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Organisatorische Veränderungen wie die Ausgliederung von betrieblichen Funktionen hält Prof. König für bedeutender als die Einführung von Neuheiten wie die Zeichenmaschine und das Steilbrett. Bei der technischen Ausstattung der um 1870 eingeführten Konstruktionsbüros gab es nach Prof. Königs Studien zwei Phasen. Bis zum 1. Weltkrieg dominierten Zeichentische, auf denen Zeichnungen oft noch coloriert wurden – auch um Werkstoffe zu kennzeichnen und für Patente oder Angebote.
Gegen 1930 war die Trennung von Konstruktion und Fertigung und die Umstellung auf Steilbretter mit Zeichenmaschinen sowie auf die bemaßte Zeichnung abgeschlossen. Prototypisch wurden nun große, gut beleuchtete Konstruktionssäle, in denen meistens Männer in weißen Mänteln in langen Reihen hintereinander an Steilbretten standen – in den USA nicht selten bis 100 Mann.
CAD sollte zu CIM führen und kam zunächst auf die Cebit
Der um 1930 erreichte technische Standard blieb bis in die 80er-Jahre – rund 50 Jahre lang. Dann waren die Anzeichen für einen weiteren Umbruch unübersehbar geworden. In der Halle 1 der Hannover-Messe, dem einstigen Centrum für Büro- und Informationstechnik, Cebit, wo die Hersteller der klassischen Zeichentechnik seit Langem ausstellten, verkehrten – wie der „MaschinenMarkt“ berichtete – auf einmal hauptsächlich „Elektroniker“ und gingen an der Zeichentechnik vorbei.
Unternehmen wie Kuhlmann und Nestler waren zwar schon auf dem Weg zu CAD – Computer Aided Design – und stellten Zeichenbretter mit digitalisierten Funktionen und eigene Zeichenprogramme vor, aber sie kamen auf den neuen Kontinent nicht hinüber. Kuhlmann gab die Zeichensparte auf. Nestler verschwand mitsamt seinem Zeichenbrett des Typs „Ingenieur“. Riefler – der Pionier für Reißzeug – stieg auf CAD-Möbel um. Professionelle Zeichenbretter gibt es noch bei Schmidt & Haensch – und im Gebrauchtwarenhandel.
Allerdings war damals die gesamte Fachwelt unsicher im Umgang mit CAD. Man konnte aber mit guten Gründen annehmen, dass es um mehr als um elektronisches Zeichnen gehen würde. CAD/CAM – 1985 erstmals Ausstellungsschwerpunkt auf der Hannover-Messe – sollte zu CIM führen, zu Computer Integrated Manufacturing. Aus damaliger Sicht war das ein Computerthema. Deshalb wurde es auf der ab 1986 eigenständigen Cebit präsentiert. Als die CIM-Euphorie im Abklingen war, versammelten sich die CAD-Anbieter ab 1990 im „Zentrum der C-Techniken“. Das war – wie es damals hieß – „CIM ohne Illusionen“.
Inzwischen ist CAD fast so unsichtbar wie die klassische Zeichentechnik
Weil die C-Techniken aber doch zur Fertigung tendierten, wechselten sie schließlich auf die Hannover-Messe in den 2004 eröffneten Ausstellungsbereich „Digital Factory“. Das Kürzel CAD erschien da kaum noch. Es war aus der vorderen Linie im Technologiemarketing zurückgenommen und von später kreierten Labels abgelöst worden und bezeichnete nur noch eines von vielen computergestützten Werkzeugen. CAD wurde nun fast so unsichtbar wie die in den Unternehmen wirklich verschwundene Zeichentechnik. Auch in der Messe CAT spiegelt sich das Kürzel nicht mehr wider – sie ist in der AMB aufgegangen.
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