Arbeitsschutz

Vibrations-Schutzhandschuhe haben begrenzte Wirkung

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Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) ist ein akkreditiertes Prüflabor und notifizierte Stelle für Vibrations-Schutzhandschuhe. Zur Ausstellung eines Zertifikates prüft das Institut auch die Konformitätserklärung des Herstellers und – soweit notwendig – den pH-Wert sowie den Chrom-VI-Gehalt der Handschuhmaterialien.

Zwei Prüfspektren zur Untersuchung der Vibrationsübertragung bei Schutzhandschuhen

Um die Aussagekraft der Prüfergebnisse zu bewerten, ist das Prüfverfahren nach DIN EN ISO 10819 näher zu betrachten. Es basiert auf der Ermittlung der Vibrationsübertragung von Handschuhen in der Handinnenfläche für zwei Prüfspektren: das Spektrum M im mittleren Frequenzbereich von 31,5 bis 200 Hz und das Spektrum H im höheren Frequenzbereich von 200 bis 1000 Hz.

Das wesentliche Prüfkriterium dafür, dass ein Handschuh nach der Prüfnorm als vibrationsmindernd gelten kann, ist, dass der Übertragungsfaktor TRM < 1 (M-Spekrum) und TRH < 0,6 (H-Spektrum) erreicht wird. Ein Übertragungsfaktor von 1 bedeutet keine Verstärkung oder Dämpfung und ein Übertragungsfaktor von 0,6 eine 40-%-Dämpfung.

Der untere Frequenzbereich, in dem besonders schlagend wirkende Geräte und Maschinen arbeiten, wird nicht geprüft. So ist nach dem heutigen Kenntnisstand für Handschuhe keine wesentliche Dämpfung unter 150 Hz zu erwarten.

Fingerlose Vibrations-Schutzhandschuhe erfüllen nicht die Forderungen

Als weiteres Prüfkriterium müssen die vibrationsmindernden Eigenschaften des dämpfenden Materials – geprüft in der Handinnenfläche des Handschuhs – auch im Bereich der Finger vorliegen. „Fingerlose“ Handschuhe erfüllen die Prüfanforderungen also nicht. Weil durch die Handschuhdicke die Greifsituation verändert wird, hat das IFA als zusätzliche Forderung zur Einhaltung von ergonomischen Anforderungen eine maximale Dicke von 8 mm festgelegt.

Der für Hand-Arm-Vibrationen relevante Frequenzbereich liegt zwischen 8 und 1000 Hz. Die Frequenzbewertung berücksichtigt im unteren Frequenzbereich eine höhere Wirkung als im oberen Frequenzbereich. Aus messtechnischen Gründen kontrolliert die Versuchsperson während der Prüfung die Greifkräfte von 30 N und die Andruckkraft von 50 N und hält sie konstant (Bild 2).

Kräfte in der Praxis teils wesentlich höher als bei der Prüfung der Vibrations-Schutzhandschuhe

In der Praxis sind die Ankoppelungskräfte während der Arbeitsaufgabe teilweise wesentlich höher und können stark schwanken. Dies kann dazu führen, dass die Dämpfungseigenschaften ungünstiger sind. Auch eine unsichere Führung/Handhabung der Geräte oder eine verkrampfte Haltung des Benutzers kann die Ankopplungskraft erhöhen und zu einer größeren Vibrationsübertragung führen.

Messungen unter Praxisbedingungen am Seitengriff eines Winkelschleifers (Bild 3) zeigen für verschiedene geprüfte Vibrations-Schutzhandschuhe, die im Labor für das Spektrum H eine Dämpfung von 41% aufweisen, nur noch eine Dämpfung zwischen 10 und 27%.

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