Elektro-Engineering Elektrokonstrukteure haben keine Zeit, die KI schon

Von Stefanie Michel 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Konstrukteur denkt, ein CAD dokumentiert das. Doch es braucht mehr Engineering-Kapazität. Deshalb stellt WSCAD Electrix OS vor. Die Software entwickelt aus Lastenheft, Normen und Standards einen elektrotechnischen Entwurf, bevor das CAD startet.

Mit Electrix OS will WSCAD den Ingenieur/Konstrukteur wieder zu seiner eigentlichen Aufgabe zurückbringen: in die Produktentwicklung.(Bild:  Stefanie Michel)
Mit Electrix OS will WSCAD den Ingenieur/Konstrukteur wieder zu seiner eigentlichen Aufgabe zurückbringen: in die Produktentwicklung.
(Bild: Stefanie Michel)

Dr. Axel Zein, CEO von WSCAD, ist sich der Aufmerksamkeit sicher, wenn er voller Überzeugung davon spricht, dass CAD tot ist – zumindest als Mittelpunkt des Engineerings. Aber was dann? Für WSCAD ist die Zeit für eine neue Softwarekategorie gekommen: Engineering Intelligence. Klassische CAD-Systeme dienen der Konstruktion und Dokumentation, KI-Copiloten unterstützen einzelne Arbeitsschritte. Electrix OS setzt früher an, nämlich bei der Entwicklung der technischen Lösung. Das System interpretiert Anforderungen, berücksichtigt Randbedingungen und nutzt vorhandenes Engineering-Wissen. Das E-CAD-System übernimmt danach Umsetzung und Dokumentation.

Zeit für mehr Engineering-Kapazität

Der Bedarf ist belegt. In der WSCAD-Studie „Die Zukunft der Elektrokonstruktion“ gaben rund 54 Prozent von 1.267 E-CAD-Anwendern aus 40 Ländern an, keine Zeit für Innovationen oder bessere Arbeitsabläufe zu haben. Laut Zein ist nicht die Geschwindigkeit der CAD-Software der Engpass. Es fehlte einfach Engineering-Kapazität und -Know-how. Der Konstrukteur sei heute eine One-Man-Show, der alles macht. Künftig soll er technische Entscheidungen treffen, validieren und Verantwortung übernehmen. Zein sagt: „CAD hat das Zeichnen digitalisiert. Engineering Intelligence beginnt, das Engineering selbst zu digitalisieren“, so Zein. Das System soll den Ingenieur wieder dahin zurückbringen, was er eigentlich macht: nämlich Produktentwicklung.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Der Konstrukteur erteilt den Planungsauftrag und legt Ziele sowie technische Vorgaben fest. Grundlage sind Lastenhefte, Kundenvorgaben, Unternehmensstandards oder Aufgabenbeschreibungen. Das System zerlegt die Unterlagen in prüfbare Anforderungen und dokumentiert deren Herkunft. Es macht Vorschläge, der Mensch kann sie akzeptieren. Erst dann beginnt die Umsetzung. Fehlen Angaben oder widersprechen sich Vorgaben, stellt das System Rückfragen. Es kann Antworten aus Unternehmensstandards oder früheren Projekten vorschlagen. Betroffene Planungsschritte bleiben offen, bis die Punkte geklärt sind. Bei Bedarf entwirft die KI eine E-Mail an den Auftraggeber, die der Konstrukteur oder Vertriebsmitarbeiter verschickt.

Von technischen Anforderungen zum fertigen Entwurf

Als Beispiel nennt WSCAD die Elektrokonstruktion einer Verpackungsmaschine.Der Konstrukteur definiert eine Produktionsleistung von 250 Flaschen pro Minute, den Einsatz von Allen-Bradley-Komponenten, relevante UL-Anforderungen, redundante Sicherheitskreise und eine maximale Schaltschrankbreite von 50 Zoll. Electrix OS entwickelt daraus einen Entwurf – von der Funktionsstruktur über Energie-, Steuerungs- und Sicherheitskonzepte bis zur Geräteauswahl. Daraufhin bewertet der Konstrukteur Alternativen, verlangt Änderungen und gibt die Lösung frei. Danach entstehen im E-CAD-System Stromlaufpläne, Stücklisten und Fertigungsdokumentation. Die Anbindung erfolgt zunächst über die WSCAD-Software Electrix AI. Der Plan lässt sich zudem als Eplan-Modell ausgeben.

Kommen nach der Zeichnungserstellung Änderungen, lassen sich diese einfach ergänzen. Das System erzeugt die Anpassungen und prüft dabei die Abhängigkeiten. Der Konstrukteur kann gezielt die abhängigen Planungsteile überarbeiten lassen. Das begrenzt den Aufwand.

Nachvollziehbar statt autonom

Electrix OS verbindet spezialisierte KI-Agenten mit einem strukturierten Engineering-Modell und festen Prüfregeln. Die Agenten analysieren etwa Anforderungen oder entwickeln Konzepte. Bevor ein Vorschlag ins Projektmodell gelangt, prüft das System Struktur, Vollständigkeit und Widersprüche. Jeder KI-Arbeitsschritt wird mit Eingaben und Ergebnissen protokolliert. Bei Änderungen kann der Konstrukteur gezielt die davon abhängigen Teile der Planung überarbeiten lassen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Daniel Papp, Product Owner Electrix OS bei WSCAD, erklärt: „Wir haben nicht ein Sprachmodell vor ein CAD-System gesetzt. Wir haben ein Modell der Elektrokonstruktion gebaut, in dem die KI arbeiten darf, aber nicht die Wahrheit besitzt. Jeder Vorschlag muss durch dieselben Prüfregeln, die auch für einen menschlichen Eintrag gelten. Und wo die KI unsicher ist, fragt sie, statt zu entscheiden. Das ist der Unterschied zwischen einem Assistenten und einem Fundament.“

Dokumentiertes Wissen bleibt erhalten

Die Plattform verknüpft Anforderungen, Annahmen, Funktionen und technische Objekte. So bleibt nachvollziehbar, warum eine Lösung gewählt wurde und welche Folgen spätere Änderungen haben. Getrennt davon liegt eine Wissensbasis mit Normen, Unternehmensrichtlinien und bewährten Lösungsmustern. Die KI wendet sie an, verändert sie aber nicht eigenständig. Das Erfahrungswissen bleibt auch bei Personalwechseln nutzbar.

Electrix OS läuft in der Cloud und lokal. Für sicherheitskritische Anwendungen kann das Engineering-Wissen auf eigenen Rechnern oder Servern liegen. Eine Verarbeitung in einer öffentlichen oder externen Cloud ist nicht erforderlich.

Die Software soll 2027 verfügbar sein. WSCAD stellt sie jetzt vor, damit Kunden sie mitgestalten können. Entwicklungspartner arbeiten mit dem WSCAD-Team an eigenen Projekten und bringen ihre Anforderungen ein. Sie müssen die WSCAD-Software nicht bereits nutzen.

(ID:50992671)