CFK-Bearbeitung

Wie zerspant ein Profi den Leichtbauwerkstoff CFK?

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Doch der Umstieg erfordere ein Umdenken: So müsse der Konstrukteur ganz anders an eine CFK-Entwicklung herangehen. „CFK verhält sich anders als etwa Aluminium, das in alle Richtungen die gleiche Festigkeit aufweist“, meint Liebrandt. „Ich kann dagegen beim CFK, einem so genannten anisotropen Werkstoff, die Festigkeit durch die Lage der Fasern in jede Richtung beeinflussen. Wir legen beispielsweise Fasern mit einem Winkel von 45 Grad zur Längsrichtung, um so eine hohe Torsionssteifigkeit zu erreichen.“

Obwohl Liebrandt als Anbieter von Maschinen zum Herstellen von Carbonfasergelegen näher am Thema CFK dran ist als andere, kostete ihn der zehnjährige Einstieg in die eigene Produktion von CFK-Bauteilen „Blut, Schweiß, Tränen und viel Geld“. „Es war ein langer, aufwändiger und schmerzvoller Prozess mit vielen Fehlschlägen, weil es bei meinem Einstieg vor zehn Jahren auf dem Markt kein entsprechendes Know-how gab und weil ich Erfahrungen etwa aus dem Flugzeugbau nicht eins zu eins übernehmen konnte“, blickt er zurück.

Langfräsmaschine bearbeitet beareitet bis zu 8 m lange CFK-Baueile

Das Zerspanen geschah bisher auf einer konventionellen Werkzeugmaschine, die sonst Aluminium und Stahl fräst. Ende August 2011 erhielt das Unternehmen von der Eima Maschinenbau GmbH, Frickenhausen, ihre erste Werkzeugmaschine zum CFK-Fräsen. Laut Liebrandt kam nur diese Längsfräsmaschine infrage, weil sie nach seinen Recherchen als einzige sehr lange und schmale CFK-Werkzeugträger bearbeiten kann. Der Neuling kann Bauteile mit einer Maximallänge von 8 m fräsen.

Das Bearbeitungszentrum (Modell Alpha C) wurde mit neuen Werkzeugaufnahmen der WNT Deutschland GmbH, Kempten, sowie Spezialfräsern der Karnasch Professional Tools GmbH, Heddesheim, ausgestattet. Im Vergleich zur konventionellen Fräsmaschine arbeitet der Neuling mit einer mehr als doppelt so hohen Spindeldrehzahl (1800 min–1) und fräst mit einem Vorschub von bis zu 20 m/min. „Der Output hat sich bereits um 40% gesteigert“, berichtet der Firmeninhaber. „Ich bin mir sicher, dass wir noch mehr herausholen, wenn wir die ge-samte Infrastruktur umgestellt haben.“ Langfristig soll der Neuling mindestens die doppelte Leistung erbringen, vor allem um die Herstellungskosten der CFK-Bauteile zu senken. Leibrandt: „Ich könnte mir auch vorstellen, CFK-Fremdaufträge zu übernehmen – falls die Maschine mal nicht mit unseren eigenen Bauteilen ausgelastet sein sollte.“

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