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Ansatz: Einstiegspreis ohne Mehrkosten
Das VDMA-Gutachten empfiehlt keine Erhöhung der bestehenden Energiesteuersätze, wie sie das Ministerium plant, sondern einen aufkommensneutralen Ansatz: Preise und Steuern sollen entsprechend der CO2-Intensität neu berechnet werden. Bedingung ist, dass jeder Sektor seine Investitionen in die Infrastruktur auch in Zukunft tätigt. Auf Strom und Erdgas werden also weiterhin Netz entgelte und Konzessionsabgabe fällig.
Um den einkommensneutralen Einstiegspreis der CO2-Komponente zu bestimmen, nutzte das FÖS einen einfachen Dreisatz: Die Höhe der staatlichen Einnahmen aus den Energiesteuern von derzeit rund 74 Mrd. Euro pro Jahr wurde dividiert durch die Zahl der von Deutschland emittierten Menge an CO2-Äquivalenten. Daraus resultiert ein Preis von 110 Euro/t. Damit die Einnahmen bis 2030 in etwa gleich bleiben, wächst der Preis auf CO2 langsam, aber sicher an – jährlich um fünf Euro auf 165 Euro/t CO2 2030.
Gewinner ist der Strom. Netzentgelte und Konzessionsabgabe blieben zwar erhalten, alle übrigen Abgaben und Umlagen würden durch die CO2-Komponente aber ersetzt (unter Anrechnung des europäischen Emissionshandels mit derzeit 20 Euro/t). Dadurch sinkt der Strompreis rein rechnerisch von 18,9 auf 13,4 Cent/kWh. Zudem: Je „grüner“ der Strommix durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird, umso kleiner wird dann die Klimakomponente.
Kostenersparnisse für viele Maschinenbauer
Die gute Nachricht: Viele Maschinen- und Anlagenbauer würden in ihren Energiekosten entlastet. Wie stark, hat das Gutachten am Beispiel von drei realen Unternehmen berechnet. Details nennt der VDMA dazu nicht. Die Beispiele zeigen aber, dass die Betriebe auch bei ungünstiger Konstellation nur minimal – im vierstelligen Bereich – draufzahlen. Andere sparen bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr. „Das Gutachten zeigt, dass ein CO2-Preis nicht automatisch zu einer Mehrbelastung von Unternehmen führt“, betont
VDMA-Referentin Frederike Krebs. Wichtige offene Punkte kann allerdings auch das Gutachten nicht beantworten: Wie reagiert die Branche tatsächlich auf eine Bepreisung? Sinkt die Attraktivität stromsparender Anlagen und Technologien, wenn der Strom deutlich billiger wird? Welche Mengen an Treibhausgas kann eine solche Preisreform real einsparen? „Fragen dieser Art sind bei allen Studien zum Thema bisher ungeklärt“, sagt FÖS-Expertin Ann-Cathrin Beermann, „wichtiger ist doch, dass man anfängt.“
Elektroantriebe
Elektromotoren antreiben und dabei CO2 sparen
* Christa Friedl ist Wissenschaftsjournalistin in Krefeld.
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