Deburring Expo

Wie globale Megatrends das Entgraten voranbringen

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Ohne Werkzeug lassen sich schwer zugängliche Grate thermisch entfernen, sofern der Werkstoff nicht zu leicht brennbar ist: Beim thermischen Entgraten, auf der Messe vorgestellt von ATL Anlagentechnik Luhden (Halle 1, Stand 301), wird der abzutragende Grat verbrannt. Dazu werden die Werkstücke in eine Entgratkammer gelegt und diese dicht verschlossen. Über ein Gasdosiersystem wird ein definiertes Gemisch aus Brenngas und Sauerstoff in die Entgratkammer geleitet und gezündet. Bei der anschließenden Verbrennung entstehen Temperaturen von 2500 bis 3300 °C; der Grat verbrennt.

Elektromobilität braucht gratfreie Bauteile

Andere Herausforderungen ergeben sich bei der Herstellung von Komponenten für die Elektromobilität. Hier werden mehr Stanzbiegeteile verbaut, beispielsweise Lamellenpakete für Elektromotoren, Brennstoffzellenstapel aus umgeformten Blechteilen oder auch elektrische Leiter und Kontakte. Eine saubere Entgratung dieser Teile ist elementar für die Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Fahrzeuge. Entgraten lassen sich solche Bauteile zum Beispiel mittels Gleitschleifen. Dafür bietet Avatec (Halle 1, Stand 312) seine neue Anlage TE 60R mit integrierter Separierung und Schleifkörper-Rückförderung. Forplan (Halle 1, Stand 504/605) zeigt mit der FPW 60 Liter Turbo-Automat eine besonders kompakte Tellerfliehkraftanlage, die auf 4 m² das Reinigen, Separieren und Trocknen von Bauteilen ermöglicht. Ein breites Spektrum an Maschinen für das Gleitschleifen zeigen zudem Rösler Oberflächentechnik (Halle 1, Stand 116/219 und 318/421), Gostol (Halle 1, Stand 713) und Vibromak (Halle 1, Stand 708).

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Eine andere Möglichkeit bietet das Abschleifen der Grate. Zum beidseitigen Entgraten und Kantenverrunden von gestanzten, laser- und feinplasmageschnittenen Platinen in einem Arbeitsgang hat Lissmac (Halle 1, Stand 118/221) die Schleif- und Entgratmaschinen SBM-L 1000 G1S2 und SBM-L 1500 G1S2 entwickelt. Die Platinen treffen in der Maschine zunächst auf ein oben und unten angeordnetes Schleifbandaggregat. Diese Aggregate befreien die Platinen von Schneidspritzern und starken Graten an den Schneidkanten. Anschließend durchlaufen die Platinen jeweils zwei oben und zwei unten installierte Schleiflamellenaggregate, welche die Schnittkanten verrunden. Die Schleiflamellenaggregate arbeiten ebenfalls gegenläufig.

Über die Antriebsart hinaus existieren in der Automobilindustrie noch weitere Trends, die zu höheren Anforderungen bei der Entgratqualität und dem Oberflächenfinish führen. Dazu zählen Assistenzsysteme: Ob Kamerasystem oder Sensor, diese Detektoren funktionieren nur dann einwandfrei, wenn kein Grat ihre Eigenschaften beeinflusst. Darüber hinaus spielen optische und dekorative Faktoren eine zunehmende Rolle. Fahrzeugscheinwerfer beispielsweise werden durch ihre klaren Frontscheiben zu wichtigen Designelementen, sodass auch hier Wert auf gratfreie und ausgearbeitete Oberflächen gelegt wird. Für solche Aufgaben bietet der Spezialist für CO2-Schneestrahlreinigung ACP Systems (Halle 1, Stand 333 und 318/421) sein Verfahren auch zum Entgraten harter und spröder Kunststoffe wie PEEK oder PPS an. Dabei wird flüssiges CO2 durch eine Düse geleitet, mithilfe von Druckluft gebündelt und beschleunigt. Trifft der –78,5 °C kalte Strahl auf die Teileoberfläche, wirken mehrere Effekte: So kommt es zu einer lokalen Versprödung der Grate. Durch die schlagartige Volumenvervielfachung bei der Sublimation des CO2-Schnees entstehen Mikrodruckwellen. Die Kraft bei deren Ausbreitung löst die Grate ab. Gleichzeitig entfernen die Wirkmechanismen partikuläre und filmische Verunreinigungen.

Medizintechnik muss auf Partikelfreiheit achten

Ein weiteres wichtiges Verfahren auf der Deburring Expo ist das elektrochemische Entgraten (ECM). Dafür stellt Extrude Hone (Halle 1, Stand 212/311 und 318/421) die neue Eco+ vor. Auch der Dienstleister Benseler Entgratungen (Halle 1, Stand 202 und 318/421) hat mit einer neuen ECM-Anlage sein Angebot ausgebaut. Ihre Zwillingsfunktion erlaubt schnelle Auftragswechsel und ein Maximum an Durchsatzleistung.

Auch bei den medizintechnischen Produkten verändern sich die Prioritäten: Lag der Fokus bisher hauptsächlich auf der Biokompatibilität, nimmt die neue MDR, die nach bisherigem Stand ab 20. Mai 2020 verpflichtend wird, erstmals auch Partikel ins Visier. Darin heißt es in Anhang 2 unter anderem: Die Produkte werden so ausgelegt und hergestellt, dass die Risiken durch Stoffe oder Partikel, die aus dem Produkt freigesetzt werden können, einschließlich Abrieb, Abbauprodukten und Verarbeitungsrückständen, so weit wie möglich verringert werden. Dies betrifft die Entgratung, denn es soll verhindert werden, dass beispielsweise ein Schleifgrat einer Kanüle oder ein Fertigungsrest an einer Pedikelschraube oder einem Implantat in den Körper des Patienten gelangt und ihn schädigt.

Unter anderem für die Medizintechnik hat Perfect Finish (Halle 1, Stand 501 und 318/421) die Maschinen des Typs PFM Vario entwickelt. Ein Vorteil dieser Strömungsschleifanlagen ist, dass auch Bauteile bis zu einem Durchmesser von 650 mm und einer Bauhöhe von 800 mm bearbeitet werden können. Durch ihre variable Bauweise ist es möglich, die Strömungsschleifanlagen in kurzer Zeit auf andere Bauteilgrößen umzurüsten.

In nahezu allen Industriebereichen sind Spezifikationen zur technischen Sauberkeit heute eine Selbstverständlichkeit. Je strenger diese sind, desto höher ist der Reinigungsaufwand, um die Vorgaben zu erfüllen. Und trotzdem: Häufig zeigt die Sauberkeitskontrolle nach der Reinigung, dass noch unzulässige Partikel vorhanden sind. Dabei handelt es sich oft um Grate, die sich während der Prüfung abgelöst haben. Eine zuverlässige Entgratung, bei der je nach geforderter Sauberkeit auch Feinstgrate entfernt werden, wird dadurch zur Voraussetzung, um die Sauberkeitsspezifikationen zu erreichen.

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