Fraunhofer IWS

So kommt Leichtmetall kriechend in Top-Form

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Kriechformanlage rein, „Streckbank“ raus

Diese spezielle Version des Kriechformverfahrens ist weltweit einzigartig und für einige Anwendungsfelder nahezu alternativlos, betont Jens Standfuß. Damit werde es überhaupt erst möglich, Aluminium-Magnesium-Scandium-Bleche fehlerfrei zu einem Flugzeugsegment zu formen. Einige Zusatzvorteile sind außerdem zu erwähnen: Die Kriechformanlagen brauchen in den Werkhallen deutlich weniger Platz als die üblichen „Streckbänke“, so der Forscher. Auch verbrauche das neue Verfahren deutlich weniger Energie, erzeuge weniger Abfall und führe zu präziseren Ergebnissen.

Die wissenschaftlichen Grundlagen und die praktische Anwendbarkeit für das Verfahren hat unter anderem der IWS-Wissenschaftler Frieder Zimmermann in Versuchsreihen untersucht: Er konnte nachweisen, dass auch bereits geschweißte Formteile aus dieser Legierung auf diese Weise zuverlässig umgeformt werden können. Speziell diese Möglichkeit habe in der industriellen Praxis eine besondere Bedeutung, weil viele Bauteile erst zusammengeschweißt und danach umgeformt werden müssten – und dabei dürfen die Schweißnähte natürlich nicht versagen.

Nach den ersten Experimenten mit Probeblechen wollen die Fraunhofer-Ingenieure das Verfahren im nächsten Schritt mit „Realbauteilen“ testen, so Standfuß. Das heißt, dass Segmenten getestet so werden, wie sie tatsächlich im Flugzeug verbaut werden. Bis die ersten Flugzeuge aus dem neuen Leichtbaumaterial abheben, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen, muss Standfuß zu geben.

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