Fast platte Reifen US-Zölle werden Autoindustrie ins Schleudern bringen

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Wie es heißt, läuft der Motor der deutschen Autoindustrie alles andere als rund. Diverse Ursachen habe das Gestottere. Und es könnte noch übler kommen ...

Der deutschen Automobilindustrie wehen kalte Winde ins Gesicht. Und die Tiefdruckgebiete scheinen einen langen Atem zu haben, sowie eher mehr als weniger zu werden. Hier empfiehlt ein Experte, wie man sich den Unbilden dennoch erfolgreich entgegenstemmen könnte ...(Bild:  Audi)
Der deutschen Automobilindustrie wehen kalte Winde ins Gesicht. Und die Tiefdruckgebiete scheinen einen langen Atem zu haben, sowie eher mehr als weniger zu werden. Hier empfiehlt ein Experte, wie man sich den Unbilden dennoch erfolgreich entgegenstemmen könnte ...
(Bild: Audi)

Chinesische und amerikanische Hersteller überholen mit ihren Elektromodellen die deutschen Automobilbauer, heißt es in einer Allianz-Trade-Studie. Die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer würden durch den Innovationsrückstand und durch hohe Kosten ausgebremst. Und das auch noch bei einer zuletzt sehr schwachen Nachfrage. Noch dicker könnte es durch die drohenden US-Zölle kommen. Experten warnen, dass diese so einige aus der Kurve schleudern könnten. Europäische – und insbesondere deutsche Hersteller und Zulieferer – wären nämlich sowohl von zwischenstaatlichen Zöllen in Nordamerika als auch von US-Zöllen auf Importe aus Europa besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.

Gegenzölle werden nicht wirklich viel bringen

Die drohenden Zölle an den unterschiedlichsten Fronten sorgen für schlaflose Nächte in der deutschen und europäischen Automobilbranche, kommentiert Guillaume Dejean, Senior Branchenexperte bei Allianz Trade. Denn die USA sind zusammen mit China der wichtigste Absatzmarkt für europäische Hersteller. Sie wären bei einem sich zuspitzenden Handelskonflikt deshalb besonders verwundbar. Europäische Autos stiegen am US-Markt im Preis und wäre mit Blick auf den heimischen Marken kaum noch wettbewerbsfähig. Das dürfte Auswirkungen auf die Produktion und im schlimmsten Fall auf hiesige Arbeitsplätze haben, wie der Experte befürchtet. Etwaige Gegenzölle der EU würden US-Hersteller außerdem kaum treffen, weil für sie der europäische Markt keine große Rolle spiele. Deshalb gibt es aktuell Überlegungen, Zölle auf US-Autos von derzeit zehn Prozent auf einen Wert zu senken, der sich an die

2,5 Prozent anlehnt, die die USA selbst verlangen. Dejean: „Das würde amerikanischen Herstellern einen besseren Marktzugang in Europa gewähren.“

Deutsche Autobauer sind rundherum die Hauptverlierer

Im sogenannten Game of Tariffs sind deutsche Autobauer fast nur die Verlierer, wie es weiter heißt. Aber auch Zölle auf Importe aus Mexiko hätten gravierende Auswirkungen, weil viele europäische Autobauer und Zulieferer von Mexiko aus den US-Markt bedienten. Dejean führt weiter aus: „Egal an welcher Schraube im Handelskonflikt gedreht wird, die deutschen Autobauer gehören fast immer zu den Verlierern!“ Die europäischen Autobauer haben lange am Verbrenner festgehalten und sich wenig bewegt, Porsche will sich außerdem wieder verstärkt dem Verbrenner widmen, wie letzte Woche bekannt wurde. Dieser Bumerang komme nun zurück. Jetzt müssten sie Wege aus der Krise finden – auch im Hinblick auf die strengeren CO2-Ziele in der EU, die trotz der Nachfrageflaute bei Elektroautos in Kraft treten würden. Um den zahlreichen Herausforderungen zu begegnen, welche die Automobilbranche drangsalieren, sind sowohl Politik als auch die Unternehmen selbst gefragt.

Weniger Modelle und neue Märkte könnten helfen

Dejean empfiehlt etwa eine Verschlankung der Modellpalette auf höchstens fünf bis sechs Modelle, die sowohl in Hybrid- als auch in Elektroversionen angeboten werden sollten. Dass könne die Kosten senken und die Effizienz der Autobauer steigern. Durch eine stärkere vertikale Integration und die Entwicklung maßgeschneiderter Ladesysteme könnten außerdem Kosten gesenkt und die Abhängigkeit von externen Lieferanten verringert werden, wie es weiter heißt. Und die Erschließung neuer Märkte kann dabei helfen, die Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu reduzieren und neue Wachstumschancen zu nutzen. Besonders attraktiv sind dabei Absatzmärkte mit niedrigem Motorisierungsgrad, in dem der internationale Wettbewerb noch nicht sehr ausgeprägt ist. Man denke an Indien, Vietnam, Indonesien und Südamerika. Investitionen in Forschung und Entwicklung spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, ohne, dass der Experte dazu Näheres äußert.

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