Motion & Drives auf der Hannover Messe Warum die Hannover Messe 2025 kein „Klassentreffen“ ist

Von Stefanie Michel 4 min Lesedauer

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Der deutschen Industrie geht es gerade schlecht. Keine gute Ausgangssituation für die Hannover Messe 2025, oder? Vertreter der Antriebs- und Fluidtechnik sagen aber: gerade jetzt! Denn jetzt müsse man die Impulse für die Zukunft setzen – technisch und politisch.

Presseroundtable zur Hannover Messe: Andreas Evertz (Flender), Michael Knobloch (Hawe Hydraulik), Ansgar Kriwet (Festo), Hartmut Rauen, (VDMA), Mark Krieg (Bosch Rexroth), Jörg Hermes (SEW-Eurodrive), Michael Pausch (Schaeffler Technologies) und Jochen Köckler (Deutschen Messe) (v.l.) (Bild:  Rainer Jensen/Deutsche Messe)
Presseroundtable zur Hannover Messe: Andreas Evertz (Flender), Michael Knobloch (Hawe Hydraulik), Ansgar Kriwet (Festo), Hartmut Rauen, (VDMA), Mark Krieg (Bosch Rexroth), Jörg Hermes (SEW-Eurodrive), Michael Pausch (Schaeffler Technologies) und Jochen Köckler (Deutschen Messe) (v.l.)
(Bild: Rainer Jensen/Deutsche Messe)

So politisch wie in diesem Jahr scheint eine Hannover Messe lange nicht gewesen zu sein: Die geopolitischen Spannungen wirken sich auf den Welthandel aus, die Weltwirtschaft schwächelt und Deutschland steckt in einer Rezession. Gleichzeitig komme gerade neue Politiker ans Ruder, was die Ausrichtung der bisherigen Politik ungewiss macht.

Mit dieser Ausgangssituation sei die Hannover Messe wichtiger denn je, so die Deutsche Messe als auch der VDMA, denn hier finde politisches Agendasetting statt. Wie Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG, betont, sei die Hannover Messe kein „Klassentreffen“, wie bei einer Branchenmesse. „Angesichts der globalen Rahmenbedingungen kommt ihr in diesem Jahr eine besondere Rolle zu, denn hier werden die globalen Weichen für die Industrieproduktion von morgen gestellt.“ Wer sie allerdings tatsächlich stellt, bleibt noch offen: Ob Bundeskanzler Olaf Scholz nach der Bundestagswahl noch die Richtlinien der deutschen Politik bestimmt sei dahin gestellt. Der Premier des diesjährigen Gastlandes der Hannover Messe, Justin Trudeau, hat seinen Rücktritt schon verkündet und führt die Amtsgeschäfte nur noch bis zu den nächsten Wahlen weiter.

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Unverzichtbare Antriebs- und Fluidtechnik

Eine große Herausforderung für die Organisatoren der Hannover Messe, doch inhaltlich soll sie wieder Schlüsseltechnologien präsentieren – ganz vorne dabei die Antriebs- und Fluidtechnik. Wie in den ungeraden Jahren üblich, bildet der Bereich „Motion & Drives“ einen der größten Schwerpunkte. „In den Bereichen Automatisierung, Digitalisierung und internationale Zusammenarbeit bieten wir eine zentrale Bühne, auf der die Unternehmen der Antriebs- und Fluidtechnik ihre Konzepte präsentieren und entscheidende Impulse für eine resiliente Industrie setzen“, so Köckler. Die Aussteller, darunter auch Atos, Baumüller, Bosch Rexroth, Cantoni, Festo, Flender, Hawe, IMM Hydraulik, SEW und Schaeffler, findet man in den Hallen 4 bis 6. Hinzu kommen die Sonderschau Fluidpower 4.0 sowie Vorträge auf der Motion & Drives Stage.

Die Antriebs- und Fluidtechnik ist so wichtig wie eh und je für die Industrie – oder sogar noch mehr. „Komponenten der Antriebs- und Fluidtechnik sind maßgebliche Bausteine der Maschinen. Bisher lieferten sie Kraft und Bewegung. Jetzt sind die Komponenten auch intelligent und dienen als Datenquelle. Damit werden sie immer mehr zu Schlüsselelementen“, betont Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer und verantwortlich für die Antriebs- und Fluidtechnik im VDMA.

Konjunkturausblick

Ralph Wiechers sieht ein „Auf“ ohne „Schwung“

Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim VDMA, klingt wenig hoffnungsvoll: Die Wirtschaftsproduktion ist weltweit schwach, die Industrieländer sind fast alle im Minus und es scheint auch nicht viel besser zu werden. Während der EU-Durchschnitt bei -6,6 Prozent liegt, schneidet Deutschland mit -8 Prozent allerdings deutlich schlechter ab.
Für 2025 rechnet der VDMA mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von nur 3 Prozent. In Deutschland wird im ersten Quartal wohl die Talsohle erreicht sein und danach wieder langsam aufwärts gehen. Dieses „Auf“ ohne „Schwung“, wie Wiechers es nennt, sorgt trotzdem nur für -2 Prozent. Deshalb klingt auch er voller Zuversicht, wenn es um die Hannover Messe geht: „Wir sind in einer Transformation und die braucht Innovation und Effizienz – die Themen der Messe!“

Investitionszurückhaltung spürbar

Doch auch diese Branche ist vom Umsatz- und Auftragsrückgang nicht verschont: Für 2024 erwartet der VDMA in diesem Bereich 8 Prozent weniger Umsatz. Wiechers erwartet, dass Bereiche der Antriebstechnik vom Trend zur Automatisierung profitieren und die Verluste etwas ausgleichen können. In der Fluidtechnik ist man ebenfalls nicht optimistisch, glaubt jedoch, dass es besser werden wird – laut Wiechers kann es allerdings irgendwann nur noch besser werden.

Insgesamt also ein ebenso verhaltenes Bild wie für den gesamten Maschinenbau. Die Industrie steht unter anhaltendem Kosten- und Wettbewerbsdruck und Investitionszurückhaltung – bedingt durch globale Unsicherheiten sowie schwierige politische Rahmenbedingungen in Deutschland, der EU und der Welt. Auch das Wachstum im Exportmarkt China, der für die Antriebs- und Fluidtechnik eine wichtige Rolle spielt, zeigt keine Impulse. Deshalb erwartet der VDMA in diesen Branchen auch für 2025 eine Umsatzprognose von lediglich -1 Prozent.

Politische Rahmenbedingungen neu setzen

Deshalb sei es laut VDMA umso wichtiger, dass die Hannover Messe 2025 als Plattform dient, um der Welt die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Antriebs- und Fluidtechnik zu demonstrieren. Sie ist aber auch eine Gelegenheit, um politische Forderungen an die richtigen Personen zu adressieren. Und solche Forderungen gibt es viele – sowohl auf Seiten des Verbands als auch auf Herstellerseite.

Flender-CEO Andreas Evertz wird sehr deutlich: „Die Hannover Messe kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt. Der größte Fehler ist es, den Kopf in den Sand zu stecken! Denn hier haben wir die Möglichkeit, Politiker – auch aus anderen Ländern – und Verbände sowie Kunden zu treffen.“ Er sieht die Produktion in Deutschland gefährdet und erwartet Veränderungen von der Politik, aber auch Innovationen und Strategien von Unternehmen, um Kosten zu reduzieren und Time-to-Market anpassen.

Der Abbau von Bürokratie ist eine der zentralen Forderungen an die Politik. Doch die Unternehmen fordern auch eine Senkung der Energiepreise und Veränderungen bei den Arbeitszeiten und Lohnnebenkosten. Auch der VDMA unterstützt das. „Wir benötigen bessere Rahmenbedingungen ebenso wie Freihandelsabkommen und Impulse im Innovationsbereich. Die Forschungszulage ist ein guter Ansatz und wir setzen zudem auf den Ausbau der industriellen Gemeinschaftsforschung“, so Rauen.

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