Roboter Serviceroboter sind in realen Anwendungen angekommen

Redakteur: Rüdiger Kroh

Die Referenten bei den 6. Schunk Expert Days waren sich einig: Der Markt für Serviceroboter gewinnt zunehmend an Fahrt. So erwartet der Weltroboterverband IFR für den Zeitraum 2012 bis 2015 den Absatz von weltweit mindestens 93.800 neuen professionellen Servicerobotern.

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„Die Montage bietet für die Mensch-Roboter-Kooperation ein großes Potenzial”, erklärte Stefan Bartscher, Leiter Innovationsmanagement, Vorentwicklung Produktionsressort bei der BMW Group.
„Die Montage bietet für die Mensch-Roboter-Kooperation ein großes Potenzial”, erklärte Stefan Bartscher, Leiter Innovationsmanagement, Vorentwicklung Produktionsressort bei der BMW Group.
(Bild: Kroh)

Vision becomes Reality: Schon das Motto der diesjährigen Schunk Expert Days verriet, wo der Weg der Servicerobotik hinführen soll. „Der Markt für Serviceroboter wächst und die Aussichten sind sehr gut”, hob Martin Hägele, Abteilungsleiter Robotersysteme beim Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, hervor. Und auch für Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des europäischen Branchenverbandes EUnited Robotics, ist die Servicerobotik in Europa vom Prototyp zum ernstzunehmenden Investitionsgut gereift.

Zahl der Serviceroboter dürfte sich bis 2015 vervielfachen

Gemäß den Zahlen der International Federation of Robotics (IFR) wurden 2011 weltweit 16.400 Serviceroboter für den professionellen Gebrauch verkauft. Bei einer Wachstumsrate von knapp 10 % erhöhte sich der Umsatz auf etwa 2,8 Mrd. Euro. Militärische Anwendungen machen mit 6500 Stück den größten Anteil aus, gefolgt von insgesamt 5000 Robotern für die Landwirtschaft und 2100 logistischen Systemen.

Der Weltroboterverband geht davon aus, dass zwischen 2012 und 2015 weltweit mindestens 93.800 neue professionelle Serviceroboter mit einem Wert von etwa 12,5 Mrd. Euro verkauft werden. Größter Umsatzbringer werden dann Medizinroboter sein.

In den kommenden Jahren werden nach Aussage von Dr. Roko Tschakarow, Geschäftsbereichsleiter Mobile Greifsysteme bei der Schunk GmbH & Co. KG, drei zentrale Themen die Servicerobotik bestimmen. „Die Sicherheit für Mensch und Material, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Entstehung leistungsfähiger Dienstleister und Systemhäuser für Servicerobotiklösungen.” Denn der nächste Schritt der Markterschließung könne nur über Anlagenbauer und Systemintegratoren erfolgen.

Autohersteller setzen neben Industrierobotern auch immer mehr auf Serviceroboter

Die Automobilindustrie als größter Abnehmer klassischer Industrieroboter bietet auch für den Serviceroboter ein breites Einsatzfeld. „In der Montage, wo die Automation noch unter 5 % liegt, eröffnen sich große Chancen”, urteilte Stefan Bartscher, Leiter Innovationsmanagement, Vorentwicklung Produktionsressort bei der BMW Group. Pro Werk sieht er dort Roboterzahlen im hohen zweistelligen Bereich. Als mögliche Anwendungen für die Mensch-Roboter-Kooperation nannte Bartscher die Montage von Türdichtungen und das Einpressen von Dichtungsstopfen.

Die Auswahl geeigneter Anwendungen für die Mensch-Roboter-Kooperationen erfolge bei BMW immer gemeinsam mit dem Werker. „Im Fokus steht dabei die Arbeitserleichterung für den Mitarbeiter bei schweren und eintönigen Aufgaben”, so Bartscher. Gefragt seien dafür eigensichere Roboter, die keine Schutzzäune benötigen, mobil sind und sich intuitiv bedienen lassen. „Serviceroboter werden langfristig ein alltägliches Werkzeug für die Produktionsmitarbeiter sein.” Auf die Fähigkeiten des Menschen will der BMW-Manager bewusst nicht verzichten. „Reine Roboterlösungen sind bei der heutigen Variantenvielfalt zu unflexiblen.”

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