Zulieferer Konjunkturschwache Zulieferbranche rechnet mit Trendumkehr

Quelle: Pressemitteilung Argez 3 min Lesedauer

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Trotz Produktions- und Umsatzrückgängen im vergangenen Jahr ist die Zulieferindustrie vorsichtig optimistisch. Grund dafür sind erste Anzeichen für eine Trendumkehr und Bodenbildung.

Die Zulieferer in Deutschland gehen von langsamer Bodenbildung aus. Doch Konkurrenz aus dem Ausland und Abhängigkeit vom Exportgeschäft bereiten schon seit längerem Sorgen.(Bild:  Kostiantyn - stock.adobe.com)
Die Zulieferer in Deutschland gehen von langsamer Bodenbildung aus. Doch Konkurrenz aus dem Ausland und Abhängigkeit vom Exportgeschäft bereiten schon seit längerem Sorgen.
(Bild: Kostiantyn - stock.adobe.com)

Die Zulieferindustrie musste 2023 mit einem Produktionsrückgang von 4,8 Prozent beenden. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft Zuliefer-Industrie (Argez). Der Umsatzrückgang betrug 3,2 Prozent, da es inflationsbedingt zu Preisanpassungen gekommen war. Wichtige Einflussfaktoren waren Lohnkostensteigerungen, eine niedrigere Auslastung und weiter steigende Erzeugerpreise. Zudem ist die Auslastung 2023 von 81 Prozent auf 76,6 Prozent gesunken. Auch die konjunkturelle Entwicklung für 2024 musste in den vergangenen Monaten immer wieder nach unten korrigiert werden. Aber trotzdem deute vieles auf eine allmähliche Bodenbildung hin, ist Michael Weigelt, Geschäftsführer von Tec Part überzeugt. Jedoch wäre auch nicht mehr viel Luft nach unten gewesen, so Weigelt weiter. Die mittelständischen Zulieferer starteten demnach ohne Auftragspolster und ohne Perspektive auf baldige Nachfrageimpulse ins Jahr.

Auch die Kapazitätsauslastung ging zurück. Grund dafür war die teilweise schwache Nachfrage. Verschärft wurde dies durch den hohen Kostendruck und wichtige Investitionsentscheidungen. Das berichtete Christian Vietmeyer, der Sprecher der Argez.

Schlechte Stimmung bleibt

Die Stimmung unter den deutschen Zulieferern sei entsprechend schlecht. Das saisonbereinigte ifo-Geschäftsklima der Argez-Unternehmen liegt am Ende des ersten Quartals mit minus 23,1 Punkten deutlich im negativen Bereich. Innerhalb eines Jahres kehrte sich der Saldo der gut-schlecht-Bewertungen der Betriebe in den roten Bereich. Weniger als jedes fünfte Unternehmen bezeichnet die gegenwärtige Geschäftssituation als „gut“. Zuletzt fanden sich schlechtere Werte lediglich während der Pandemie und der Weltfinanzkrise. Da sich die aktuelle Unzufriedenheit nicht durch exogene Schocks erklären lässt, wird in der Branche die Frage nach einer strukturellen Schwäche des Wirtschaftsstandorts Deutschland gestellt.

Einzelne Sektoren besonders getroffen

Der Produktionsstandort Deutschland habe für mittelständische Unternehmen eine besonders hohe Relevanz. ,eint Weigert. Das sei darauf zurückzuführen, dass sie nicht die nötige Infrastruktur haben, um ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern. Das zeige sich auch in der Automobilbranche, wo die Produktion hierzulande seit Jahren rückläufig sei. Von 5,6 Millionen PKW und Kleintransportern, die 2012 produziert wurden, ist die Produktion mittlerweile auf 4 Millionen Einheiten gesunken. Im ersten Quartal 2024 sind nur knapp 1 Millionen PKW in Deutschland gebaut worden. Gleichzeitig steigt die Produktion deutscher Autokonzerne im Ausland auf inzwischen über 10 Millionen Fahrzeuge an. Diese schleichende Deindustrialisierung im Automobilsektor führt gerade bei den kleineren Zulieferern zu sinkenden Abrufzahlen. Während im Ausland zunehmend lokal zugekauft wird, kann nicht jeder Zulieferer mit ins Ausland gehen.

Die deutsche Zulieferindustrie hat in großem Umfang in die Entwicklung neuer Technologien investiert und neue Produkte zur Serienreife gebracht, z. B. für Elektromobile. Allerdings werden die angekündigten Mengen nicht in dem erwarteten Umfang von den Elektrofahrzeug-Herstellern abgenommen. Im ersten Quartal 2024 sind die Neuzulassungs- und Produktionszahlen beim BEV in Deutschland gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken, was sicherlich auch der gestrichenen Förderung geschuldet ist. Diese Abkühlung bei der Elektromobilität und das ohnehin nach wie vor sehr volatile Bestellverhalten der OEM und der großen Systemlieferanten bei anderen Fahrzeugtypen bringen viele mittelständische Zulieferbetriebe in Bedrängnis. Das gilt auch für andere Abnehmer z. B. aus der Windkraftbranche.

Europawahl: Zukunftsweisend

Die Argez fordert von der künftigen EU-Kommission eine Industriestrategie, um Europa wettbewerbsfähig zu machen gegenüber den USA und Asien. Darüber hinaus fordert der Verband die Abkehr von Green Deal und Nachhaltigkeitsthemen, wie z. B. Nachhaltigkeitsberichts- und Lieferkettensorgfaltspflichten, um nicht weiter abgehängt zu werden. Die Finanzierung sei für Zulieferer bei den Hausbanken schwieriger, während gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung in anderen Regionen der Welt stark wachse. Vietmeyer: „Die EU-Taxonomie darf nicht kommen, denn sie führt zu einer Deindustrialisierung der EU, ohne den Klimaschutz tatsächlich zu fördern“.

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