Arbeitsschutz Schulung ist wichtig
Beim Tragen von Schutzanzügen muss man auch auf richtiges Anziehen und Ausziehen achten.
Anbieter zum Thema
Beim Tragen von Schutzanzügen muss man auch auf richtiges Anziehen und Ausziehen achtenSchutzanzüge sollen vor Kontamination, das heißt vor dem Kontakt mit Gefahrstoffen schützen. Doch das Tragen allein ist noch kein Garant für Schutz. Ein Chemikalienschutzanzug muss richtig ausgewählt werden, das An- und Ausziehen muss auf korrekte Art erfolgen und es müssen bestimmte Regeln während des Tragens eingehalten werden.Der richtige Schutzanzug wird gemäß den Kriterien der in deutsches Recht umgesetzten Europäischen Richtlinien zum Arbeitsschutz ausgewählt. Zu finden sind diese in der Benutzerverordnung für die persönliche Schutzausrüstung (PSA-BV).Jede Auswahl beginnt mit einer Risikoanalyse. Sie umfasst die genaue Definition der Chemikalie, von deren Eigenschaften und Toxizität sowie der Expositionsbedingungen [1]. Im Rahmen der Risikoanalyse sollte auch eine Besichtigung des Arbeitsplatzes vorgenommen werden. Mithilfe der ermittelten Daten kann die Auswahl des Schutzanzugs erfolgen. Je detaillierter eine solche Risikoanalyse durchgeführt wird, um so genauer lässt sich der einzusetzende Schutzanzug bestimmen.Verschiedene Kriterien bestimmen den SchutzanzugEin Schutzanzug wird unter anderem anhand folgender Kriterien bestimmt: Barriere, physikalische Eigenschaften wie zum Beispiel Reiß- und Abriebfestigkeit, Qualität, Tragekomfort, Entsorgung und Preis-Leistungs-Verhältnis. Es empfiehlt sich, den spezifizierten Schutzanzug neben sonstiger ausgewählter Schutzausrüstung in der Betriebsanweisung festzuhalten und diese am Arbeitsplatz für die Mitarbeiter anzubringen.Die korrekte Größenauswahl ist nicht nur eine Voraussetzung für höhere Sicherheit, sondern auch für besseren Tragekomfort. Die Größenbestimmung von Schutzanzügen erfolgt entsprechend der Norm EN340. Zur Größenauswahl ermittelt der Schutzanzugträger seine Körpergröße und seinen Brustumfang. Gemessen werden die Körpermaße ohne Schuhe und mit einer Lage Unterwäsche. Anhand dieser Körpermaße wird die Anzuggröße entsprechend den Größenangaben des Herstellers in der Gebrauchsanweisung definiert (Tabelle). Es ist aber wichtig, die konkreten Größenangaben des jeweiligen Herstellers im Innenetikett des Anzugs zu kontrollieren, weil die Größenangaben wie S, M, L, XL und XXL je nach Hersteller variieren können.Die falsche Größenauswahl kann fatale Folgen haben. Wird etwa der Brustumfang mit Arbeitskleidung abgemessen oder die Körpergröße mit Schuhen bestimmt, dann fällt der Anzug zu groß aus. Dies führt dazu, dass der Anzug einklemmen oder in Produktionsmaschinen hängen bleiben kann. Die Auswahl eines zu kleinen Schutzanzugs kann hingegen zum Einreißen oder zu einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit führen.Aber auch sonst können schon vor dem Anziehen einige gravierende Fehler unterlaufen. So kann ein Anzug beim Öffnen der Verpackung mit einem Messer oder einem spitzen Gegenstand unbemerkt beschädigt werden. Vor dem Anziehen sollten Anzugtyp und Größe noch einmal kontrolliert werden, beispielsweise durch Überprüfen der Angaben auf der Anzugverpackung oder auf dem Innenetikett des Schutzanzugs. Auf jeden Fall ist der Schutzanzug auf mögliche Material- und Verarbeitungsfehler zu überprüfen. Außerdem sollte die Funktionalität des Reißverschlusses geprüft werden.Es ist wichtig, sich nicht am Arbeitsplatz umzukleiden, weil dieser eventuell durch vorherige Arbeiten kontaminiert sein könnte. Es sollte ein Umkleideort gewählt werden, der absolut kontaminationsfrei ist.Vor dem Anlegen des AnzugsSicherheitsschuhe ausziehenSicherheitsschuhe und -stiefel müssen vor dem Anlegen des Anzugs ausgezogen werden. Aus den Jacken- und Hosentaschen werden sämtliche Dinge entfernt, die bei der Arbeit behindern könnten. Ein leichtes Ausschlagen erleichtert das Einsteigen in den Anzug.Beim Anziehen sollte Folgendes beachtet werden:- Wegen der höheren Dichtigkeit und der erforderlichen Erdung wird der Anzug über den Schuhen und Stiefeln getragen.- Für einen erhöhten Schutz und zur Verminderung eines Kontaminationsrisikos beim Ausziehen empfiehlt sich das Tragen von Doppelhandschuhen. Als Unterhandschuhe können beispielsweise Nitril-Handschuhe verwendet werden. Der Unterhandschuh wird unter dem Anzug, der Überhandschuh über dem Anzug getragen. Es empfiehlt sich, die Schnittstelle von Überhandschuh und Anzugärmel mit einem Klebeband abzudichten.- Wird hingegen nur ein Paar Handschuhe verwendet, werden diese unter dem Anzug getragen, und die Schnittstelle wird mit einem Klebeband abgedichtet.- Die Reißverschlussabdeckung sollte dicht anliegen; für manche Anwendungen empfiehlt es sich, die Reißverschlussabdeckung zusätzlich mit Klebeband abzudichten.- Bei Verwendung einer Atemschutzmaske wird die Kapuze des Schutzanzugs über der Maske getragen. Für manche Anwendungen ist es empfehlenswert, die Kapuze an der Maske zu fixieren; dies sollte mit mehreren kleinen Klebestreifen erfolgen, um eine Faltenbildung zu vermeiden. - Um sicherzustellen, dass die kritischen Stellen des Anzuges bestmöglichst abgedichtet sind, sollte dabei ein Kollege behilflich sein.Der Schutzanzug sollte auf einem kontaminationsfreien Boden ausgezogen werden. Das Ausziehen sollte generell nur mit Unterstützung einer Hilfsperson erfolgen, die eine dem Gefahrstoff entsprechende persönliche Schutzausrüstung trägt. Vor dem Ablegen der Schutzkleidung ist es sinnvoll, eine Vorreinigung der Handschuhe und Stiefel vorzunehmen, um gegebenenfalls eine Aufwirbelung von Stäuben zu vermeiden. Maske und Reißverschlussabdeckung werden - gegebenenfalls nach vorheriger Befeuchtung mit Wassernebel - mit einem Tuch abgewischt.Kontamination beim Ausziehen vermeidenUm eine Kontamination beim Ausziehen des Anzugs zu vermeiden, ist auf einige Punkte besonders zu achten :- Wurde zusammen mit dem Schutzanzug auch Atemschutz eingesetzt, ist dieser bis zum Ende des Entkleidens zu tragen.- Die zum Abdichten des Anzuges verwendeten Klebebänder werden vorsichtig entfernt.- Beim anschließenden Ablegen der Überhandschuhe ist darauf zu achten, dass die Unterhandschuhe nicht mit der Außenseite der Überhandschuhe in Kontakt kommen; deshalb sollte man die Überhandschuhe immer nur innen anfassen, niemals an der äußeren, kontaminierten Oberfläche.- Beim Einsatz von nur einem Paar Handschuhen sind diese gründlich zu reinigen und bis zum Ende des Entkleidens anzubehalten.- Beim Ablegen des Anzuges ist es wichtig, mit der Kapuze zu beginnen, diese vorsichtig über Daumen und Zeigefinger nach hinten und außen zu stülpen. Der Anzug kann dann mit der Innenseite nach außen gedreht über die Schultern gezogen und über die Stiefel abgestreift werden.- Beim gesamten Ausziehvorgang darf die kontaminierte Außenseite von Anzug und Handschuhen zu keinem Zeitpunkt mit der Haut in Berührung kommen.Abgelegte Schutzartikel sowie Klebebänder sollten direkt in einen dafür vorgesehenen Chemieabfallbehälter geworfen werden. Beim Wegwerfen des Schutzanzugs sollte darauf geachtet werden, dass dieser nur an der nicht kontaminierten Innenseite angefasst wird, um so eine Berührung mit dem jeweiligen Gefahrstoff zu vermeiden. Durch das Ausziehen ist der Arbeitsplatz kontaminiert und muss gereinigt werden. Unsachgemäßes An- und Ausziehen von Schutzanzügen kann zur Folge haben, dass Haut oder Unterbekleidung mit Gefahrstoffen in Kontakt kommen, also der Träger kontaminiert wird, obwohl der Schutzanzug selbst adäquaten Schutz gegen die im Arbeitsbereich auftretenden gesundheitsgefährlichen Stoffe (das können beispielsweise Stäube oder Flüssigkeiten sein) bietet.Häufige Fehler und ihre Folgen sind: Fehlende oder nicht korrekte Abdichtung von Anzugärmel und Handschuh kann bei Über-Kopf-Bewegungen zum Freilegen des Armes führen. Nicht korrektes Abkleben der Handschuhe beziehungsweise der Reißverschlussabdeckung führt zu Undichtigkeit, und der Gefahrstoff kann auf den Arm beziehungsweise auf die Unterwäsche gelangen. Einsteigen in den Anzug mit Sicherheitsschuhen oder -stiefeln führt häufig zu Beschädigung des Schutzanzugs.Schlechtes Abkleben der Maske führt zu ProblemenWenn der Schutzanzug im und nicht über dem Stiefel getragen wird, kann der Gefahrstoff leicht in die Stiefel eindringen. Außerdem kann die elektrostatische Aufladung nicht abgeleitet werden, weil der Kontakt zwischen Anzug und Stiefel fehlt. Schlechtes Abkleben der Maske kann zu Undichtigkeit und eingeschränkter Sicht führen.Zu schnelles Ausziehen oder eine falsche Reihenfolge beim Ausziehen kann eine Kontamination von Kopf bis Fuß zur Folge haben. Durch das Liegenlassen eines benutzten Schutzanzugs kann eine Kontamination der Arbeitsumgebung und der dort arbeitenden Kollegen verursacht werden.Ein Verlassen der Gefahrenzone im kontaminierten Zustand muss selbstverständlich unterbleiben. Ebenso wenig sollte man aber übersehen, dass jede Kontamination von Haut oder Unterbekleidung mit hoher Wahrscheinlichkeit in normale, nicht geschützte Alltagsumgebungen verschleppt wird (so genannte Kreuzkontamination). Dies gefährdet nicht nur die Gesundheit des Schutzanzugträgers, sondern auch Unbeteiligte wie zum Beispiel Familienmitglieder.Als ,,Quintessenz" können folgende wichtige Empfehlungen ausgesprochen werden: - Schutzanzüge müssen immer in allen benötigten Größen und in ausreichender Anzahl vorrätig sein.- Der Mitarbeiter muss Gelegenheit haben, seine Körpermaße exakt zu messen, um die richtige Anzuggröße bestimmen zu können.- Der Schutzanzugtyp muss anhand der Einsatzbedingungen (Risikoanalyse) bestimmt und sollte im Rahmen einer Betriebsanweisung festgelegt werden.- Jeder betroffene Mitarbeiter muss so geschult sein, dass er in der Lage ist, Typ und Größe des einzusetzenden Schutzanzugs zu verifizieren.- Das richtige An- und Ausziehen muss - auch bei Chemikalienschutzkleidung für begrenzte Einsatzdauer - geschult werden, die Regeln müssen in einem entsprechenden Dokument festgehalten werden.- Das An- und Ausziehen von Schutzanzügen muss immer mit einer Hilfsperson erfolgen, weil nur sie den korrekten Sitz aller Schutzteile sowie eventuelle undichte Stellen (beim Abkleben) feststellen kann. - Das An- und Ausziehen sollte in Ruhe und ohne Hektik nach bekannten und geübten Ablaufregeln erfolgen.Informationen auf Video zusammengefasstDie wichtigsten Regeln zum Thema Auswahl, Anziehen, Tragen und Ausziehen von Schutzanzügen hat Du Pont in einem Schulungsvideo zusammengefasst, das in Deutschland von der CPM Service GmbH (Postfach 260103, 47271 Duisburg, Fax 0203-7480282, info@cpmservicegmbh.de) bezogen werden kann.Literatur[1] Chemikalienschutzanzüge. Luxembourg: Du Pont Engineering Products s.à r.l. 2001.