Studie Industrielle Wertschöpfung belastet durch multiple Krisen?

Quelle: Pressemitteilung von Deloitte 3 min Lesedauer

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Die große Mehrheit der Unternehmen rechnet mit dauerhaft sinkenden Margen. So das ernüchternde Ergebnis des Supply Chain Pulse Checks von Deloitte.

Viele Befragte sehen internationale Lieferketten als bedroht. Größte Sorgen machen ihnen Handelskonflikte und politische Auseinandersetzungen.(Bild:  enanuchit - stock.adobe.com)
Viele Befragte sehen internationale Lieferketten als bedroht. Größte Sorgen machen ihnen Handelskonflikte und politische Auseinandersetzungen.
(Bild: enanuchit - stock.adobe.com)

Die deutschen Industrieunternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft. Zumindest, wenn es nach den Ergebnissen einer im April und Mai durchgeführten Studie von Deloitte und dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) geht. In der dritten Ausgabe des Supply Chain Pulse Check wurden mehr als 120 Lieferketten-Verantwortliche befragt. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus Großunternehmen der Branchen:

  • Maschinenbau/Industriegüter
  • Automobil
  • Chemie
  • Bauwesen
  • Transport und Logistik

Laut Ergebnissen rechnen mehr als 80 Prozent der befragten Firmen mit rückläufigen Gewinnen. Die Industrie ist bei Rohstoffen und Vorprodukten stark importabhängig. Dabei kann sie ihre globalen Lieferketten immer weniger oder nur mit hohem Aufwand absichern.

Ein Großteil der Befragten befürchtet steigende Unsicherheiten in Bezug auf ihre Lieferketten.(Bild:  Deloitte/Supply Chain Pulse Check, 2024)
Ein Großteil der Befragten befürchtet steigende Unsicherheiten in Bezug auf ihre Lieferketten.
(Bild: Deloitte/Supply Chain Pulse Check, 2024)

Insbesondere mit Blick auf die langfristige Entwicklung hat sich laut Erhebung die Stimmung der Supply Chain-Verantwortlichen verschlechtert. 34 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwei bis drei Jahren mit einer zunehmenden Belastung ihrer Lieferketten. Im vorangegangenen Jahr waren es noch 23 Prozent. Wohingegen sich der kurz- und mittelfristige Ausblick entspannt hat. Die Zahl der Befragten, die innerhalb der nächsten drei bis zwölf Monate eine Verbesserung erwarten, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

„Die Unternehmen müssen mehr denn je alternative Szenarien für ihre Produktion und Rohstoffversorgung entwickeln“, sagt Dr. Jürgen Sandau, Partner und Lieferketten-Experte bei Deloitte. „Neben China gilt es, Länder wie Indien, Vietnam oder Indonesien stärker in Betracht zu ziehen.“ Denn geopolitische Risiken wie ein eskalierender China-Taiwan-Konflikt bergen aus Sicht der Befragten ein hohes Risiko für ihre Lieferkettenstrategie. Das gilt auch für die zunehmenden internationalen Handelskonflikte. Darin sehen 58 Prozent ein hohes Risiko.

Die größte Beeinträchtigung befürchten die Befragten durch wachsende regulatorische Anforderungen.(Bild:  Deloitte/Supply Chain Pulse Check, 2024)
Die größte Beeinträchtigung befürchten die Befragten durch wachsende regulatorische Anforderungen.
(Bild: Deloitte/Supply Chain Pulse Check, 2024)

Starker Trend zu weiteren Verlagerungen

Hinzu kommen Herausforderungen am Standort Deutschland. Vor allem scheinen regulatorische Anforderungen den Unternehmen zu schaffen zu machen. Für 75 Prozent der Befragten sind sie eines der größten Risiken für ihre Lieferkettenstrategie – ein Anstieg von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir müssen sowohl im Land als auch in den Unternehmen entbürokratisieren“, sagt Lieferketten-Experte Sandau.

Die Energiepolitik und der Fachkräftemangel in Deutschland sowie die Rohstoffpreise werden ähnlich kritisch gesehen. Die Sorge um Cyberangriffe ist nun ganz oben auf der Agenda der Lieferketten-Verantwortlichen angekommen. Bei der jüngsten Befragung im Herbst 2023 war das Thema lediglich für 31 Prozent der Unternehmen kritisch. Mittlerweile stellt es für 67 Prozent ein Risiko für die Lieferketten-Strategie dar.

Der Trend zu weiteren Verlagerungen ist entsprechend groß. Knapp jedes zweite Unternehmen hat Teile seiner Wertschöpfung bereits verlagert und beabsichtigt, dies weiterhin zu tun. 42 Prozent planen, künftig höherwertige Bereiche der Produktion zu verlagern. „Häufig sehen wir hierzulande nur noch Erhaltungsinvestitionen, aber keine Erweiterungsinvestitionen mehr. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, entsteht der Wohlstand der Zukunft nicht mehr in Deutschland", meint Sandau.

In der Frage der Deindustrialisierung erwarten die Firmen wenig Unterstützung. Nur knapp ein Drittel (31 Prozent) ist der Ansicht, dass die Politik die Gefahr der Deindustrialisierung erkannt hat oder gar die Wende ermöglichen wird. Ein Großteil der Unternehmen wünscht sich mehr Investitionen und Innovationen hierzulande, damit der Standort im globalen Wettbewerb mithalten kann.

Neue Technologien und nachhaltiges Wirtschaften als Hoffnungsträger

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Der aktuelle Deloitte-Studie zeigt ein Bemühen der Unternehmen um den Standort. 72 Prozent geben an, dass sie ihre Produktion digitalisieren, um in Deutschland weiterhin erfolgreich zu sein. Neue Technologien, insbesondere Künstliche Intelligenz, haben nach Ansicht von 63 Prozent der Befragten das Potenzial, die Produktivität zu steigern und Mehrkosten hierzulande auszugleichen.

Zirkuläres Wirtschaften wird von 69 Prozent der Befragten als vielversprechendes Mittel gesehen, um ihre Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu mindern. Zwei Drittel geben an, dass damit die Kosten entlang der Lieferkette reduziert werden können. „In vielen Industrie-Unternehmen gibt es nach wie vor Einsparpotenzial“, sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei Deloitte. „Hier lohnt sich eine umfassende Analyse mehr als eine vorschnelle Verlagerung.“

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