Das Tüftlertrio von Triamp benötigte Komponenten für die Elektrifizierung von drei Oldtimern. Gemeinsam mit dem Metallbearbeiter Ray-Cut erreichten die Schweizer Autoliebhaber ihr Ziel: zwei Jaguar E-Type und einen VW T2 möglichst originalgetreu und leistungsstark umzurüsten.
V. l.: Teilen die Liebe zum Blech: Felix Stoffel, Andreas Weibel und Simon Jeger rüsteten ihre Oldtimer zu E-Fahrzeugen um. Hannes Obrist und Sven Heukeroth von Ray-Cut produzierten Teile für den Umbau.
(Bild: Julian Salinas)
Da steht sie, die Designikone mit den fließenden Formen, modelliert aus Blech und Chrom. Auf den ersten Blick ist der bordeauxrote Jaguar E-Type 2+2, der heute in der Produktionshalle von Ray-Cut zu bewundern ist, ein Original. Doch unter der langen Kühlerhaube des Klassikers Baujahr 1969 steckt kein Verbrenner mehr. Der 4,2-Liter-Reihensechszylinder musste einem Elektromotor weichen. Den Rest des Motorraums füllen vier Blechkisten voller Batteriezellen und ein Computer. Zwei weitere Batterieboxen finden sich im Heck, wo ursprünglich Reserverad und Tank unterkamen.
„Wir haben lange getüftelt, um das Optimum rauszuholen“, sagt Simon Jeger. Der 26-Jährige, der nach dem Bachelor in Maschinenbau in diesem Jahr den Master in Robotik an der ETH Zürich absolviert, hat das Projekt Triamp zusammen mit seinem Vater Felix Stoffel angestoßen.
Schon seit Längerem träumten die beiden von einem gemeinsamen Bauprojekt. Über die Jahre reifte die Idee, den E-Type – das Traumauto des Vaters – zu elektrifizieren, und zwar gleich in doppelter Ausführung. Um ihr Know-how zu erweitern, holten die beiden den Garagisten Andreas Weibel an Bord. Dieser brachte neben seiner mechanischen Expertise seinen VW T2 in das Projekt ein. Triamp war geboren.
VW-Enthusiast Andreas Weibel war es auch, der den Kontakt zum Metallbearbeiter Ray-Cut in der Schweizer Kleinstadt Lyss herstellte. Neben den Blechboxen für die Batterien benötigte Triamp verschiedenste Aufhängungsteile sowie eine massive Stahlplatte, um den E-Motor mit dem Getriebe zu verbinden. Für Ray-Cut war das Projekt eine Herzensangelegenheit: „Wir produzieren immer wieder mal Teile für Autos und Motorräder von Freunden“, erzählt Sven Heukeroth.
Die Rockerkluft lässt es erahnen – der Mitinhaber und Produktionsleiter ist stolzer Harley-Besitzer. Sein Geschäftspartner Hannes Obrist nennt einen Autobianchi Bianchina mit Jahrgang 1964 sein Eigen, ein Puppenkistenauto, wie der Verkaufsleiter selbst sagt. Obrist und Heukeroth waren für das Projekt sofort Feuer und Flamme, auch wenn sie den Sound der Originalmotoren vorziehen.
Es muss brummen, sonst macht das Ganze doch keinen Spaß.
Hannes Obrist, Geschäftsführer Ray-Cut
Die summenden Oldtimer von Triamp stehen den brummenden Originalen jedoch in nichts nach. Der VW T2 hat seine elektrische Jungfernfahrt bereits hinter sich. Der graue Pick-up-Bulli mit Jahrgang 1979 ist durch den E-Antrieb schneller geworden und macht mit einer Reichweite von 400 Kilometern modernen Elektroautos Konkurrenz. Simon Jeger ist zuversichtlich, dass auch die beiden E-Type den Originalen das Wasser reichen können: „Dank dem konstanten Drehmoment des Elektromotors halten wir bei der Beschleunigung sicher mit“, erklärt er. Sein Ziel ist es, den Prototypen, mit dem Jaguar den E-Type als Elektroauto wiederbelebt hat, auszustechen. Jeger rechnet mit einer Reichweite von bis zu 350 Kilometern. Jaguar brachte es nur auf 270 und hat die für 2020 geplante Serienproduktion der E-Replika vorerst auf Eis gelegt.
So nahe am Original bleiben wie möglich
Obwohl das Schaltgetriebe beim E-Antrieb nicht mehr nötig wäre, hat man an der Übersetzung nichts verändert. „Wir haben einfach Spaß am Schalten“, sagt Jeger. Überhaupt wollte Triamp so nahe am Original bleiben wie möglich. Unter dem Tankdeckel findet sich statt des Einfüllstutzens eine Steckdose. „Es wäre auch einfacher gegangen, aber wir wollten das so haben“, bemerkt Jeger. Der Innenraum der beiden E-Type ist absolut unverändert und auch die Armaturen sind originalbelassen – zumindest fast. Die Tankanzeige beispielsweise zeigt heute die Batterieladung an, indem das digitale Signal des Bordcomputers in ein analoges umgewandelt wird.
Angesichts der großen Liebe zum Detail erstaunt es nicht, dass das Tüftlertrio von Triamp pro Kopf bereits über 700 Arbeitsstunden in das Projekt investiert hat. Auf der Seite von Ray-Cut waren es gut zwei Wochen. Geschnitten wurden die Teile auf einer Bystar Fiber mit 10 Kilowatt. Die Maschine verfügt bereits über den Schneidkopf der kommenden Generation. „Unsere Feldversuche helfen Bystronic, den Faserlaser weiterzuentwickeln“, verrät Sven Heukeroth, der früher selbst als Servicetechniker für Bystronic im Einsatz war. Seit der Gründung von Ray-Cut vor über 30 Jahren setzt er auf „die Roten“ aus Niederönz, darunter auch ein Oldtimer: eine Byflex BTL Baujahr 1994.
„92.000 Stunden hat die Maschine bereits auf dem Buckel und sie läuft so zuverlässig wie am ersten Tag“, sagt der Produktionsleiter. Heukeroth schätzt die alte Dame für ihre Vielseitigkeit – neben Flachblechen kann die Maschine auch Rohre schneiden.
Stand: 08.12.2025
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Auch beim Abkanten setzt Ray-Cut auf die Hausmarke. Gebogen wurden die Batteriekisten und die Aufhängungsteile für die E-Oldtimer auf einer Xpert 150. Das 12-köpfige Team beherrscht die ganze Palette der Metallbearbeitung – vom Schneiden und Biegen über das Schweißen und Trovalieren bis hin zu Gewindeschneiden und Oberflächenbehandlung.
Wir verstehen uns als Komplettfertiger. Wir machen alles Mögliche und springen oft sehr kurzfristig ein.
Sven Heukeroth, Geschäftsführer Ray-Cut
Unter anderem hat Ray-Cut bereits Komponenten für Medizintechnik, Teile für Lokomotiven und Elemente für Tunnelbauten gefertigt. Für Privatkunden produziert man zudem Einzelanfertigungen im schicken Industriedesign wie Tische, Regale oder Lampen.
Neben dem eigenen Fertigungs-Know-how brachte Ray-Cut auch einen wichtigen Partner ins Projekt ein: IPS Integrated Power Solutions, ein Unternehmen aus Brügg bei Biel, das Batteriepakete für Gabelstapler, Logistikfahrzeuge und Putzroboter produziert. Mithilfe der E-Mobilitäts-Profis konnte man die Bauweise der Batteriekisten weiter optimieren.
„Dadurch waren zwar zwei Wochen meiner CAD-Programmierarbeit dahin, aber allein wären wir niemals so weit gekommen“, sagt Jeger. Sein Vater pflichtet ihm bei. Felix Stoffel, der als Jetpilot bei der Schweizer Luftwaffe arbeitet, hat vor einigen Jahren bereits in Eigenregie eine Harley restauriert. „Wenn man bastelt, stößt man immer wieder auf neue Probleme“, weiß er. „Und das war das Tolle an dieser Zusammenarbeit. Gemeinsam haben wir für jedes Problem die optimale Lösung gefunden.“
* Ralph Hofbauer ist redaktioneller Mitarbeiter der Agentur sda awp multimedia in 8005 Zürich (Schweiz). Weitere Informationen: Bystronic Laser AG in 3362 Niederönz (Schweiz), Tel. + 41 62 9563333, info.laser@bystronic.com