Melior Motion GmbH in Hameln, wo vor allem Planetengetriebe für Industrieroboter hergestellt werden, werden aufgegeben und ein Verkauf des Werks in Hameln angestrebt.
Für den Standort in Steinhagen ist die Ausarbeitung eines Zukunftskonzepts mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, um gemeinsam Optionen für die Zukunft des Standorts zu erarbeiten, an dem Schaeffler hauptsächlich Gelenklager für unterschiedliche industrielle Anwendungen fertigt.
Durch Zusammenschluss mit Vitesco fallen 600 Stellen weg
Schaeffler und Vitesco haben im Zuge der Integration eine Größenordnung von 600 Millionen Euro p.a. an Synergien vereinbart, die im Jahr 2029 vor allem durch Wachstum sowie Skaleneffekte im Einkauf erreicht werden sollen. Ein Teil der „Synergien“ soll laut Schaeffler auch durch Personalabbaumaßnamen realisiert werden. Davon sind insbesondere die Funktionsbereiche und die Zentralabteilungen an den Hauptsitzen Regensburg und Herzogenaurach betroffen, aber auch der Bereich Forschung & Entwicklung.
Regensburg wird zukünftig Sitz des Unternehmensbereichs Powertrain Solutions der Sparte Powertrain & Chassis von Schaeffler. Sitz der neuen Sparte E-Mobility von Schaeffler wird Herzogenaurach, das zugleich Sitz der Konzernzentrale bleibt.
Stand: 08.12.2025
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Durch diese Anpassungen werden zirka 600 Stellen abgebaut, die auf Deutschland und hier maßgeblich auf die beiden genannten Standorte entfallen. Zu diesen Zahlen tragen die beiden Unternehmen etwa im gleichen Verhältnis bei.
Transformation in den Sparten Powertrain & Chassis und E-Mobility
In der Sparte Powertrain & Chassis sind weitere Anpassungen notwendig, die sowohl bei Schaeffler als auch bei Vitesco in den vergangenen Jahren definiert wurden. So werden aufgrund der gesunkenen Nachfrage in Folge des anhaltenden Rückgangs des Verbrennergeschäfts weitere Anpassungen durchgeführt, um die Kosten weiter zu senken. Betroffen sind hier vor allem die Standorte Herzogenaurach, Schwalbach und Regensburg.
Im Zuge des konsequent eingeschlagenen Weges der Sparte E-Mobility und des Portfoliomanagements bei der vormaligen Vitesco werden nun weitere bereits vor dem Zusammenschluss avisierte Maßnahmen konkret eingeplant. Früher ging man von einem stärkeren Wachstum insbesondere bei europäischen OEMs aus, was aber im Moment ausbleibt. Zusätzlich führt der erhöhte Wettbewerb zu einem weiter zunehmenden Preis- und Kostendruck und einer stärkeren Lokalisierung der Entwicklungsleistungen, insbesondere in China. Hiervon betroffen sind insbesondere die Standorte Regensburg, Nürnberg und Berlin.
Sozialverträgliche Umsetzung im Rahmen der Zukunftsvereinbarung
Für die Umsetzung der Maßnahmen gilt in Deutschland weiter wie bisher die 2018 mit der IG Metall abgeschlossene Zukunftsvereinbarung. Der Abbau von Stellen soll im Wesentlichen über Fluktuation, Freiwilligenprogramme sowie Aufhebungs- und Altersteilzeitverträge erreicht werden. „Wir befinden uns im engen Austausch mit unseren Arbeitnehmervertretern. Unser gemeinsames Verständnis ist, dass die Maßnahmen auf Basis der Zukunftsvereinbarung fair und sozialverträglich umgesetzt werden. Zudem werden wir vor allem auch an unseren Heimatstandorten in Deutschland weiter in Qualifizierung und Ausbildung investieren“, sagte Dr. Astrid Fontaine, Vorständin Personal und Arbeitsdirektorin der Schaeffler AG.