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Vibrations-Standardprofile sollen die Addition von Einsatzzeiten ermöglichen
Hilti-Kunden erhalten ein Dokument im PDF-Format, in dem jede Maschine verzeichnet ist. Angegeben sind neben dem triaxialen Vibrationswert die Auslöse- und Grenzwerte anhand von Einsatzbeispielen.
„Der Kunde kann zum Beispiel ersehen, wie viele Löcher einer bestimmten Größe er mit seinem Werkzeug in ein vorgegebenes Material pro Tag bohren kann, ohne in einen kritischen Bereich zu geraten“, so Bossert. Das Unternehmen möchte zukünftig Standardprofile erstellen, die die Addition von Einsatzzeiten verschiedener Werkzeuge möglich machen.
Von solchen Standardprofilen werden wohl vor allem kleinere Unternehmen profitieren. Große Unternehmen haben oft einen eigenen Vibrationsexperten und vergleichen bereits beim Einkauf die Vibrationsemissionen der Werkzeuge. „Kleinere Unternehmen, zum Beispiel Werkstätten, sind damit in der Regel überfordert“, weiß Christoph Hecker, „die Vibration ist dort nur ein Thema unter vielen beim Arbeitsschutz.“
Anwender hat einige Belastungsfaktoren durch Vibrationen selbst in der Hand
Ob der Anwender mit einem scharfen oder stumpfen Werkzeug arbeitet, wie fest er andrückt, ob er das Werkzeug locker oder fest in der Hand hält und wie gut er in der Handhabung unterwiesen wurde, sind weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. „In der Betriebsanleitung müssen Werte für die Vibrationsemission angegeben werden, die wir nach einem normgerechten Verfahren ermitteln. Dabei wird die Maschine von drei Probanden in je fünf Messreihen geführt und gemessen“, berichtet Volker Wolf, Key Account Manager bei der C. & E. Fein GmbH. „Und bei jedem Probanden kommen verständlicherweise andere Werte heraus.“
In der Betriebsanleitung für die Bewertung der Maschine stehe schließlich der jeweils höchste Wert, der sich an einem der Griffbereiche ergeben habe. Der „Unsicherheitsfaktor K“ fasst die Produkt- und Laborstreuung zusammen.
Gemäß EG-Maschinenrichtlinie muss dieser Faktor ebenso in der Bedienungsanleitung der Werkzeuge oder in Internetkatalogen angegeben werden wie der Vibrationswert. Bei besonderen Einsatz- und Betriebsbedingungen können Abweichungen allerdings weit höher sein und müssen vom Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Einachsiger Vibrationswert liegt oft deutlich unter Gesamtvibrationswert
Ein weiterer unsicherer Faktor ist die Angabe der Vibrationsemission selbst: „Bis Ende 2009 mussten die Vibrationswerte laut bis dahin geltender Version der EG-Maschinenrichtlinie nur in einer Richtung gemessen werden“, sagt Jeroen van Geenen, Ergonomie-Experte bei Atlas Copco Tools Central Europe in Essen. Dieser einachsige Wert liege oft deutlich unter dem Gesamtvibrationswert, wie er in der aktualisierten Version der EG-Maschinenrichtlinie genannt würde. „Das kann dazu führen, dass die Vibrationen von Werkzeugen unterschätzt werden.“
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