Spanende Fertigung Vorbeugen ist besser als Heilen

Autor / Redakteur: Jürgen Geke und Wolfgang Pittermann / Bernhard Kuttkat

Hautverträglichkeit von wassermischbaren Kühlschmierstoffen. Die bedeutendste Produktgruppe unter den Arbeitsmedien sind die Kühlschmierstoffe (KSS), die außer ihrer eigentlichen Aufgabe eine...

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Die bedeutendste Produktgruppe unter den Arbeitsmedien sind die Kühlschmierstoffe (KSS), die außer ihrer eigentlichen Aufgabe eine Vielzahl von Sekundäranforderungen erfüllen. Für wassermischbare Kühlschmierstoffe sind das: - Mischbarkeit mit dem Ansetzwasser verschiedener Qualität und Wasserhärte, - Stabilität, - Korrosionsschutz und geringe Schaumbildung, - keine Aggressivität gegenüber Nichtmetallen, - Kompatibilität mit den vorausgehenden und nachfolgenden Prozessschritten, - Umweltverträglichkeit sowie - Verträglichkeit für Haut und Atmungstrakt.Zur Erfüllung aller Anforderungen enthalten Kühlschmiermittel neben den Grundstoffen (Mineralöle und native Öle, synthetische Ester) eine Vielzahl von Additiven, die zum Teil – zumindest isoliert betrachtet – ein hautschädigendes Potenzial aufweisen können. Charakteristische Komponenten und deren mögliches Gefährdungspotenzial sind in Tabelle 1 aufgelistet. Durch den wiederholten Kontakt mit Prozesschemikalien wie mit Kühlschmierstoffen, kann es deshalb zu berufsbedingten Erkrankungen der Haut kommen. In Tabelle 2 sind die häufigsten Gefährdungen mit nicht wassermischbaren und wassermischbaren Kühlschmierstoffen aufgeführt. Den Hauptanteil stellt die primäre irritierende Kontaktdermatitis (Hautirritation), die häufig mit fortschreitender Entfettung und Störung der Hautbarrierefunktion beginnt. Es folgen die Gefährdungen durch die allergische Kontaktdermatitis (Sensibilisierung) und Akne. Je nach Erhebung schwanken die Angaben für die irritative Kontaktdermatitis zwischen 50 und 80%. Alle anderen Diagnosen sind dagegen von untergeordneter Bedeutung. Betroffen sind in Abhängigkeit von der Tätigkeit meistens Zwischenfingerräume, Handrücken und Unterarme, weniger häufig die Innenflächen (Greifflächen) der Hände. Nach Angaben der Berufsgenossenschaften waren innerhalb des Berufsabschnitts Metallerzeuger und -bearbeiter mit 24 Berufsgruppen, bei Drehern und Metallschleifern der Anteil der Hauterkrankungen am Gesamtaufkommen höher als im Durchschnitt aller gewerblichen Berufsgruppen. Bei jedem dieser Fälle stellt sich die Frage der Vorbeugung und Vermeidung. Die Bereitstellung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) richtet sich nach dem Kühlschmierstoff sowie technischen und organisatorischen Maßnahmen am Arbeitsplatz. Weil häufig der Einsatz von Handschuhen aus Arbeitssicherheitsgründen nicht erlaubt ist, bleiben Hautschutzprodukte als die persönliche Schutzausrüstung der Wahl. Treten nun im Betrieb Beschwerden auf, so wird zunächst die Frage nach der Hautverträglichkeit des KSS zu stellen sein. Die Verantwortlichen müssen sich vergewissern, ob dem Hautschutzplan entsprechend verfahren wurde und/oder das Schutzpotential der Produkte unter den eigenen betrieblichen Bedingungen ausreichend war.In einem bedeutenden süddeutschen Betrieb für Metallverarbeitung wurden bei zahlreichen Mitarbeitern ungewöhnlich häufig kühlschmierstoffbedingte Hautreaktionen wie Rötungen und Jucken im Hand- und Unterarmbereich, verbunden mit Arbeitsausfällen, beobachtet. Deshalb wurde die aktuelle Hautverträglichkeit des wassermischbaren Kühlschmierstoffes (Wettbewerbsprodukt) sowie die Wirksamkeit des angebotenen Hautschutzprodukts überprüft. Zur Anwendung kam das in-vitro-Modell des perfundiert isolierten Rindereuters (Bovine Udder Skin, BUS-Modell). Die Hautschadwirkung des Kühlschmierstoffes wurde verursacht durch eine hochgradige Zellreizung nach einer Einwirkzeit von einer Stunde sowie einer mit zunehmender Einwirkzeit (5,0 h) fortschreitenden Zellschädigung. Der ungewöhnlich hohe Grad der im natürlichen in-vitro-Hautmodell nachgewiesenen Veränderungen lässt erfahrungsgemäß auf eine Hautschädigung beim Menschen nach wiederholtem, berufsbedingten Kontakt schließen. Die standardisierte Einwirkzeit des Hautschutzproduktes (Herwesan Acqua) von 15 min reicht aus, um nach dem nachfolgenden Kontakt mit dem Kühlschmierstoff die Entwicklung des Merkmals Zellreizung zu hemmen beziehungsweise statistisch signifkant zu reduzieren. Nach einer längeren Einwirkzeit von 5 h wird die Ausbreitung der irreversiblen Zellschädigung tendenziell gehemmt. Die Vorbehandlung (Prävention) mit diesem Hautschutzprodukt führt somit zu einer deutlichen Verminderung der spezifischen Schadwirkung dieses untersuchten, hautgefährdenden Kühlschmierstoffs. Ein Optimum an Hautschutz wird sicherlich dadurch zu erreichen sein, wenn im Betrieb hautverträgliche, sichere Kühlschmiermittel eingesetzt und wirksam Hautschutzpläne implementiert werden.

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