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Ein Optimierungsschwerpunkt gilt dem Energieverbrauch
Aktuell ist der Hype um das Thema Nachhaltigkeit merklich abgeflaut. Im Rahmen der Messe „interpack“ lud Reifenhäuser Blown Film zum „Open House“ nach Troisdorf ein. „Unsere Kunden aus der Verpackungsindustrie investieren in Effizienz und Qualität der Produktion“, so Ralf Pampus, Vertriebsleiter des Unternehmens. Insgesamt fanden etwa 100 Besucher von der Messe in Düsseldorf den Weg nach Troisdorf. Das Unternehmen stellte mit der EVO eine Anlage vor, die Biofolien von verschiedenen Rohstoffherstellern verarbeiten kann. Zum Einsatz kam ein stärkebasierter Biokunststoff, der bis zu 90 % aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und dabei sowohl zu 100 % recycelbar als auch zu 100 % biologisch abbaubar ist. Damit erfülle der Rohstoff die Anforderungen an geschlossene Stoffkreisläufe.
Isolation und verbesserte Motoren
Ein Ansprechpartner des Unternehmens für Blasfolientechnologie und effiziente nachhaltige Lösungen ist der Senior Sales Manager Eugen Friedel. Der Experte berichtet über die Entwicklung der letzten Jahre: „Ein Schwerpunkt liegt auf den Extrudern. Etwa 70 % des Energieverbrauchs einer Blasfolienextrusionsanlage wurden dort lokalisiert.“ Klar ist, dass dabei die Antriebe dominieren. Hier habe Reifenhäuser bereits die Energieeffizienz optimiert und könne Elektromotoren der Klasse IE3/IE4 einbauen. Zusätzlich erhöhen Isolierungen am Extruderzylinder die Energiereduzierung und sparen bei einer 7-Schicht-Anlage nachweislich bis zu 10.000 Euro pro Jahr ein.
Die Extrudertechnik zur besonderen Materialart passen
Seit 2009 gilt bei Elektromotoren außerdem eine neue Normierung für die Einteilung möglichst energieeffizienter Antriebe. Eingeteilt wird dann in die Wirkungsgrad-Klassen IE1 Standardwirkungsgrad, bis IE4 Super Premium im Top-Niveau, was die Energiewandlung angeht. Zurzeit sieht Friedel den Kundennutzen noch als begrenzt an, auch wegen des relativ stabilen Strompreises. Speziell in diesem Bereich habe sich relativ wenig getan. Wenn sich das jedoch einmal ändert, ist es interessant, dort hinzuschauen, meint der Salesmanager.
Biokunststoffe schmelzen kälter
Als weiteren Aspekt im Prozess zu einem Mehr an Nachhaltigkeit sieht Friedel die Schmelztemperatur. Viele Kunden wollen nun eine kälter arbeitende Schnecke haben, auch weil Biokunststoffe bei wesentlich niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden als das für Verpackungsmaterialien übliche Polyethylen (PE). Bei PE beträgt die Verarbeitungstemperatur etwa 200 °C. Bei einem biologisch abbaubaren Material liegt diese zwischen 120 und 140 °C. Als Polyethylenersatz werden stärkebasierte Kunststoffe verwendet.
Auch werden dafür Extruder benötigt, die trotz der niedrigen Verarbeitungstemperatur eine homogene Schmelze erzeugen. Friedel erläutert: „Dabei hat Reifenhäuser als größter Hersteller von Extrusionstechnik über Jahre Erfahrung bei der Entwicklung einer angemessenen Verfahrenstechnik gesammelt.“ In diesem Zusammenhang müsse der Extruder in der Lage sein, kälter und wärmer gefahren zu werden. Hierzu befinden sich in der Isolierung, die auf dem die Extruderschnecke umschließenden Zylinder sitzt, Ventilatoren zur raschen Abkühlung.
Anwendungshürde Preis
Die Frage, ob bei der Verwendung von Biowerkstoffen ein größeres Wachstum zu erwarten sei, beantwortet der Verkaufsmanager folgendermaßen: „In Frankreich und ab 2018 auch in Italien gibt es gesetzliche Regelungen für die Verwendung von Biokunststoffen bei Folienanwendungen. Ansonsten haben es die Biokunststoffe noch schwer, weil sie um den Faktor 3 bis 4 teurer sind.“ Der Reifenhäuser-Manager meint, dass es beim Thema Nachhaltigkeit und Rohstoffe eher in Richtung eines effizienten Umgangs mit Rohstoffen geht. Den Biokunststoffen bestätigt er zwar eine positive Entwicklung, insbesondere wenn man sich die Eigenschaftsentwicklung der letzten Jahre anschaut. Das Problem liege aber beim Faktor Preis. Solange die Gesetzgebung nicht die Verwendung von Biokunststoffen erzwingt, wird sich aus seiner Sicht daran nicht viel ändern.
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