Widia Widia: Ein Werkstoff hart wie Diamant

Redakteur: Nora Nuissl

1925 kauft das deutsche Unternehmen Krupp eine Lizenz für das auf Wolframcarbid-Basis gesinterte Hartmetall von der „Osram Studiengesellschaft für elektrische Beleuchtung“. Damit legt der ehemalige Schwerindustriekonzern einen Meilenstein für eine der größten deutschen Werkzeugmarken – Widia.

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Die ursprünglich deutsche Marke Widia steht als Synonym für Hartmetallwerkzeuge – heute zu Kennametal gehörig.
Die ursprünglich deutsche Marke Widia steht als Synonym für Hartmetallwerkzeuge – heute zu Kennametal gehörig.
(Bild: Kennametal)

Am Anfang stand nicht das Werkzeug, sondern das Licht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehört die Glühlampenherstellung zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der aufstrebenden Industrie. Die Elektroindustrie forscht vor allem mit dem Metallelement Wolfram, das sich durch einen hohen Schmelzpunkt von 3422 °C auszeichnet. Hartstoffe, insbesondere das Wolframcarbid, interessieren aber auch andere Forschungsbereiche in der Weimarer Republik. Dass eine Erfindung der „Osram Studiengesellschaft für elektrische Beleuchtung“ den Grundstein für eine der größten deutschen Werkzeugmarken legt, hätte damals keiner gedacht.

Gesintertes Hartmetall wird aus Kobalt und Wolframcarbid geboren

In den 1920er-Jahren suchen viele Wissenschaftler nach einem Werkstoff, der genauso hart wie ein Diamant ist und das teure Mineral in der Metallbearbeitung ersetzt. Osram gelingt dieser Schritt: Die Verbindung von Kobalt und Wolframcarbid ergibt den harten Werkstoff. Der Leuchtmittelhersteller verkauft die Lizenz für das auf Wolframcarbid-Basis gesinterte Hartmetall 1925 aber an den Krupp-Konzern.

Widia steht für die Härteeigenschaft „wie Diamant“

Unter dem Markennamen Widia, der als Abkürzung für die Härte-Eigenschaft des neuen Stoffs steht – „(hart) wie Diamant“ – entwickelt das Industrieunternehmen das gesinterte Hartmetall. Dafür wird der Rohstoff aus dem Wolframerz beschafft und mit dem Bindemittel Kobalt zu einer bestimmten Korngröße vermahlen. Das karburierte Pulver wird nassgestrahlt, sprühgetrocknet und zu einem Grünling verpresst. Dieser Rohling wird im Ofen gesintert, anschließend geschliffen und bei Bedarf beschichtet, damit das Hartmetall einen Verschleißschutz bietet. Das Essener Unternehmen ist von dem Erfolg des Werkstoffs überzeugt und lässt den Markennamen 1926 beim Reichspatentamt in Berlin schützen.

Im darauffolgenden Jahr stellt der Konzern den Carbidwerkstoff erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse vor – das ist der Startschuss für eine lange Erfolgsgeschichte. Krupp baut die Marke aus: In der Essener Widia-Fabrik werden die Hartmetalle gefertigt. Das Unternehmen produziert damit als weltweit erstes Legierungen aus Sinterhartmetall auf der Basis von Wolframcarbid. Bis 1935 wird das Portfolio um Hartmetallwerkzeuge und -plättchen für die Werkzeugbestückung erweitert. Anwendungsbereiche gibt es genug: Die Werkzeuge werden vor allem in der Metallverformung und im Bergbau eingesetzt.

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