Logistik Vom Leitstand gesteuert

Redakteur: Güney Dr.S.

Fahrerlose Transportfahrzeuge mit freier Navigation dienen als Sammler bei der Gewürzherstellung.

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Fahrerlose Transportfahrzeuge mit freier Navigation dienen als Sammler bei der GewürzherstellungFahrerlose Transportfahrzeuge sind schon zu vielen Arbeiten herangezogen worden. Dass sie auch als Sammler von Rohstoffen bei der Herstellung von Gewürzmischungen einsetzbar sind, zeigt eine hochmoderne Anlage in einem Technologiekomplex in Österreich. Im Tiroler Kirchbichl hat die Moguntia-Firmengruppe mit der Haya GmbH Lebensmittelerzeugung auf einer Fläche von 12 000 m2 das modernste Gewürzwerk Europas mit einer Produktionskapazität von 18 000 t pro Jahr in Betrieb genommen. Alle Produktionsabläufe sind automatisiert. Moderne ISO- und HACCP-Konzepte wurden integriert. Neueste Mahl-, Misch- und Konfektionierungstechnik gehört zur Ausstattung. Durch ein spezielles Verfahren lassen sich die Gewürze keimreduziert herstellen. Das Werk im Herzen Europas beliefert mit seinen hochwertigen Produkten sowohl angestammte Märkte im Inland als auch die Exportmärkte der Welt. Der gesamte Betriebsablauf wurde unter dem Aspekt der größtmöglichen Hygiene konzipiert. Damit ist ein Produktfluss von der „schwarzen“ in die „weiße Zone“ sichergestellt, der es ermöglicht, in jedem Bereich entsprechende Hygieneschritte zu realisieren. Die aus den Ursprungsländern angelieferten Rohstoffe gelangen nach der Qualitätskontrolle zunächst in ein automatisches Hochregallager für Paletten. Danach werden die einzelnen Rohwaren über Leitungen zu den Innensilos gefördert. Der eigentliche Mischvorgang ist eine technische Neuheit: Musste man bei herkömmlicher Technik nach jedem Mischvorgang den gesamten Mischer reinigen, so benutzt man in Kirchbichl so genannte Chargen-Container in zwei verschiedenen Größen. Mit ihnen erfolgt das Sammeln, Wiegen und Mischen. Jeder Container ist ein geschlossenes System mit automatischem Deckelhandling. Ohne weiteres Umfüllen gelangt die Ware nach dem Vermengen der Komponenten zur automatischen Abfüllanlage. Anschließend kommt der Container in die Reinigung. Transportiert werden die Container von fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) von MLR. Sie nehmen die Container von einer stationären Fördertechnik auf und bringen sie zu den einzelnen der insgesamt 90 Siloaustragsstationen. Die Abfüllstutzen mit den automatisch dosierenden Schnecken an jedem einzelnen Silo liegen alle auf einer Höhenkote. Die Fahrzeuge sind mit einem 3,20 m hohen Hubmast, der bis auf 3,57 m ausfahrbar ist, und mit einer patentierten Deckelöffnereinheit für die Container ausgerüstet. Das fahrerlose Transportfahrzeug dockt mit dem Chargen-Container an ein Silo an und übernimmt die in der Rezeptur hinterlegte Menge des Rohstoffs direkt in den Container. Die zugeführte Menge wird während der Befüllung automatisch gewogen. Dazu befinden sich Wiegezellen und Auswerteeinheiten am Hubgerüst eines jeden Fahrzeugs. Auswertung und Kommunikation erfolgen über separate Prozessleittechnik und werden per Funk übertragen. Sobald die Sammlung abgeschlossen ist, wird der Container über eine Fördertechnik der Mischanlage zugeführt. Nach dem Mischen und dem Entleeren über die Abfüllstationen sowie dem nachfolgenden Reinigungsvorgang wird der Container wieder in den Prozess eingeschleust. Die Fertigware gelangt zunächst in ein Hochregallager, um später kommissioniert und ausgeliefert zu werden. Die mit Magnetnavigation ausgestatteten, also freifahrenden Fahrzeuge steuert ein Logos-Leitstand auf PC-Basis, ebenfalls von MLR. Der Leitstand für das fahrerlose Transportsystem erhält die einzelnen Transportaufträge für die Befüllung der Container, die als Komponierfahrten bezeichnet werden, von einem übergeordneten Host. Zwischen dem Leitstand und dem Host ist eine Oracle-Datenbank integriert. Die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Leitstand erfolgt über Funk, der Datentransfer mit den Belegtmeldern der Pufferstation und der Zugangsabsicherung zur Abfüllanlage geschieht über Interbus-S. Die Abfüllanlage, in der die Fahrzeuge arbeiten, ist mit einem Zaun gegen unbefugten Zutritt gesichert. Nach Anmeldung mit einem Schlüsselschalter werden die Türen von der Steuerung des fahrerlosen Transportsystems erst freigegeben, wenn die Fahrzeuge stehen. Das gesamte fahrerlose Transportsystem ist visualisiert. Layout, Fahrzeugpositionen und Statusmeldungen werden am Leitstand angezeigt und grafisch dargestellt. Der Anlagenzustand wird zusätzlich an den übergeordneten Host übermittelt. Wegen der Bauhöhe der vier Fahrzeuge mit ihren Sonderhubgerüsten war es nötig, einen speziellen Schräghub-Lkw mit absenkbarem Sattelaufleger einzusetzen, der die Geräte von Ludwigsburg nach Kirchbichl brachte. Auf diese Weise waren weder vor noch nach dem Transport Montagearbeiten an den fahrerlosen Transportfahrzeugen durchzuführen, und die in den Hausfarben von Moguntia Grün und Gelb lackierten Fahrzeuge kamen einsatzbereit beim Kunden an.

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