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Digitalisierung

Wie Industrie 4.0 der Kaltmassivumformung nützt

| Autor: Stéphane Itasse

Für den Einstieg in Industrie 4.0 lassen sich bereits vorhandene Systeme nutzen, beispielsweise ein MES.
Für den Einstieg in Industrie 4.0 lassen sich bereits vorhandene Systeme nutzen, beispielsweise ein MES. (Bild: Kuhn)

Noch zögern viele Unternehmen bei der Einführung von Industrie 4.0. Doch auf dem 33. Jahrestreffen der Kaltmassivumformer zeigten Referenten, dass einerseits schon einige Schritte getan sind und dass andererseits manche Vorhaben weniger kompliziert sind als befürchtet.

Industrie 4.0 ist gar nicht so kompliziert, folgt man dem Vorschlag von Ralf Renz, Spartenleiter Umformtechnik bei Schwer + Kopka, auf der Kaltmassivumformer-Konferenz. „Im Kern geht es darum, Produktionsdaten automatisch zu erfassen und an die richtige Stelle weiterzuleiten, sodass die richtigen Entscheidungen getroffen werden können – durch den Menschen oder ein IT-System“, sagte er. Doch obwohl fast alle Unternehmen die Dringlichkeit von Industrie 4.0 erkannt hätten, würden heute nur wenige einen produktiven Nutzen daraus ziehen. Dafür machte Renz mehrere Gründe aus: Vor allem hätten die Unternehmen keine Vorlagen, wie mit den Daten umzugehen sei, und es fehle an Mitarbeitern mit den richtigen Qualifikationen. Im Ergebnis würden viele aus Angst vor einem Datenfriedhof mit der Umsetzung von Industrie 4.0 zögern.

Industrie-4.0-Anwendungen sind bereits im MES enthalten

Doch viele Industrie-4.0-Anwendungen sind bereits im MES von Schwer + Kopka enthalten, wie der Spartenleiter weiter erläuterte. Damit lassen sich vorhandene Systeme zur Prozesüberwachung nutzen, technische und wirtschaftliche Produktionsdaten automatisch erfassen und aufbereiten sowie der Maschinenbediener, die Instandhaltung oder Manager durch einen Alarmmanager bei Bedarf informieren.

In der Umformtechnik gehören Prozessüberwachungssysteme bereits seit vielen Jahren zum Stand der Technik. „Diese lassen sich als Drehkreuz für Datenströme nutzen“, erläuterte Renz. Die Systeme haben sich zudem in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt, neben der Prozessüberwachung können sie neue Aufgaben wie Steuerung und Regelung übernehmen. Auch Sensoren, Maschinensteuerung und Business-Software können angeschlossen werden.

Verlinkung von Prozessüberwachung und Maschinensteuerung

In seinem Vortrag präsentierte Renz gleich drei Praxisbeispiele für Industrie-4.0-Anwendungen. Im ersten Fall realisierte Schwer + Kopka eine Verlinkung zwischen Überwachungssystem und Maschinensteuerung. In diesem Beispiel konnten Daten direkt über OPC aus der Maschinensteuerung in die Prozessüberwachung eingespielt werden. Dadurch war es möglich, doppelte Eingaben durch Maschinenbediener in Terminal und Prozessüberwachungssystem einzusparen. Außerdem lassen sich auch Maschinenstörungen direkt an das Überwachungssystem übermitteln. „Das Überwachungssystem kann dem MES oder jeder anderen Business-Software mitteilen, wo das Problem gerade liegt. Das spart Zeit, weil der Mitarbeiter nicht mehr an die Maschine kommen muss, und es werden Fehleinschätzungen durch Bediener vermieden“, sagte Renz.

Im zweiten Fall ging es um Maschinenschutz beim Kuppen. Bei diesem Prozess entstehen sehr heiße Späne, die unbemerkt einen Brand auslösen können – und der wiederum kann die Maschine zerstören. Deshalb wird jetzt die Maschine über das Condition Monitoring abgeschaltet, wenn die Temperatur im Spänebehälter über einen festgelegten Grenzwert steigt.

Im dritten Anwendungsfall kam Schwer + Kopka dem Energiefresser Druckluft auf die Spur. Mithilfe von Sensoren innerhalb des Druckluftsystems konnten die Leckageverluste im Energiemanagementsystem ermittelt werden. „Optimierungen sparen hier bis zu 30 % der Energiekosten“, bilanzierte Renz.

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