Wälzlager-Plagiate

Unangenehme Folgen durch gefälschte Wälzlager

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Plagiat von minderer Qualität ist optisch kaum zu unterscheiden

Daniel Sudhoff machte Detailaufnahmen der Lager und schickte sie in die NSK-Europazentrale in Ratingen. Sehr schnell kam von dort die Rückmeldung: Bei allen Lagern handelte es sich eindeutig um Plagiate, die nicht aus der NSK-Fertigung stammen. Die Fälscher hatten sich immerhin mit der Optik große Mühe gegeben (Bild 1). Selbst der Firmenschriftzug sah täuschend echt aus. Am ehesten war der Unterschied zwischen Original und Fälschung noch an der Bearbeitungsqualität einzelner Lagerkomponenten zu erkennen (Bild 4).

So wurden über einen NSK-Vertriebspartner neue Lager geordert und eingebaut. Testläufe zeigten: Die Temperatur von Lagern und Welle blieb auch nach neun Stunden Dauerbetrieb unterhalb der Umgebungstemperatur, weil die Original-NSK-Lager eine wesentlich höhere Qualität bei Werkstoff und Verarbeitung aufweisen. Die Kühlung des Antriebs konnte nun ihre Funktion ausspielen und Klopfgeräusche waren nicht mehr zu hören. Außerdem lief nun der gesamte Antrieb deutlich leiser als zuvor.

Gravierende Folgen bei Plagiaten in sicherheitsrelevanten Anwendungen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Einsatz der gefälschten Lager zu einem ärgerlichem Zeitverlust bei der Untersuchung des neuen Destillationsverfahrens geführt hat. Daniel Sudhoff berichtete, dass der Vorfall für den chinesischen Partner sehr unangenehm gewesen sei, denn in diesem Fall hat sich ein weit verbreitetes Vorurteil gegen die chinesische Industrie bestätigt. Dabei handelt es sich um eine renommierte Universität, mit der auch europäische Chemiekonzerne gern kooperieren. Die Plagiate wurden mit Sicherheit nicht absichtlich eingesetzt (Bild 6).

Im beschriebenen Fall hatte sich das Projekt „nur“ zeitlich verzögert – so ärgerlich dies auch ist. Maschinen- oder Apparatebauer sollten sich allerdings bewußt sein: Wenn solche gefälschten Lager in sicherheitsrelevanten Anwendungen zum Einsatz kommen, könnten die Folgen sehr viel gravierender sein. Kann der Anwender die Lieferkette beeinflussen, sollte er bei zuverlässigen Quellen, sprich bei den Vertriebspartnern der Wälzlagerhersteller, ordern. Das Beispiel zeigt auch, dass die Bemühungen der Lagerhersteller, gegen Plagiate vorzugehen, im Sinne der Kunden und Anwender sind. NSK hat sich unter anderem der World Bearing Association (WBA) angeschlossen und unterstützt die Anwender bei der Identifizierung gefälschter Wälzlager.

Literatur

Sudhoff, D., Lutze, P., Górak, A. (2013): Multi-Stage-Counter-Current Rotating-Packed-Bed for Distillation; Presentation at AIChE Spring Meeting 2013, San Antonio, USA

* Peter Kohl ist Team Leader Mechanical Drives im European Technology Center der NSK Deutschland GmbH in 40880 Ratingen

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