Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Denn der World Uncertainty Index steigt stetig. Da kommt das 4. Innovationsforum Industrie für mehr Resilienz in der Linzer Voestalpine Stahlwelt gerade recht.
Krisen nicht nur überstehen sondern aus ihnen gestärkt herausgehen: Antifragilität ist gerade jetzt auch für Industrieunternehmen ein ernstzunehmendes Konzept.
(Bild: Adobe Stock)
Gefühlt werden Krisen immer komplexer. Hatten wir zu Anfang der 2000er-Jahre mit dem Platzen der New-Economy-Blase noch mit lokal überschaubaren Effekten zu tun, wirken sich die letzten Krisen wie Corona-Pandemie oder Ukraine-Krieg auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Ist es also nicht mehr ausreichend, als Unternehmen eine gewisse Resilienz mit Fokus auf die eigenen Belange zu entwickeln? „Nein, denn wir erleben eine zunehmend vernetzte Bedrohungssituation, die ihre Ursachen in Extremwetterereignissen, Geopolitik, Cyberattacken oder künstlicher Intelligenz hat“, erklärt Torsten Rehder von der Strategie- und Innovationsberatung Trendone. Gleichzeitig verändern sich Vorgehensweisen: Wir waren es gewohnt, Prozesse und Produkte besser, schneller und günstiger zu machen. Jetzt geht es aber darum, neue Prozesse und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das erfordert ein anderes Mindset und eine andere Unternehmenskultur.
Viele Unternehmen stammen aus einer Zeit, in der Planungssicherheit, Fünfjahresziele und lineare Ursache-Wirkung-Modelle die Norm waren. Das sei nun vorbei, so Torsten Rehder. Der Unternehmensberater ist der Überzeugung, dass Unternehmen diesen Störungen nicht nur widerstehen, sondern daran wachsen müssten. Er spricht von einem „Mindset der Multi-Optionalität“. Dabei geht es darum, mehrere realistische Handlungsoptionen gleichzeitig zu entwickeln, situativ zu aktivieren und als laufenden Portfolio Prozess zu verstehen. Es sei nicht verwunderlich, dass vor allem familien- und inhabergeführte Unternehmen gesagt haben, „wir wollen nicht verwalten, sondern gestalten!“ Zukunftsrobustheit heißt eben nicht nur sich verteidigen, sondern auch neu angreifen.
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Auch Alessandro Grizzetti vom Komponentenhersteller SMC beobachtet eine zunehmende Gefahr, gibt sich allerdings gelassen: „SMC hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es sich durch Krisen wie Covid19 oder Naturkatastrophen wie dem Tsunami, von dem unser Werk in Fukushima betroffen war, aktiv weiterentwickelt hat.“ Auf Basis dieser Erfahrungen habe man einen sogenannten Business Continuity Plan aufgebaut, sodass die Lieferfähigkeit auch in außergewöhnlichen Situationen erhalten bleibt. Gemäß der Ankündigung zum Innovationsforum Industrie ist der Manager der Überzeugung, dass SMC nicht nur ein resilientes, sondern auch ein antifragiles Unternehmen sei.
Antifragilität ist für uns quasi ein Synonym für Kaizen. Die Verbindung zwischen Kaizen und Antifragilität ist nachvollziehbar, denn Kaizen fördert ständiges Lernen und Verbesserung, was auch antifragile Systeme stark macht.
Alessandro Grizzetti
Resilienz-Booster Digitalisierung
Digitalisierung hat sich als Grundvoraussetzung etabliert, um Ansätze für Robustheit mit Wachstumsstrategien zu verbinden. „KI erhöht inzwischen nachweislich die Produktivität quer über alle Funktionen hinweg und generative KI erweitert dabei das Spektrum der Wissensarbeit“, stimmt Torsten Rehder zu. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen. Ratingagenturen etwa beginnen bereits, die digitale Infrastruktur eines Unternehmens als finanziellen Risikofaktor zu bewerten. Hilft der derzeit viel diskutierte digitale Zwilling, gerade im Kontext der Smart Factory, dabei, Resilienz und mehr Nachhaltigkeit zu fördern? „Der digitale Zwilling einer Smart Factory ist ein datenbasiertes, virtuelles Abbild der realen Produktionsanlage, das auf standardisierten Datenmodellen basiert. Dadurch kann das Management mithilfe geeigneter Tools, quasi in Echtzeit, datengetriebene Entscheidungen treffen und so die Produktion effizienter und flexibler steuern“, erklärt der SMC-Manager und bejaht damit die Frage.
Wie weit aber ist der Ansatz von SMC weg von dem einer autonom arbeitenden Fabrik? „Der Mensch bleibt als zentrale Orchestrator auch weiterhin erhalten und trifft die übergeordneten Entscheidungen“, hält Alessandro Grizzetti den Ball flach und verweist bei dem Tête-à-Tête zwischen Mensch und Maschine auf das Ziel, insbesondere die Flexibilität und Effizienz zu gewährleisten, nicht den Menschen vor die Tür zu setzen.
Innovationsforum Industrie 2025
Das Innovationsforum Industrie findet am 23. September 2025 in der Voestalpine Stahlwelt in Linz unter dem Thema „Antifragile Industrie – Die Zukunft der industriellen Fertigung in Österreich“ statt. Die Veranstaltung richtet sich an Innovations- und Transformationsverantwortliche, Leiter:innen F&E, Strategie, Produktion, Unternehmer:innen und Geschäftsführer:innen
Was das Forum ausmacht:
Keynotes von Torsten Rehder (Trendone), Alessandro Grizzetti (SMC) und weiteren Industrie- und Forschungsexpert:innen;
Ergebnisse des EU-Projekts SMERF;
Praxis pur aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie Toyota, Keba, Pöttinger, Berndorf Band, Fronius, Boehlerit, FH OÖ, SCCH;
Welche konkrete Erfahrungen gibt es beim Einsatz des digitalen Zwillings bei SMC? „Wir sind dabei, alle unsere Komponenten – mehr als 700.000 – mit einem standardisierten digitalen Zwilling auf Basis der Asset Adminstration Shell (AAS) auszustatten“, sagt der Manager und verweist auf die Rolle von SMC als strategischer Partner für seine Kunden. Denn der digitale Zwilling einer gesamten Maschine oder Anlage benötigt das so wichtige Domänenwissen über Komponenten, um echte Mehrwerte zu schaffen.
Stand: 08.12.2025
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Allerdings ist der Initialaufwand für die Digitalisierung, etwa für die Erstellung der demnächst verpflichtenden digitalen Produktpässe, nicht unerheblich. Was rät Alessandro Grizzetti Betriebe, die noch nicht so weit wie SMC bei ihrer Digital Journey sind, damit der Nutzen die Kosten übersteigt (Stichwort: „Business Case“)? „Der digitale Produktpass mag zunächst eine Hürde darstellen, entfaltet jedoch enormes Potenzial. Durch konsistente Daten ermöglicht er eine nahtlose Kommunikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette und stärkt den Aufbau vertrauenswürdiger Datenräume.“
Wenig Schützenhilfe aus der Politik
Im politischen Diskurs hat man derzeit das Gefühl, dass die Zukunft der Wirtschaft nur ohne mehr Nachhaltigkeit möglich sei. Doch Torsten Rehder schüttelt nur den Kopf: „Ich halte dieses ‚Entweder oder’ für eine Scheindebatte. Denn es ist viel unwirtschaftlicher, die Ressourcen immer wieder neu einzukaufen und zu produzieren, anstatt sie wiederzuverwenden und sich dadurch souveräner von geopolitischen Volatilitäten zu machen.“ Er vertritt die Ansicht, dass Energie und Ressourceneffizienz Synonyme für Kostensenkung und Risikoreduktion seien. „Eines der Grundprinzipien der Wirtschaft lautet: Wenn der Wettbewerb fair ist und keine externen Verzerrungen vorliegen, setzt sich langfristig die bessere Lösung durch. Die zentrale Frage ist daher nicht, ob sich Produktivität, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit gleichzeitig realisieren lassen, sondern wie die Politik die Rahmenbedingungen gestaltet“, fügt Alessandro Grizzetti hinzu.
Als Hebel der Umsetzung von Resilienz und Antifragilität nennt Torsten Rehder die folgenden: Vorausschau statt Prognose (Zukunft nicht vorhersagen wollen, sondern auf verschiedene Trends vorbereitet sein); Strategie als Portfolio (unterschiedliche Wege parallel mit klaren Optionslogiken denken); Cross-Industry-Netzwerke und Partnerschaften aufbauen; digitale Souveränität und KI Masterplan entwickeln.
Antifragile Industrie
Katharina Zauner, Projektleiterin der Succus GmbH Wirtschaftsforen, ist sich sicher: Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten und disruptiver Technologien zeigt sich, dass die Fähigkeit zur Anpassung und Weiterentwicklung entscheidend ist. Antifragile Unternehmen nutzen Risiken und Störungen nicht nur, um sie zu überstehen, sondern um daraus gestärkt hervorzugehen. Deshalb treffen sich Innovationsbegeisterte aus der Industrie zum 4. Innovationsforum Industrie in Linz. Unter dem Motto „Antifragile Industrie“ diskutieren Vortragende aus Unternehmen, Forschung und Technologie, wie industrielle Fertigung widerstandsfähiger und zukunftsrobuster gestaltet werden kann.
Das Tagesprogramm wird von zwei hochkarätigen Sprechern eröffnet: Torsten Rehder (Trendone) und Alessandro Grizzetti (SMC Schweiz). Rehder zeigt, wie kulturelle, organisatorische und technologische Elemente zusammenspielen, damit Organisationen an Herausforderungen wachsen können. Grizzetti erläutert, wie digitale Zwillinge und KI erstmals die gleichzeitige Optimierung von Produktivität, Cash Flow und Nachhaltigkeit in Smart Factories ermöglichen – und damit klassische Zielkonflikte industrieller Fertigung auflösen.
Das Jahresforum für industrielle Innovation zeigt auch zahlreiche Beiträge aus der Praxis – von Open Innovation über nachhaltige Produktionsmethoden bis hin zu KI-gestützten Fertigungsökosystemen. Ergänzt wird das Programm durch Ergebnisse des EU-Projekts SMERF, das mittelständische Industrieunternehmen bei ihrer Transformation unterstützt.
Zielgruppe des Forums sind Innovations- und Transformationsverantwortliche sowie Führungskräfte aus F&E, Produktion, Strategie und Business Development. Neben Vorträgen, Diskussionen und interaktiven Sessions stehen Dialoge und der Austausch auf Augenhöhe in der Networkingzone im Vordergrund.