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Weniger Experimente und dafür größerer Fokus auf die Funktion
Dass das Feld der Servicerobotik in den letzten Jahren auf eine immense Innovationsdynamik zurückblicken kann, erklärt sich Melanson wie folgt: „Zu erhöhten Innovationen in diesem Bereich kam es deshalb, weil sich die Unternehmen verstärkt auf funktionsfähige, gewerbliche Lösungen konzentriert haben und weniger auf technologische Experimente. Dabei sehen wir den wichtigsten Trend darin, dass Unternehmen Roboter entwickeln, die einem bestimmten Zweck dienen und einem ganz bestimmten Marktsegment Nutzen bringen.“
Konkrete Zahlen der IFR – International Federation of Robotics – treten den Beweis des Nutzens an: So soll bis 2018 der Absatz privat genutzter Serviceroboter weltweit auf rund 35 Mio. Einheiten steigen. Während Haushaltsroboter auf der Einkaufsliste privater Kunden mit 25 Mio. Einheiten (Staubsauger, Rasenmäher, Fensterputzer) die Liste anführen, boomen gleichzeitig Serviceroboter für professionelle Anwendungen, die im Vorjahr einen Zuwachs von 11,5 % verzeichneten. So erwartet man bis 2018 über 1,3 Mio. Serviceroboter, die weltweit in Fabriken ihren Dienst antreten werden.
„Vor allem in der Logistik boomt das Interesse an mobilen Robotern für unterschiedlichste Transportaufgaben. Hier macht sich der rasante Fortschritt bei Rechnerleistung und Sensorik für die robuste, freie Navigation in sich ändernden Umgebungen bemerkbar“, sagt Martin Hägele, Abteilungsleiter Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-IPA, der in Fachkreisen als Wegbereiter der Servicerobotik gilt. Und fährt fort: „Eine Schlüsselanforderung ist die intuitive und verlässliche Bedienung von Servicerobotern, auch für Nichtspezialisten. Wir erwarten hier leistungsfähige Dialogsysteme, eine weit umfangreichere Nutzung des „Mobile Computing“ und auch den Einsatz von Virtual und Augmented Reality.“
Betrachtet man mobile Roboterlösungen in ihren Einsatzfeldern, wird ein Aspekt schnell klar, die verstärkte Vernetzung und Einbindung wird eine bedeutende Rolle spielen. „Die größte Herausforderung für Unternehmen wird dabei sein, wie sich die Roboter in den Prozess einbinden und integrieren lassen“, ergänzt Melanson. Die technischen Herausforderungen der Navigation, der Sicherheit und der Benutzerfreundlichkeit wurden bereits gemeistert. Nun stellen sich ganz andere Fragen, wie etwa: Wie interagiert das MES mit den Servicerobotern? Lassen sich die Aufgaben bei einer Flotte von Servicerobotern auch untereinander austauschen oder welches System wird sie beaufsichtigen? Die Antworten liefern oftmals Softwarelösungen. „In den genannten technischen Trends spielt Software eine zentrale Rolle, was die Basis für interessante Technologiepartnerschaften zu Serviceroboterherstellern sein kann. So rechnen wir damit, dass Open-Source-Software die Chance öffnet, Funktionalität und Kosten von Servicerobotersystemen positiv zu beeinflussen. Ähnliches gilt für den verstärkten Einsatz von Sensoren und Bediensystemen aus dem Consumer-Bereich“, ergänzt Hägele.
Ein Anbieter entsprechender Software ist ROB Technologies. Das Unternehmen präsentiert auf der Automatica Softwarelösungen, die es erlauben, Robotersysteme schnell, einfach und ohne Programmierkenntnisse an neue Produktionsaufgaben anzupassen. „Dies ermöglicht den effizienten Einsatz industrieller Serviceroboter im Bereich kleinteiliger, nichtstandardisierter und individueller Herstellung von qualitativ hochwertigen Produkten.
Je nach Anwendung lassen sich so Roboter direkt 1) ab den häufig ohnehin vorhandenen Planungsdaten (CAD-Daten), 2) über ein grafisches Eingabegerät oder 3) über die direkte manuelle Führung (Anleitung) instruieren“, erläutert Tobias Bonwetsch, Gründer der ROB Technologies AG. Wie diese Kombination gelingt, demonstriert ROB Technologies anhand eines UR-Roboters, der Aufgaben, wie zum Beispiel das Entgraten und Anfasen von Bauteilen oder Auftragen von Klebespuren, übernimmt.
Diese Möglichkeit zur Kombination und auch Integration in bestehende Systeme und Prozesse, ist der entscheidende Schlüsselfaktor für den weiteren Erfolg der Servicerobotik. „Denn am Ende wird nicht der Serviceroboter allein den Erfolg bestimmen, sondern das gesamte System“, so Melanson von Aethon. MM
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