Automatisierungstechnik Wege aus der Krise

Die derzeitige Wirtschaftskrise macht sich auch bei erfolgreichen Antriebstechnikherstellern bemerkbar. Wir sprachen mit Hans Sondermann, Geschäftsführer bei der SEW Eurodrive GmbH & Co. KG in Bruchsal, über mögliche Auswege aus der Krise und damit verbunden über neue Geschäftsmodelle.

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Herr Sondermann, SEW ist ja als erfolgreiches Unternehmen bekannt. Wie war denn die Entwicklung im vergangenen Jahr?

Sondermann: Die Entwicklung im letzten Jahr war analog den fünf, sechs Jahren zuvor von Wachstum gezeichnet. Trotz der Krise, die im Laufe des Geschäftsjahres – bei uns beginnt das Geschäftsjahr im März und geht bis Februar – auch bei SEW deutlich zu spüren war, hatten wir im ersten Halbjahr ein so enormes, überproportionales Wachstum, dass wir das Geschäftsjahr 2008/2009 wieder erfolgreich abschließen konnten. Wir haben unser Ziel von 2 Mrd. Euro leicht verfehlt, konnten aber dennoch ein Wachstum von knapp 8% hinlegen, was im Rahmen der Abschwächung, die sich schon im September 2008 abzeichnete, ein sehr gutes Ergebnis darstellt.

Wie sieht es denn mit Ihrem derzeitigen Auftragseingang aus?

Sondermann: Der Auftragseingang ist überproportional eingebrochen im Vergleich zum Umsatz. Er ist momentan deutlich zweistellig im Minus.

Wie hoch war der Auftragseingang im vergangenen Jahr?

Sondermann: Der Auftragseingang war im ersten Halbjahr des letzten Geschäftsjahres bei nahezu plus 16% und ist bis Ende Februar 2009 auf plus 0,2% gegenüber Vorjahresniveau gesunken. Daraus kann man ableiten, dass wir jetzt im März, mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs mit einem deutlichen Minus starten. Die Vergleichsmonate im Vorjahr, der März und der April 2008, waren allerdings auch Rekordmonate.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Sondermann: Ich erwarte in diesem Jahr – auch für SEW – kein Wachstum. Wir gehen davon aus, dass wir das für das vergangene Jahr angepeilte Umsatzniveau von 2 Mrd. Euro auch im nächsten Jahr nicht schaffen werden. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 rechne ich vielmehr mit einem Umsatzrückgang. Ich hoffe, dass der Rückgang nur im einstelligen Prozentbereich liegen wird, wobei für das erste Halbjahr ein deutlich höherer Rückgang erwartet wird. Der Tiefpunkt wird um die Sommerzeit kommen. Ich gehe davon aus, dass viele Unternehmen, somit auch unsere Kunden, die Sommermonate nutzen werden, um zu schließen. Das werden dann die Monate mit den Tiefstwerten an Auftragseingang sein.

Was wollen Sie tun, um das auszugleichen?

Sondermann: Man kann ganz pauschal sagen, es wird Einschnitte für alle geben, und zwar in unserem globalen Netzwerk. Das heißt auch, dass wir uns, auch im Ausland, zeitweise von unseren Leiharbeitern trennen müssen. Zur Sicherung der Beschäftigung unseres Stammpersonals werden wir weiterhin mit höchster Priorität die gesamte Prozesslandschaft optimieren. Denn wir haben sehr viele Synergien in unserem Netzwerk. Zum Beispiel: Wenn wir heute in fast jedem unserer weit über 50 Montagewerke zwei bis drei Disponenten haben, die eigenverantwortlich die Teile disponieren, die aus unseren zentralen Produktionsstätten kommen, werden wird dies zukünftig clustern. Denn wir brauchen nicht mehr in jedem Land diese Funktionen. Wir beginnen in diesen unterstützenden Funktionen einen Prozess der Rezentralisierung.

Es ist also nicht angedacht, das Konzept der dezentralen Montage aufzugeben?

Sondermann: Nein, wir werden nie überlegen, ob wir das Konzept der dezentralen Montage aufgeben denn dieses Konzept hat eine unschlagbare Markt- und Kundenbedienungsfunktion. Dienstleistung und Betreuung müssen auf der ganzen Welt lokal erfolgen, deshalb heißt unser Slogan „SEW is the most local global drive supplier“. Im Bereich von Unterstützungsprozessen kann das anders aussehen. Wir haben zum Beispiel entschieden, dass wir ein Kompetenzcenter in Skandinavien für die Anwendungstechnik in unserem schwedischen Werk gründen und reduzieren auf der anderen Seite damit Overheads in Finnland, in Dänemark und in Norwegen. Darüber hinaus werden wir unsere Montageprozesse ständig weiter optimieren, um die Kosten weiter zu senken.

Wann rechnen Sie mit einer Besserung der wirtschaftlichen Lage?

Sondermann: Ich stelle mich mit allen planerischen Aktivitäten darauf ein, dass wir im Kalenderjahr 2009 keine Wende der Krise erleben werden. Die Krise mag vielleicht in den Sommermonaten Juli bis September, Oktober ihren Tiefpunkt erreichen, aber eine Geschäftsbelebung, die als ein Krisenende gedeutet werden könnte, erwarte ich nicht.

In welchen Werken haben Sie Kurzarbeit geplant?

Sondermann: Wir haben ein europäisches Ergebnissicherungsprogramm definiert, das nach der Implementierung in Deutschland als Headquarter nun, auf alle europäischen Werke ausgerollt wird. Allerdings differenziert, denn beispielsweise ist das Thema Kurzarbeit in Deutschland festgeschrieben; auf ganz Europa ausrollen können sie es nicht, weil die lokalen gesetzlichen Vorschriften unterschiedlich sind. Aber jeder lokale Geschäftsführer der SEW-Gruppe hat den Auftrag, zu prüfen, inwieweit es ein Instrument gibt, das dem der Kurzarbeit hier in Deutschland entspricht.

Sind die Auftragsrückgänge in allen Ländern gleich?

Sondermann: In Ländern wie Holland oder auch Schweden, wo das Business sehr stark von OEM abhängig ist, haben wir natürlich deutlich größere Rückgänge in den Auftragseingängen als in Ländern wie beispielsweise Großbritannien, wo der Markt sehr Endkunden-betrieben ist. Dort haben wir deutlich geringere Umsatzrückgänge. Damit gibt es Länder in der SEW-Gruppe, die im Moment einen stabilen Markt haben. Die Krise ist nicht nur ein lokales Problem in Deutschland, es ist eine globale Krise, die sich allerdings unterschiedlich ausprägt. Sehr stark betroffen ist Europa, und das ist schon ein Sorgenkind für mich. Deutschland und die benachbarten europäischen Länder haben als Export-Länder einen ganz großen Anteil an den negativen Auswirkungen dieser globalen Krise zu tragen.

Wie nehmen Sie die Krise in Asien oder anderen Märkten wahr?

Sondermann: In Asien merkt man in gewissen Bereichen, ich denke da an den Bergbau und die Stahlindustrie, deutliche Rückgänge. Viele dieser großen Stahlwerke haben im Moment Liquiditätsprobleme. Wir haben das in dieser Branche im Dezember und Januar insbesondere in Indien und China auch deutlich gemerkt. Lagen in China seit 2000 die jährlichen Wachstumsraten bei größer 30%, so rechnen wir für die SEW-Gruppe für das laufende Geschäftsjahr zwar mit einem Wachstum, allerdings im einstelligen Prozentbereich.

Gibt es noch einen amerikanischen Markt?

Sondermann: Der amerikanische Markt ist natürlich insgesamt sehr schwierig, auch für SEW, weil wir als ein deutsches Unternehmen, wenn auch mit lokaler Präsenz, ja einen ganz anderen Marktanteil vor Ort haben, als wir es von anderen Ländern gewohnt sind. Wir gehen dort von deutlichen Umsatzrückgängen aus.

Wollen Sie an allen Ihren Standorten festhalten?

Sondermann: Selbstverständlich. Wir haben diese Jahre der Krisen immer wieder mal gehabt. Ich denke an die Asienkrise, an die Russlandkrise oder an die Südamerikakrise, wo wir auch damals überlegt haben, uns aus dem Markt zurückzuziehen, bei Auftragseingangseinbrüchen von größer 50%, aber schon verhältnismäßig gut etablierten Strukturen. Alle Wettbewerber haben sich zurückgezogen. Nach einer Durststrecke von anderthalb bis zwei Jahren haben wir heute eine dominante Marktstellung. Wir sind die einzigen, die in den lateinamerikanischen Ländern geblieben sind, die den Markt und den Kunden vor Ort die Möglichkeit gegeben haben, selbst wieder Aufbauarbeit zu leisten, und das ist etwas, das vergisst ein Markt nicht. Es hat sich bestätigt, wir haben jetzt in diesen Ländern eine viel größere Basis geschaffen und somit eine Eintrittsbarriere für unseren Wettbewerb.

Wie sieht die Auftragslage in den südamerikanischen Ländern jetzt aus?

Sondermann: Wir merken im Moment auch einen Auftragseingangsrückgang in den großen Märkten, also Brasilien, Argentinien und Chile, aber bei weitem nicht so hoch wie in West- und Osteuropa oder Nordamerika. Auch wenn diese Länder nicht ganz frei von den Auswirkungen der globalen Krise bleiben werden, rechne ich für SEW in diesem Jahr und diesen Märkten mit Wachstum. Dieses leite ich auch aus unserem Engagement in dortigen Schlüsselbranchen und -industrien ab, wie zum Beispiel der Zuckerindustrie und der abgeleiteten Herstellung von Ethanol.

Wie versuchen Sie, die Krise zu bewältigen?

Sondermann: Zunächst einmal bin ich davon überzeugt, dass wir an das was SEW groß gemacht hat, diesen Blick auf das Ganze beibehalten müssen. Das heißt zum einen: klare Rationalisierungsprogramme mit dem Ziel der Liquiditätssicherung fahren. Hieran orientieren sich all unsere weltweiten Ergebnissicherungsprogramme. Zum anderen müssen neben diesen defensiven Maßnahmen strategische Aufbauarbeiten für die Phase nach der Krise stattfinden. Wir treiben Innovation weiter voran und dank der guten finanziellen Basis und der Eigenkapitalstruktur von SEW können wir trotz der Ergebnissicherungsmaßnahmen, wozu auch ein Einstellungsstopp gehört, weiterhin in strategierelevante Schlüsselpositionen investieren.

Werden Sie neue Geschäftsfelder betreten?

Sondermann: Die Krise wird einen Paradigmenwechsel liefern, nichts mehr wird so sein wie vor der Krise. Produkte werden sich ändern, Entscheidungswege werden sich ändern, die Volumina der unterschiedlichen Märkte und Branchen werden sich ändern – und hier passt sich die SEW bereits frühzeitig an. Hier untersuchen wir natürlich auch weitere Geschäftsfelder, die nach der Krise eine ganz neue Aufmerksamkeit erzielen werden, hier ist das Thema „Elektromobilität“ zu nennen.

Also auch Elektromotoren für Fahrzeuge?

Sondermann: Ja, auch Elektromotoren für Fahrzeuge ist definitiv für uns im Moment ein strategisches Untersuchungsfeld für die Zukunft, wo wir entsprechende Ressourcen bereitgestellt haben und auch weiterhin bereitstellen werden. Schließlich liegen diese Untersuchungsfelder sehr nahe an unserer Kernkompetenz.

Stellen Sie hier auch Ingenieure ein?

Sondermann: Der Bereich der Elektromobilität ist sehr komplex, deshalb bedarf es zusätzlicher Ressourcen, die wir als strategierelevante Schlüsselpositionen besetzen, was somit kein Widerspruch zu der Einstellungsstopp-Aussage ist.

Ist die Akkumulatorentechnik auch ein Thema für SEW?

Sondermann: Nein, wir forschen nicht im Bereich der Batteriesysteme. Dies ist zu weit weg von unserer Kernkompetenz.

Ist da eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen angedacht?

Sondermann: Wenn Sie im Bereich der Elektromobilität erfolgreich sein wollen, wenn Sie dem Druck aus der Automobilbranche schnelle Resultate zu liefern, gerecht werden wollen, kommen Sie um eine Zusammenarbeit mit den Automobilisten gar nicht drum herum. Deshalb stellen in dieser Geschäftsfeld- und Machbarkeitsanalyse Themen wie Partnerschaften und Joint Ventures keine Tabus dar.

Was ist für Sie eines der zukunftsträchtigen Technikthemen?

Sondermann: Anlehnend an das Thema Elektromobilität haben wir auf der Hannover-Messe auf dem Robocup-Stand einen mobilen Roboter, bei dem die Energieversorgung über eine Bodenmatte geregelt ist. Das Thema berührungslose Energieübertragung ist eins der Highlights von SEW auf der diesjährigen Hannover-Messe. Wenn man letztes Jahr den Robocup gesehen hat, wie genial das auf der einen Seite ausgesehen hat, konnte man auch verfolgen, dass auf der anderen Seite häufig das Problem aufkam, dass die Roboter nicht mehr wollten, weil die Batterien leer waren, also ein Energieversorgungs-Thema. Wenn Sie heute sagen, Sie brauchen den Roboter nicht mehr an Kabel setzen, keine Batterien oder Speicher mehr einsetzen, sondern die laufen auf einem Energieteppich, was einem Fußballfeld gleicht, dann sind das typische Ausprägungsformen von den Dingen, die wir in Zukunft mitgestalten wollen. Ausprägungen von Elektromobilität.

Mit wem arbeiten Sie hier zusammen?

Sondermann: Das ist eine hundertprozentige Kernkompetenz von SEW, die in ein strategisches Geschäftsfeld von morgen aufgeht. Im Bereich applikationsbezogener Systeme sind bereits in der Vergangenheit Lösungen auf der Basis unseres Movitrans-Konzeptes in Entwicklungspartnerschaften entstanden, so zum Beispiel im Bereich der Flughafenlogistik mit der Firma Beumer.

In welchen Branchen ist der Rückgang jetzt am stärksten? Ist die Automatisierung weniger stark betroffen?

Sondermann: Also die Tatsache, dass die Automatisierung nicht von der Krise betroffen ist, sehe ich gar nicht. Sie mag vielleicht nicht so hart getroffen werden, aber wir sind quasi mittendrin. Alleine deshalb, weil die Automation am Gesamtexport von Deutschland einen dominanten Anteil hat. Und der Exportmarkt bricht wegen der globalen Krise in Deutschland dramatisch ein.

Ich glaube aber auch daran, dass es nicht so dramatisch sein wird wie im Standardkomponentengeschäft, alleine auch deshalb, weil die Unternehmen, die natürlich das Kapital und die liquiden Mittel haben, die Krise nutzen werden, um Automatisierungskonzepte und Optimierungspotenzial zu identifizieren, um sich besser aufzustellen. Das ist es auch, wofür ich bei unseren Kunden werbe, denn es darf nicht sein, dass in einer Krise die Unternehmen diese Aufgabe vernachlässigen.

Das heißt also, Sie haben auch für Ihre Kunden einen Ausweg gefunden aus der Krise oder können sie unterstützen?

Sondermann: Wir haben sicherlich neue Produkt-, Applikations- und Systemlösungen, die dem Kunden heute im Sinne von Total-Cost-of-Ownership eine deutlich optimierte, bessere Lösung geben.

Können Sie da ein Beispiel nennen?

Sondermann: Zum Beispiel im Rahmen mechatronischer Lösungen, wo sie letztendlich eine weitaus intelligentere Optimierung aller Systeme bieten. Genau das gleiche gilt, wenn Sie von der Komponenten-Ebene in das Lösungs- oder System-Geschäft blicken. Hier bieten wir ja bereits seit letztem Jahr unter der Marke Maxolution offene Ansätze für Komplettlösungen. In diesem Jahr stellen wir unter Variolution Pakete für gelöste Applikationen vor. Im Rahmen dieser Pakete bündeln wir nicht nur gezielt Komponenten, auch der Anwender kann damit seine Logistik- und Bestellprozesse optimieren.

Herr Sondermann, SEW hat aktuell am Standort Bruchsal in ein neues Montagewerk investiert – wie weit ist denn der Stand der Dinge und was versprechen Sie sich davon, jetzt wo die Krise da ist?

Sondermann: Das ist kein normales Fertigungs- und Montagewerk, wie wir es aus dem SEW-Netzwerk kennen. Es ist ein ganz anderes Werk, es ist ein Großgetriebewerk, also für unser strategisches Produktportfolio der Industriegetriebe. Das heißt, hier werden die größeren Dimensionen der Getriebe produziert und montiert. Baugrößen ab 127 oder, wenn man vom Drehmomentbereich ausgeht, von 18 000 bis weit über 500 000 Nm, also das sind dann nicht mehr die Getriebemotoren, sondern Einheiten, die mehrere Tonnen wiegen und bewegen.

Sie haben aber nach dem Status gefragt: Das Gebäude steht, und zwar auf einem speziell für die Produktion von tonnenschweren Industriegetrieben ausgelegten Fundament, der Bau des Hochregallagers wurde gerade abgeschlossen, jetzt beginnen wir mit den Installationsarbeiten. Wir haben leider ein bisschen Zeit durch den kalten Januar verloren, aber Fakt ist es, dass im Juni die ersten Großgetriebe dort montiert werden.

Gilt der Rückgang auch für diesen Bereich?

Sondermann: Wenn ich von einem schrumpfenden Umsatz ausgehe, dann nicht auf dem Feld der Industriegetriebe. Die Industriegetriebe sind nach wie vor bei uns der Produktbereich, der deutlich wächst. Der größte Markt ist Asien-Pazifik und deshalb ist auch dort unser größtes Produktionswerk, aber selbst hier in Europa merken wir auch, nachdem wir die IGX-Reihe letztes Jahr vorgestellt haben, was für eine enorme Nachfrage da ist, und wir werden auch dieses Jahr, in diesem Krisenjahr auch für Deutschland, im Industriegetriebebereich in Deutschland-Europa wachsen, nicht zuletzt durch eine Lieferperformance aus unserem neuen Werk in Bruchsal, mit einem Alleinstellungsmerkmal.

Worauf führen Sie das zurück, dass es gerade auf dem Markt für SEW noch weiter geht?

Sondermann: Ein Punkt ist sicherlich, dass wir am Industriegetriebemarkt als ein quasi Nachfolger mit einem sehr attraktiven Produkt- und Dienstleistungsportfolio sowie einem leistungsstarken globalen Netzwerk erfolgreich Wettbewerbsverdrängung realisieren können. Zum anderen sehe ich die für Groß- und Industriegetriebe spezifischen Applikationen und Branchen gerade in den Schwellenländern nicht in einem Schrumpfungsprozess. Hier partizipieren wir sowohl in Europa durch unsere global aufgestellte OEM-Kundschaft als auch in Ländern wie China oder Südafrika (Minengeschäft), wo wir eine hohe Reputation und Marktdurchdringung haben.

Sie stellen also noch Leute ein?

Sondermann: Jawohl, strategierelevante Schlüsselfunktionen werden weiterhin besetzt – trotz Einstellungsstopp. Das kann der Softwareingenieur sein, das kann auch ein Branchenmanager für ein bestimmtes Land sein. Diese Leute stellen wir weiterhin ein. Genauso haben wir trotz aller Einsparungsmaßnahmen nie die Diskussion gehabt, ob wir die Verpflichtung, Auszubildende oder BA-Studenten zu übernehmen, aufgeben müssen. Alle Auszubildenden werden wie gehabt befristet übernommen. Auch die Anzahl der Ausbildungsplätze werden wir nicht reduzieren.

Inwieweit ist die Energieersparnis bei SEW ein Thema? Gilt dies auch hinsichtlich der Fahrzeugflotte?

Sondermann: Wir sprechen ganz klar auch über diese Themen, denn wir haben uns als Unternehmen nachhaltigen Umweltschutz auf die Fahne geschrieben. Deshalb wird selbstverständlich auch über die Flottenfahrzeuge gesprochen. Wir werden die Modellpolitik bei den Geschäftsfahrzeugen in diesem Jahr noch nicht ändern, aber wir verlängern die Laufzeit eines Autos um ein Jahr beziehungsweise um 30 000 km. Auch in unserer Umweltverantwortung verpflichten wir uns bei Investitionen in Werke, diese Aspekte zu berücksichtigen.

Ein sehr schönes Beispiel ist das neue Montagewerk in Chennai, Indien, was im Februar dieses Jahres von Herrn Blickle und mir eröffnet worden ist. Hier haben wir sogar das Zertifikat „Green Company“ bekommen und diese Auflagen sind nicht ohne. Hier haben wir an eine automatische Kühlung gedacht, ohne in große Air-Conditioning-Anlagen im gewerblichen Bereich zu investieren; wir haben den Energieverbrauch für die Klimatisierung in den Bürogebäuden erheblich reduziert, indem wir in einer ganz interessanten Architektur auch Dächer bepflanzen; der Wasserverbrauch wird gemessen, Brauchwasser wird gereinigt, wieder verwendet, und dergleichen. Derartige Maßnahmen finden Sie überall wieder, auch in unserem neuen Großgetriebewerk in Bruchsal, bis hin zu einer Solaranlage, welche etwa 140 000 kWh/a liefert.

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