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Wegweisende Fertigung großer Autobahnschilder

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Komplettlösung mit Anlagenduo

Die Ingenieure von inotec AP arbeiteten sich dann tief in die Materie ein und konnten, wie es heißt, dem Kunden nach etwa drei Monaten ihr Ergebnis präsentieren: Eine 2-Anlagen-Komplettlösung, mit der sich mehrere Meter lange Aluminiumprofile schnell und präzise auf die Rückseiten großer Aluminiumblechtafeln mit Dicken bis maximal 4 mm und einer Fläche von bis zu 4 m × 4 m aufnieten lassen. Während sich die eine Anlage der Herstellung sämtlicher Randverstärkungen widme, kümmere sich das andere System nur um die Befestigung der innerhalb der Tafelflächen verlaufenden Aussteifungen. Das fertigungs- beziehungsweise verbindungstechnische Zentrum beider Anlagen bilden zwei Nietsysteme von Böllhoff, so intec AP.

Mit technischem Know-how verfeinert

Diese, heißt es weiter, wurden von den inotec-AP-Spezialisten sowohl steuerungs- als auch verfahrenstechnisch zu einer eigenen Systemumgebung integriert, in der sie im Zusammenspiel mit Servoantrieben, Linearführungen, Hydrauliksystemen und einigen projektspezifisch entwickelten Handlingkomponenten die komplett automatische Herstellung der großen Schildsegmente ermöglichen. Beide Anlagen sollen komfortabel zu bedienen sein und verfügten über eine umfangreiche Sicherheitstechnik – so etwa per Lichtgittern überwachte Umhausungen. Dennoch ist der Zugang rundum gut möglich, was die einfache Zu- und Abführung der Blechtafeln und Profile erlaube, sagt inotec AP.

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Jeder Niet muss genau sitzen

In der Randverstärkungsanlage gehe es vor allem darum, die bis zu 4000 mm langen Aluminiumprofile mit maximaler Positions- und Wiederholgenauigkeit auf die äußeren Ränder der Blechtafeln zu nieten. Die Anforderungen an die Präzision sind laut inotec AP deswegen so hoch, weil viele der Randprofile beim späteren Zusammenbau der Schildersegmente auch als Stoßstellen der Montage dienen. Der Co-Geschäftsführer von inotec AP erklärt: „Die Profile müssen sich vor Ort passgenau und spaltfrei miteinander verschrauben lassen und dürfen kein Blendlicht von hinten passieren lassen. Deshalb muss jeder Niet absolut genau sitzen.“ Damit das gelinge, werde jede Aluminiumtafel zunächst auf dem großen Bürstentisch der Anlage oberflächenschonend abgelegt und pneumatisch exakt fixiert.

Klemmeinheit sichert Präzision

Nach der Auflage des richtigen Profils – denn es gibt verschiedene Typen für Stoß- und Außenkanten – definiert der Werker die Distanz der Nietstrecke und die Abstände der Nietpunkte, erklärt Roth. Ab dem Augenblick, an dem er den Setzkopf der Nietmaschine auf Startposition gestellt habe, laufe dann alles Weitere automatisch ab: Servomotorisch über eine Zahnriemenachse angetrieben, fährt die Nietzange mit einer Positioniergenauigkeit von ± 0,25 mm an dem aufgelegten Profil entlang und setzt dabei Niet für Niet an die vorgesehene Stelle, erklären die Automatisierungsspezialisten. Damit jeder Nietvorgang absolut wiederholgenau ausgeführt werde, spanne eine von intotec AP entwickelte Klemmeinheit das Profil bei jedem Nietvorgang so ein, dass es nicht verrutschen könne. Ist ein Durchlauf beendet, fährt der Setzkopf zurück und die Anlage gibt die fertige Einheit von Profil und Blechtafel wieder frei, heißt es.

Zeit- und materialsparendes Stanznieten

Beim favorisierten Nietverfahren handelt es sich um das Böllhoff-Stanznieten. „Für Bremicker Verkehrstechnik war das Stanznieten eine Premiere, an die man große Erwartungen knüpfte. Schon in den ersten Testläufen wurden diese aber erfüllt“, berichtet Roth. Bei den Stanznietensystemen von Böllhoff erfolge die Zuführung der Niete über einen Gurt kontinuierlich und direkt in die Nietzange. Es wird dabei ohne Vorbohren in das volle Material der beiden Einzelteile genietet. „Das geschieht allerdings ohne Durchdringung des Materials. Denn mit einer Gegenlage in der Nietzange wird der Niet wie ein Druckknopf ausgeformt“, präzisiert Roth. Infolgedessen werde das Material nicht geschwächt. Das Stanznieten bedeute für den Anwender eine deutliche Qualitäts- und Effizienzsteigerung. Es entfalle dabei nicht nur der Zeitaufwand für das Bohren sondern auch für das etwaige erneute Ausrichten der einzelnen Elemente. „Außerdem konnte die Anzahl der Verbindungspunkte deutlich reduziert werden, weswegen der gesamte Bearbeitungsprozess wesentlich schneller abläuft“, merkt Roth an.

Nietkoloss mit großem Wirkradius

Konstruktiv ähnlich aufgebaut wie die Randverstärkungsanlage, ist auch die zweite Komplettlösung von inotec AP zum Vernieten der innerhalb der Aluminiumplatten verlaufenden Aussteifungsprofile. heißt es. Der wichtigste Unterschied falle allerdings sofort ins Auge: Eine mächtige, fast 800 kg schwere Nietzange, deren ausladende Bügel weit in die Flächen der Blechtafeln hineinreichen. „Dieser gusseiserne Koloss ist ebenfalls eine der Stanznietmaschinen des Systempartners Böllhoff. Sie arbeitet grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie die Nietmaschine der ersten Anlage, kann aber aufgrund ihrer großen Zange tief in das Material einfahren. Der Kunde spart sich so ein Dreh-Schwenksystem für die Blechtafeln und eine Portalanlage für das Setzen der Niete. Das macht die Anlage dennoch relativ kompakt“, erläutert der inotec-AP-Entscheider.

Schwer, aber anwendungsflexibel

Wie bei der ersten Anlage, so bewegt sich die Nietzange auch dabei in einer servomotorisch angetriebenen Achse, die mit hoher Genauigkeit angesteuert werde. Allerdings verfährt das System in diesem Fall entlang einer Zahnstange. Die Vorpositionierung führe der Werker wieder komfortabel per Joystick aus. Erneut gilt, dass nachdem die Nietstrecke, die Nietabstände und der Startpunkt definiert sind, der weitere Nietprozess vollautomatisch ablaufe. Damit dabei auch das Befestigen von Quer- und Längsprofilen einfach und mit hoher Präzision klappe, entwickelte inotec AP einen drehbaren Nietkopf, der alle definierten Nietpunkte erreichen könne. So erweist sich die große Nietzange trotz ihres Gewichts als überaus anwendungsflexibles Werkzeug.

Die neue Doppellösung von inotec AP wurde vor wenigen Wochen ausgeliefert, so Roth. Nach der Inbetriebnahme und einigen Detailanpassungen werde sie in der Schilderfertigung bei Bremicker Verkehrstechnik bald viele Tausend Niete setzen – wie gefordert, vollautomatisch und mit hoher Genauigkeit.

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