Weg durch den Dschungel

So berechnet man den CO2-Fußabdruck von Werkzeugmaschinen viel leichter

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Wer bei der PCF-Berechnung zu detailverliebt vorgeht, verliert sich

Der PCF umfasst alle Treibhausgasemissionen, die von einem Produkt in den verschiedenen Phasen seines Lebenszyklus verursacht werden, erklären die Beteiligten. Die VDW-Projektgruppe einigte sich im ersten Schritt auf die Betrachtung Cradle-to-Gate (von der Wiege bis zum Werkstor) – also einer Betrachtung, die sich auf Ressourcen, Herstellung der Vorprodukte und schließlich auf die Produktion des Endprodukts konzentriert. Das reicht dann bis zu dem Punkt, an dem die Maschine die Halle des Herstellers verlässt. Die Gründe für diese Betrachtung nennt Henning Bornkessel, Senior Manager Sustainability & Process Management bei DMG Mori: „Entscheidend war für uns die Kundensicht. Und bei Cradle-to-Gate handelt es sich um einen gut abgesteckten Bereich, zu dem wir verlässliche Aussagen machen können.“

Die hitzigsten Diskussionen entbrannten in der Expertengruppe um die Frage, wie sehr es ins Detail gehen muss. „Übergeordnete Ansätze fordern eine Detailbetrachtung von bis zu 99 Prozent der Masse einer Maschine“, so Hackelöer. Das ist bei Werkzeugmaschinen aber keinesfalls zu leisten. Deshalb stellt sich in diesem Fall die Frage, welchen Sinn es macht, den PCF bis hin zur kleinsten Unterlegscheibe zu errechnen. Man fokussierte sich deshalb auf eine PCF-Berechnungsmethode, die eine gute Genauigkeit mit vertretbarem Aufwand vereint.

In neun Schritten durch das PCR-Regelwerk

In den jetzt vorliegenden PCR der VDW-Projektgruppe werden die Anwender in neun Schritten durch den Prozess geführt. Dabei geht es vorrangig um die Maschine und ihre Einzelteile. Berücksichtigt werden darüber hinaus die Emissionen, die direkt vor Ort beim Maschinenhersteller entstehen, sowie zugekaufte Energieträger, die auf die produzierten Maschinen entsprechend umgelegt werden. Grundsätzlich muss der Hersteller zunächst die Betrachtungsgrenzen definieren. Geht es nur um das eigene Produkt oder den gesamten Lieferumfang – einschließlich etwa der Beladeroboter? Danach wird die Maschine gedanklich „zerlegt“. Anhand der Stückliste werden dabei alle Einzelteile nach Gewicht sortiert. Schaltschrank und Motoren sind gesondert zu betrachten, weil sie CRM (Critical Raw Materials) wie seltene Erden, Kupfer oder Kobalt enthalten können, die mit hohen CO2-Emissionen verbunden sind. Für deren Bilanzierung bietet die Richtlinie auch einen praxisorientierten Ansatz.

Mit dem Pareto-Prinzip zum überprüfbaren PCF der Werkzeugmaschine

Spannend werde es an der Stelle, an der die verbleibende Masse der Maschine (nach Abzug von Schaltschrank und Motoren) betrachtet werde. Denn an diesem Punkt entschieden die Experten das nach dem italienischen Wirtschaftswissenschaftler Vilfredo Pareto benannte Pareto-Prinzip (80/20-Regel) anzuwenden, um die Sache zu vereinfachen. Übertragen auf die Werkzeugmaschine bedeutet das, dass einige wenige Teile den Großteil der Masse und somit auch den Carbon Footprint ausmachen. Es gilt nun, anhand der sortierten Stückliste die Teile zu identifizieren, die mindestens 80 Prozent der verbleibenden Masse darstellen. Deren PCF lässt sich dann aus der Multiplikation von Gewicht und passendem Emissionsfaktor errechnen. Die Emissionsfaktoren der unterschiedlichen Materialien erhält man entweder vom Zulieferer oder aus einschlägigen Datenbanken. Die übrigen, noch nicht bilanzierten Teile, ließen sich entsprechend hochrechnen, was schnell gehe und nach den Erfahrungen der beteiligten Experten zu einer vergleichbar guten Genauigkeit sowie zu einer vollständigen Betrachtung aller Teile führe. Am Ende ergibt die Addition der einzelnen Footprints zum PCF der gesamten Werkzeugmaschine, der als CO2-Äquivalent in Kilogramm angegeben wird, ein Wert, der sich in jeden Nachhaltigkeitsbericht aufnehmen, überprüfen und mit anderen vergleichen lässt.

So kommen auch KMU zu einem belastbaren Nachhaltigkeitsbericht

Außer der beschriebenen Vorgehensweise bietet das VDMA-Einheitsblatt eine Beispielrechnung und Definitionen, Erläuterungen zu relevanten ISO-Normen sowie Hinweise auf Datenbanken für Emissionsfaktoren, die frei zugänglich sind. „Alle notwendigen Informationen finden sich in unserem Papier oder in angegebenen öffentlichen Quellen“, betont Süßdorf. Es gebe damit erstmals einen Ansatz, der auch für die in der Branche zahlreich vertretenen KMU praktikabel ist, verspricht der Experte. Alles sei leicht zu verstehen und ohne irgendwelche Schulungen durchzuführen.

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