Fahrerlose Transportsysteme

Selbstläufer im Krankenhausbetrieb

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Doch einerlei ob altes oder neues Krankenhaus: In der innerbetrieblichen Transportlogistik laufen die unterschiedlichsten Warenströme ab, die sich mit einem FTS automatisieren lassen. Üblicherweise sind dies Containertransporte zwischen den einzelnen Dienstleistungsbereichen eines Krankenhauses, allen voran Essenszubereitung, Spülküche und Wäscherei. Aber auch OP, Apotheke und Müllstation erscheinen immer öfter auf den Fahrplänen der FTF.

Bei einigen dieser Warenströme werden die Vorzüge der automatisierten Transporte gegenüber den manuellen aus verschiedenen Blickwinkeln deutlich. „Einen großen Anteil am Transportvolumen nimmt die Ver- und Entsorgung der Wäsche ein“, nennt Peter Ossendorf ein Beispiel. Ähnlich wie beim Essen gelte es dabei, exakt die vorgegebenen Zeiten einzuhalten, da die Wäsche oft außerhalb des Krankenhauses in Großwäschereien gereinigt wird. Und die Lkw, die den Lückenschluss vom Krankenhaus zur Wäscherei bilden, fahren in engen Zeitfenstern.

Moderne Steuerungen sorgen in solchen Fällen dafür, dass alle benötigten Fahrzeuge zu einem festgelegten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zur Verfügung stehen. Noch weitaus bedeutender ist, dass die FTS in aller Regel datentechnisch vollständig in ein Krankenhaussystem integriert sind und über die notwendige Ausstattung für die Datenerfassung und -übertragung verfügen.

Transportfahrzeuge übernehmen durchaus auch Aufgaben aus dem Material-Management

Dahin gehend hat die Frog AGV Systems GmbH in Eislingen beispielsweise ein Terminalsystem mit Touch-Screens für eine einfache Generierung von Transportaufträgen durch das Klinikpersonal entwickelt. Ein Transpondersystem dient dabei zur Identifikation der Container und ein Barcodesystem zur Identifikation des Bedieners. Werden FTF zum Beispiel in der Medikamentenversorgung eingesetzt, muss die Logistikkette unter allen Umständen lückenlos und unter Angabe aller beteiligten Instanzen nachvollziehbar sein.

Einen weiteren Vorteil nennt Frog-Geschäftsführer Karl Rapp: FTS können auch Aufgaben aus dem Material-Management übernehmen, wie zum Beispiel die Containerverwaltung. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass Abfall-Container nicht für andere Transporte verwendet oder dass alle Container regelmäßig gereinigt, desinfiziert und gewartet werden. Die meisten FTS organisieren sich inzwischen auch selber, wenn es um das Nachladen ihrer Batterien oder um die Vorführung zum Technik-Check geht, und fahren im Bedarfsfall mehr oder weniger autonom zu den Ladestationen oder Service-Punkten.

So weit unterscheiden sich fahrerlose Transportsysteme für den Krankenhauseinsatz kaum von denen für die Indusrtie. Allerdings werden im Gesundheitsdienst ganz andere Anforderungen hinsichtlich der Konstruktion, der Ausstattung sowie der Steuerungs- und Sicherheitstechnik gestellt.

„Typisch für den Containertransport im Krankenhaussektor sind Fahrzeuge, welche die Container unterfahren und mittels Hubplattform zum automatischen Transport anheben. Diese Fahrzeugart findet sich im industriellen Einsatz sehr selten“, berichtet Volker Welsch aus seiner Erfahrung. Eher selten im industriellen Einsatz sind auch Fahrzeuge in selbsttragender Leichtbauweise aus Edelstahl.

Für den Betrieb im medizinischen Sektor ist es jedoch wichtig, die verwendeten Gerätschaften keimfrei zu halten. Dies gelingt zwar meist durch eine Wischdesinfektion, die hierzu eingesetzten Chemikalien greifen jedoch lackierte Oberflächen massiv an. Außerdem wird durch Feuchte-Eintrag in speziellen Bereichen wie der Containerreinigung, der Wäscherei oder der Sterilisation die elektrochemische Korrosion begünstigt. Daher gehen immer mehr Anwender dazu über, auf Fahrzeuge mit vorgehängten Edelstahlblechen zu verzichten und stattdessen selbsttragende, aus Edelstahl gefertigte Chassis zu verwenden.

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