Brodtmann – VDMA

Thilo Brodtmann leitet den VDMA nach eigener Leitlinie: Liberal

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Privat trägt der Vater zweier Töchter diese nicht erst seit dem Tod seiner Ehefrau besonders – eine Belastung, von der in der achten Etage des Verbandsgebäudes in Frankfurt nichts zu spüren ist. Hier oben sieht er seine Verantwortung darin, den Verband zusammenzuhalten. So arbeitet er spätestens seit der Jahrtausendwende als Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung daran, einen kompakten einheitlichen Außenauftritt hinzubekommen, trotz der 100 unterschiedlichen Plattformen aus Fachverbänden und Arbeitsgemeinschaften. Wenn beispielsweise im Zuge der Energiewende Herstellern von Windrädern und Produzenten von Gasturbinen unter dem Dach des VDMA nur mit Mühe ein gemeinsamer Kurs abgerungen werden kann, ist er in seinem Element. Er vergleicht den VDMA von früher mit einer Kleingartenkolonie. „Obwohl wir heute viel weiter sind, sehe ich noch Potenzial, da sich Technologien immer mehr ineinander verschieben. Hinzukriegen, dass die einzelnen Bereiche miteinander schaffen: Da ist ein Schatz zu heben. Das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben“, sagt er und lacht.

Brodtmann will die Maschinenbauer bereichern und dehnt früh Verbandsgrenzen aus

Dabei ist Brodtmann nicht unschuldig an Fliehkräften und ausgedehnten Verbandsgrenzen. Schon als Chef des Fachverbands Robotik + Automation und später der Productronic hat er selbst genügend Firmen zum Beitritt überzeugt, die eher an den Rändern des Maschinenbaus agieren. Immer mit dem Ziel, die Maschinenbauer zu bereichern, denn sein Credo lautet, Wettbewerbsvorsprung für die Mitglieder durch stetige Vernetzung zu schaffen.

Fairer und offener Wettbewerb an der Spitze des VDMA

Weggefährten sagen denn auch über ihn, er arbeite und wirke gern hinter den Kulissen. Unermüdlich, bis die Position im Inneren soweit steht, dass der Verband von Außen als Einheit gesehen wird. Werkzeug eines einheitlichen Auftrittes ist die Rolle des Technologietreibers; Motivation für diese Sisyphusaufgabe ist, die Marke VDMA als Einheit zu erhalten. Als Ökonom wisse man, was eine Marke ausmache, hat er einmal gesagt: Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit!

Das Streben nach Zusammenhalt im Inneren bezieht sich jedoch nicht nur darauf, die Mitgliedsfirmen im Boot zu behalten. Auch der Umgang in der VDMA- Führungsetage wirkt äußerst fair: Interne Konkurrenten werden nicht einfach weggegrätscht. Selbst sein langjähriger Kollege im Vorstand Hartmut Rauen sagt über ihn, dass auch in der Konkurrenz-Situation um den Posten ein sehr kollegialer Umgang gepflegt wurde. Ein Kompliment, das Brodtmann gern zurückgibt: „Auch im umgekehrten Fall wäre ich nicht weggelaufen und hätte meinen vorherigen Job mit Freude weitergemacht. Das ist hier einfach so.“

Vorgänger Hesse führte beim VDMA konstruktive Streitkultur ein

Dass ein solcher Machtwechsel ohne zerbrochenes Geschirr abläuft, liegt sicher am Charakter der Wettbewerber. Und am Stil des Vorgängers: Dass sich seine langjährigen Stellvertreter nicht zerfleischten, ist auch dem Vorgänger Hannes Hesse zu verdanken: Er galt in der Verbandslandschaft als Vertreter einer konstruktiven Streitkultur und stand für eine schnelle und ehrliche Kommunikation – nach außen und hinter verschlossenen Türen. Eine Tradition, die auch Brodtmann im neuen Amt sicher weiter pflegen wird, bei Team und Mitgliedern ebenso wie gegenüber der Politik – mit und ohne Schlips um den Hals.

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