Niemand will die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen. Es kann jedoch auch von Nachteil sein, wenn frühzeitig bekannt wird, dass ein Unternehmen zum Verkauf steht. Leipert Maschinenbau hat deshalb auf ein anonymes Bieterverfahren gesetzt.
Die Leipert Maschinenbau GmbH hat sich auf die Bearbeitung von Großbauteilen spezialisiert.
(Bild: Leipert Maschinenbau GmbH)
Findet sich innerhalb der Familie kein passender Nachfolger, bleibt vielen Inhabern nichts anderes übrig, als ihr Unternehmen zu verkaufen. So ging es Anfang 2020 auch der Gesellschafterin der Leipert Maschinenbau GmbH. Der Mittelständler aus Kraichtal-Landshausen ist spezialisiert auf die hochgenaue Fräs- und Drehbearbeitung von Großbauteilen, zum Beispiel für Gasturbinen oder Windkrafträder. Ein sehr übersichtlicher Markt mit nur wenig Wettbewerbern. Oftmals haben die Auftraggeber die Auswahl zwischen Lieferant A und Lieferant B – und genau hier liegt das Problem.
„Wenn sehr früh im Prozess bekannt wird, dass ein Unternehmen auf dem Markt ist, könnte das die Kunden dazu bringen, Aufträge zurückzuhalten“, so Leipert-Geschäftsführer Dr. Gerhard Müller-Broll. „Die wollen dann erst einmal abwarten, wer danach am Ruder ist.“
An dieser Stelle kommt die Nachfolgekontor GmbH ins Spiel. Das Beratungshaus für M&A (Mergers & Acquisitions) bietet ein sogenanntes „anonymes Bieterverfahren“ an – eigenen Angaben zufolge bisher einzigartig in Deutschland. Der Vorteil: Häufig sind die Wettbewerber in einem solch kleinen Markt auch die prädestinierten Käufer. Mit dem Verfahren kann man deren Interesse abklopfen, ohne gleich die Katze aus dem Sack zu lassen, also den eigenen Namen preiszugeben. Dadurch lässt sich unter anderem die Gefahr reduzieren, dass der geplante Unternehmensverkauf vom Wettbewerber im Markt herumposaunt wird. Auch Angebote von Käufern, die vielleicht nicht so naheliegend sind, lassen sich so einfacher einholen.
So funktioniert das anonyme Bieterverfahren
Wie es in M&A-Prozessen üblich ist, wird beim anonymen Bieterverfahren zunächst eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet. Unüblich jedoch: Auch danach bleibt die Identität des angebotenen Unternehmens noch geheim. „Das Kennzeichen dieses Verfahrens ist, dass die Interessenten das erste indikative Angebot abgeben, noch bevor der Name veröffentlicht ist“, erklärt Projektleiter Fabian Schmidt von Nachfolgekontor.
Erst in der zweiten Runde wird der Name des Unternehmens offengelegt. Dem Experten zufolge ist das der ausschlaggebende Punkt: Manchmal erhöhen einzelne Interessenten ihr Angebot sogar noch einmal – oder sie steigen aus dem Prozess aus, beispielsweise weil sie auf ein anderes Unternehmen spekuliert hatten. Das sei ein Risiko beim anonymen Bieterverfahren. Insgesamt überwiege jedoch der Vorteil der anfänglichen Diskretion.
Unternehmen, die nur an Informationen interessiert sind und gar keine tatsächliche Kaufabsicht haben, erkennt man Schmidt zufolge übrigens daran, dass sie in der ersten Stufe ein wenig umfangreiches Angebot machen. Zudem versuchen sie häufig, den Prozess an sich zu reißen und schicken direkt einen Fragenkatalog zum Unternehmen mit. „Da muss man sehr fein selektieren“, so der Experte.
Die Verkaufsunterlagen enthalten zwar wirtschaftliche Kennzahlen und Kernkompetenzen des Unternehmens. Wo es möglich ist, versucht das Beratungshaus jedoch unspezifisch zu bleiben. „Bei Leipert haben wir die Anonymität zum Beispiel dadurch erreicht, dass wir nicht das volle Leistungsspektrum dargestellt haben“, berichtet Schmidt. „Das heißt, wir haben bei der Dimension der bearbeitbaren Bauteile ein bisschen ‚nachlässiger‘ gearbeitet und sie gestutzt.“
Unternehmensverkauf in der Coronakrise?
Die Suche nach einem geeigneten Käufer war bei Leipert zwar noch vor Beginn der Coronakrise angestoßen worden. Dennoch wirkte sich die Pandemie auf den Verkaufsprozess aus. „Die Interessenten haben deutlich später reagiert“, erinnert sich Geschäftsführer Müller-Broll. Es sei immer mehr Geduld nötig gewesen, um die Entscheider zu fassen zu kriegen. „Wir haben aber auch festgestellt, dass die strategischen Interessenten bei der Stange blieben. Die Finanzinvestoren haben ihre Bewertungskriterien hingegen schnell den vermeintlichen oder tatsächlichen Marktrisiken angepasst.“
Ist die Coronakrise also ein schlechter Zeitpunkt, um ein Unternehmen zu verkaufen? „Im Gegenteil“, meint Experte Schmidt: „Bei manchen Zerspanern, Maschinenbauern, Werkzeugbauern et cetera werden sich Corona-Effekte erst in einigen Jahren niederschlagen. Da stellt sich also eher die Frage: Ist nicht gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Unternehmen zu verkaufen?“
Stand: 08.12.2025
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Wie hat sich Leipert für einen Käufer entschieden?
Die Gesellschafterin der Leipert Maschinenbau GmbH jedenfalls hat den Verkauf trotz Coronakrise durchgezogen. Für den potenziellen Käufer hat sie die folgenden Kriterien festgelegt:
Es durfte niemand sein, mit dem sie Englisch sprechen muss.
Es durfte niemand sein, der die Firma gleich nach einem halben Jahr wieder verkauft, um schnellen Gewinn zu machen.
Es sollte im Idealfall jemand sein, der das Geschäft versteht.
Auch wollte man vermeiden, dass Kunden den Eindruck bekommen, es verschiebe sich in ihrem Zuliefermarkt zu viel. „Letztendlich war für uns der attraktivste Käufer ein Interessent, der zwar im gleichen Geschäft ist, aber noch nie in einer Wettbewerbssituation zu Leipert stand“, fasst Müller-Broll zusammen. Das Ergebnis: Seit dem 30.7.2020 ist Leipert Maschinenbau Teil des Stahl- und Maschinenbauunternehmens Gerhard Springmann GmbH. Eine Synergie, die für beide Seiten gut funktioniert. MM
* Weitere Informationen: Nachfolgekontor in 35578 Wetzlar, Tel. 06441 7858710, info@nachfolgekontor.de, www.nachfolgekontor.de