Digitalisierung

Wie Industrie 4.0 der Kaltmassivumformung nützt

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Dezentrale Steuerungsmechanismen bewältigen die Komplexität

Auf die Rolle des Menschen in einer Industrie-4.0-Arbeitswelt ging auch Dr. Tim Jeske, Forscher am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft Düsseldorf, ein. Seinen Beobachtungen nach bringt Industrie 4.0 auch eine neue Stufe der Komplexität in die Industrie. Mit Industrie 4.0 und Digitalisierung wird für ihn die Handhabung und Verarbeitung umfangreicher Informations- beziehungsweise Datenmengen ermöglicht. Damit lassen sich kundenspezifische Produkte und Dienstleistungen realisieren, auch die Herstellungs- oder Erbringungsprozesse werden produkt- oder dienstleistungsspezifisch und schließlich lassen sich die Arbeitsplätze mitarbeiterspezifisch gestalten. Auf der anderen Seite erlauben cyber-physische Systeme, also die Verbindung eingebetteter Systeme mit digitalen Netzen, die Beherrschung der Komplexität durch Modularisierung und dezentrale Steuerungsmechanismen.

Bildergalerie

Was uns in Zukunft erwarten könnte, veranschaulichte Jeske an einem Beispiel aus dem Straßenverkehr: Oft regeln an großen Kreuzungen Ampeln, die über ein Verkehrsleitsystem verbunden sind, den Verkehr. Dafür sind komplexe Systeme erforderlich, die sowohl bei der Einführung als auch bei der Pflege einen hohen Aufwand verursachen. Kurzfristige Anpassungen sind nur schwer möglich und bei einer Störung, beispielsweise einem Pannenfahrzeug, sind die Auswirkungen meist unklar. Deshalb gehen viele Verkehrsplaner dazu über, Straßenkreuzungen durch einen Kreisverkehr zu ersetzen. Damit entfällt nicht nur ein zentrales Verkehrsleitsystem – auch die Komplexität wird reduziert, Entscheidungen werden zum Autofahrer verlagert und damit dezentral getroffen. Die Autofahrer sehen selbst, was passiert, und können ihr Verhalten kurzfristig anpassen. Damit werden Störeinflüsse selbstständig vom Gesamtsystem reguliert. Ähnlich könnte es auch in den Fabriken ablaufen, wie Jeske am Beispiel der Automobilindustrie erläuterte. Auch hier ist eine dezentrale und selbstorganisierende Produktionssteuerung möglich, cyber-physische Systeme können hochautomatisierte und manuelle Prozesse unterstützen beziehungsweise verbinden. „Wenn nicht jedes Fahrzeug eine Klimaanlage braucht, kann man einzelne Fahrzeuge an der entsprechenden Station vorbeischleusen“, veranschaulichte er die Möglichkeiten.

Digitalisierung muss Informationen an der richtigen Stelle verfügbar machen

„Damit das funktioniert, brauche ich viele Informationen“, sagte der Wissenschaftler weiter. Die Informationsflüsse sind zwar unübersichtlich, aber das ist das Wesen der Digitalisierung. „Im Kern geht es darum, die richtigen Informationen an der richtigen Stelle verfügbar zu machen“, sagte Jeske.

Zudem wollte Jeske Automatisierung nicht mit Digitalisierung gleichgesetzt sehen. „Es sind Tätigkeiten vorstellbar, die hoch digitalisiert aber wenig automatisiert sind, wenn zum Beispiel ein Handwerker Messdaten in einer Datenbrille angezeigt bekommt“, erläuterte der Wissenschaftler.

(ID:45123165)