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Ergonomie Vibrationswert als Hilfe gegen kritische Hand-Arm-Belastungen

| Autor/ Redakteur: Ulrike Preuß / Rüdiger Kroh

Seit 2010 sind Hersteller handgehaltener Druckluft- und Elektrowerkzeuge verpflichtet, deren Vibrationsemission als Gesamtvibrationswert in allen Werkzeugunterlagen anzugeben. Doch wieweit richten sich die Hersteller danach? Und wie können Anwender diese Vibrationskennzahlen für den praktischen Einsatz nutzen?

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Vermessen einer Schleifmaschine im Labor: Die Vibrationen von Handwerkzeugen müssen in drei Dimensionen gemessen und angegeben werden. (Bild: Atlas Copco)
Vermessen einer Schleifmaschine im Labor: Die Vibrationen von Handwerkzeugen müssen in drei Dimensionen gemessen und angegeben werden. (Bild: Atlas Copco)

Ende dieses Jahres tritt das neue Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) in Kraft und rückt damit die Vermarktungs- und Sicherheitsvorschriften für Produkte sowie die Marktüberwachung ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Und damit auch das Thema Vibrationsschutz. „Nur etwa 500 Fälle von Berufskrankheiten, die mit Hand-Arm-Vibrationsbelastung in Verbindung stehen, werden bundesweit jährlich gemeldet“, sagt Dr. Christoph Hecker von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall.

Vibrationen gefährden schätzungsweise ein bis zwei Millionen Beschäftigte

Die Dunkelziffer von Erkrankten wird jedoch viel höher sein. Denn ein bis zwei Millionen Beschäftigte sind laut Hecker schätzungsweise gesundheitsgefährdenden Hand-Arm-Vibrationen (HAVib) ausgesetzt.

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Besonders betroffen sind die Branchen Bergbau, Bau, Metall, Forstwirtschaft und im Metallbereich die Form- und Kernmacher, Gießereiarbeiter, Karosseriebauer, Schleifer und Gussputzer. Besonders kritisch sind die Vibrationsbelastungen von Aufbruchhämmern, verschiedenen Schleifmaschinen sowie Meißel- und Bohrhämmern. Aber auch alle anderen handgehaltenen Werkzeuge wie Stichsägen oder Schlagbohrer können für gesundheitsschädliche Vibrationseinwirkungen verantwortlich sein.

Um als Anwender einschätzen zu können, wie hoch die Vibrationsbelastung durch die Arbeit mit einem bestimmten Werkzeug ist, steht in dessen Produktdokumentation der Vibrationsemissionswert. So sieht es zumindest die europäische Maschinenrichtlinie 2006/42/EG für Hersteller vor. Die Betriebsanleitung muss den Schwingungsgesamtwert enthalten, dem die oberen Körpergliedmaßen ausgesetzt sind, falls der ermittelte Wert 2,5 m/s2 übersteigt.

Bei Überschreiten des Grenzwertes die Vibrationsbelastung verringern

Diesen Wert kann der Arbeitgeber als Informationsquelle für die Gefährdungsbeurteilung verwenden, zu der er gesetzlich verpflichtet ist. Er selbst muss den Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) ermitteln, der physikalisch aus dem Beschleunigungswert in Metern pro Quadratsekunde und der Einwirkungsdauer vor Ort berechnet wird. Die Angabe A(8) ist eine Vibrations-Tagesdosis, normiert auf einen Bezugszeitraum von acht Stunden. Als unproblematisch gelten A(8)-Werte bis zu 2,5 m/s². Der Expositionsgrenzwert A(8) beträgt 5 m/s2. Bei Überschreiten des Auslösewertes von 2,5 m/s2 und des Expositionsgrenzwertes müssen Maßnahmen zur Verringerung der Vibrationsbelastung ergriffen werden.

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