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Eines der Unternehmen, das sich auch heute zur fraktalen Organisation bekennt, ist die Hönigsberg & Düvel International Group. Das im IT-Bereich angesiedelte Unternehmen wuchs in den letzten Jahren von 60 auf über 1200 Mitarbeiter, indem es sehr viel Wert auf das Thema Selbstverantwortung legte und damit die Möglichkeit zur Entscheidung sehr rasch delegierte. Auch andere erfolgreiche und schnell wachsende Unternehmen wie der Systemgastronom Vapiano und die auf das Bevorratungsmanagement spezialisierte Würth Industrie Service (ein Tochterunternehmen der Würth AG) wenden diese Führungsprinzipien an.
Die Natur zeigt erfolgreiche Spezialisierung
Ein anderes Phänomen aus der Natur ist die Fähigkeit zur Anpassung und Spezialisierung, um die eigene Überlebensfähigkeit zu sichern. Diese ist beispielweise beim Chamäleon und beim Ameisenbär auf eine sehr ausgeprägte Art und Weise zu beobachten. Beide haben sich in Kenntnis ihrer Umgebung perfektioniert: das Chamäleon, um selbst nicht so leicht zum Opfer zu werden, und der Ameisenbär, um sich in einer speziellen Nische als Nummer eins gebärden zu können.
Die gleiche Strategie zur Überlebenssicherung findet sich in der Unternehmensführung von Tchibo. Das Unternehmen mutiert seit Jahren. Ursprünglich ein Kaffeebohnenanbieter eröffnete es Handelsunternehmen an über 800 Standorten und betreibt mittlerweile auch einen Online-Shop, in dem der Kunde sogar Gas bei seinem Energieversorger einkaufen kann. Das Modell funktioniert, weil die Kunden Tchibo vertrauen und die Philosophie „alles aus einer Hand“ schätzen.
Unternehmen mit nur einem Produkt können stark wachsen
Eine ganz andere Spezialisierungsstrategie fahren Avira oder Carthago Reisemobile. Avira programmiert Antivirensoftware, die in fast 100% der Fälle hilft und weltweit eingesetzt wird. Carthago produziert Wohnmobile für das Premiumsegment.
Beide Unternehmen wachsen seit Jahren mit ihrer „Ein-Produkt-Lösung“ nachhaltig und überdurchschnittlich. Beide kennen ihre Kunden und ihre Mitbewerber sehr genau. Sie stehen jeweils für bestimmte Markenversprechen, die der Markt entsprechend honoriert.
Ähnlich wie in der Natur führen auch hier die unterschiedlichen Wege zum Erfolg, weil sie zur Umgebung passen und mit Konsequenz verfolgt werden.
Ausdehnen nach dem Vorbild des Bambus
Der Bambus bietet ein Beispiel aus der Fauna. Er kommt auf der ganzen Welt vor, gedeiht bis in die unwirtlichen Regionen von Himalaya und Anden und seine unzähligen Verwendungsformen reichen vom Regenschirm über das Baugerüst bis hin zur Delikatesse als Speise.
Darüber hinaus erfreut er sich im asiatischen Raum eines besonderen Images: gilt er doch als Symbol für Freundschaft, Glück und ein langes Leben. Unternehmen, die sich national und international ausdehnen, tun gut daran, sich am Bambus zu orientieren.
Beispiel Produktvielfalt: Ein Produkt, das für eine nationale Kundengruppe von höchster Priorität ist, kann für andere Kundengruppen keinerlei Relevanz haben. Dies lässt sich am Beispiel Baugerüst aus Bambus, das bei uns undenkbar wäre, gut nachvollziehen. Diese Produktdifferenzierungen sind jedoch nötig, um die weltweite Präsenz nicht zu bremsen:
- McDonalds trägt den kulturellen Gewohnheiten seiner Kunden Rechnung, indem es vor einigen Jahren die über Jahrzehnte hinweg funktionierende weltweite, zentrale Strategie aufgab und heute den Franchisebetreibern der Restaurants eine Mitgestaltung im Auftritt und im Angebot vor Ort einräumt.
- Die Erkenntnisse des Neuromarketings werden zukünftig dazu führen, dass es ein reichhaltiges Angebot, speziell zugeschnitten auf unterschiedliche Konsumententypen gibt. Ein erster Anfang wurde von der Skiindustrie unternommen, indem sie den Damenski einführte. Dieser wird deutlich weniger offensiv und wettkampflastig angeboten als der Ski für die Männer.
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