Workwear Was Arbeitskleidung nachhaltig macht

Das Gespräch führte Victoria Schacht 3 min Lesedauer

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Vor dem Hintergrund von Lieferkettengesetz und neuen EU-Vorgaben zur CSR-Berichterstattung wächst das Interesse an den Nachhaltigkeitsbestrebungen von Unternehmen. Dass auch die Arbeitskleidung der Teams in den Produktionshallen einen Beitrag dazu leisten kann, erläutert Silvia Mertens, Leiterin Produktmanagement bei Textil-Dienstleister Mewa.

Nachhaltiges Geschäftsmodell: Berufskleidung im Textil-Service bleibt lange funktionsfähig.(Bild:  Mewa)
Nachhaltiges Geschäftsmodell: Berufskleidung im Textil-Service bleibt lange funktionsfähig.
(Bild: Mewa)

Was ist für Sie nachhaltige Arbeitskleidung?

Silvia Mertens: Nun, Arbeitskleidung kann ganz unterschiedlich nachhaltig sein. Zunächst müssen wir festhalten, dass es einen geschlossenen Stoffkreislauf für Bekleidung so gut wie nicht gibt. Sprich, aus einer alten Hose wird nur sehr selten eine neue Hose. Das gilt für Privatkleidung ebenso wie für Berufskleidung. Begrenzend sind hier mehrere Faktoren, unter anderem, dass die meisten aktuellen Textilien aus Mischgeweben bestehen. Denn nur so erreichen sie bestimmte Funktionseigenschaften. Nachhaltigkeit ist deshalb in erster Linie Langlebigkeit. Je länger ein Textil genutzt wird, desto mehr reduzieren sich – im Verhältnis gesehen – Ressourcenverbrauch und Emissionen. Rund 90 Prozent davon entfallen nämlich auf die Herstellung der Gewebe.

Damit beginnt Nachhaltigkeit schon bei der Produktion …

Auf jeden Fall. Es muss der gesamte Prozess betrachtet werden – von der Herstellung, über die Pflege bis zum Lebensende des Textils. Die Herstellung ist ressourcenintensiv und bestimmt außerdem maßgeblich die Langlebigkeit eines Produktes. Eine Arbeitskleidung aus hochwertigen Komponenten, gut verarbeitet und reparaturfähig, ist deutlich langlebiger und damit nachhaltiger als das, was wir als ‚Fast Fashion‘ kennen. Mewa beispielsweise testet alle Materialien intensiv auf ihre technischen Eigenschaften, bevor sie zum Einsatz kommen. Für jede Kollektion gibt es Reparatursets, um Verschleißteile wie Bündchen oder Taschen ersetzen zu können. Risse werden professionell repariert. Da unterscheiden sich textile Mehrwegsysteme ganz grundsätzlich von Kauftextilien, die oftmals nicht auf Langlebigkeit ausgelegt sind.

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Welchen Einfluss hat ein Service auf die Nachhaltigkeit von Berufskleidung?

Ein Dienstleister geht schon allein durch sein Geschäftsmodell anders an die Entwicklung und Produktion von Kleidung heran als ein Hersteller von Kaufkleidung: Die Kleidung soll möglichst lange funktionsfähig bleiben und gut aussehen. Erst dann ist das Geschäftsmodell „Textil-Service“ rentabel. Das heißt, die Kleidung muss möglichst lange im Kreislauf verbleiben. Das ist gut für den Anbieter, gut für den Kunden und gut für die Umwelt. Darüber hinaus spart auch die Bündelung von Wasch- und Pflegeprozessen Ressourcen. Wenn die Pflege der Berufskleidung nicht von der Belegschaft, sondern von einem Textil-Service übernommen wird, kann sich die damit verbundene Umweltbelastung um bis zu 85 Prozent reduzieren. Wir arbeiten frischwasserreduziert und nutzen Wärmerückgewinnungssysteme und Sekundärbrennstoffe, um den Einsatz fossiler Energie zu reduzieren. Und es gibt erste Maßnahmen für eine klimaoptimierte Mobilität und Distribution.

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind oft in der öffentlichen Diskussion. Wie behandelt Mewa die sozialen Aspekte von Nachhaltigkeit?

Anfragen nach Sozialstandards und unseren Lieferketten kommen natürlich von unseren Kunden. Die Beschaffungssituation bei Berufskleidung ist allerdings anders als in der Mode: Unsere Kollektionen werden größtenteils in eigener Produktentwicklung in Wiesbaden konzipiert und unsere Konfektionäre sind in Deutschland oder der EU angesiedelt. Sie fertigen in Europa und Nordafrika. Gefärbt werden Gewebe aber in Asien, das gilt für die Hightech-Gewebe der Berufskleidung ebenso wie für die modischen Stoffe der Fashion-Artikel. Daher verpflichtet sich jedes Unternehmen unserer Supply Chain zur Einhaltung eines Code of Conduct. Das wird von uns regelmäßig geprüft. Außerdem achten wir auf entsprechende Zertifizierungen unserer Partner. Insofern haben wir einen umfassenderen Blick auf alle Ebenen der Lieferkette.

Nachhaltigkeit hat auch ihren Preis. Gehen Kunden da bereitwillig mit?

Hier lohnt es sich zu schauen, an welcher Stelle Kosten entstehen. Kleidung, die zu fairen Arbeitsbedingungen und umweltschonend produziert wurde, ist im Marktvergleich wahrscheinlich immer etwas teurer in der Anschaffung. Unser Service wiederum spart Kosten für die Neubeschaffung von Betriebstextilien bei Verschleiß – sei es für Arbeitskleidung oder für Mehrweg-Maschinenputztücher - und für deren Lagerung, wovon auch unsere Kunden profitieren. Auf Kundenseite entfallen zudem eine Menge Organisationsaufgaben. Und nicht zuletzt ist Nachhaltigkeit für viele Beschäftigte heute schon ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Mit der Entscheidung für einen nachhaltigen Textil-Service investieren Betriebe also auch in ihre Attraktivität im Wettbewerb um den Nachwuchs.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ergänzendes zum Thema

Nachhaltigkeit bedeutet im Kontext Arbeitskleidung in erster Linie Langlebigkeit. Je länger ein Textil genutzt wird, desto mehr reduzieren sich Ressourcenverbrauch und Emissionen.

Wenn die Pflege von Berufskleidung vor dem Hintergrund von Langlebigkeit nicht vom Unternehmen, sondern von einem spezialisierten Textil-Service übernommen wird, wird die Kleidung möglichst lange im Kreislauf gehalten.

So spart dann auch die Bündelung von Wasch- und Pflegeprozessen Ressourcen.

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